Filme begleiten uns tagtäglich und von einem spannenden Thriller oder einer romantischen Lovestory lässt sich jeder gerne mitreißen. Ob im Fernsehen, im Kino oder auf DVD, sind Filme aus unserem Leben nicht mehr wegzudenken. Aber was geschieht eigentlich mit denen, die es nicht in die Kinos geschafft haben? Und was ist mit den Streifen geschehen, die früher, weit vor dem digitalen Zeitalter gedreht wurden? Viele Filme gelten heute als verloren. Und genau dieses Problem beschäftigt die Filmwissenschaft schon lange.
Von Anne-Lena Brückert
Wissenschaftler gehen davon aus, dass rund 80-90% aller Stummfilme nicht mehr auffindbar sind. Und auch eine erhebliche Anzahl an Tonfilmen, die vor 1950 produziert wurden, gelten heute als verloren.
Die Gründe für den Verlust eines Films sind vielseitig: Er kann aus kommerziellen Gründen verändert oder zusammengeschnitten werden. Er kann politischer Zensur zum Opfer fallen oder auch durch Materialfehler unbrauchbar werden. Viele Filmrollen bestanden früher aus Zellulosenitrat, was sehr anfällig ist und vor allem leicht entflammbar. So sind einige Filmstreifen Bränden zum Opfer gefallen, wenn sie nicht richtig gelagert wurden.
Aber auch die Politik trägt ihren Teil zu dem Verlust bei. Es gibt in Deutschland keine gesetzliche Regelung zur Archivierung von Filmen. Von einem Buch müssen Kopien angefertigt werden, von Filmen aber nicht – da sind Verluste vorprogrammiert.
Lost Films: Rettung der Filmschätze
Aber sind diese Filme wirklich verloren? Der Begriff „nicht auffindbar“ beschreibt es wohl etwas besser. Denn nicht selten ist es schwer bis unmöglich auszumachen, ob und wo ein Film verwahrt wird. Niemand kann genau sagen, wie viele Schätze der Filmwelt sich womöglich noch in verstaubten Regalen privater Sammler befinden. Oder wie viele einfach entsorgt wurden, weil man sie vielleicht für nicht wichtig erachtete oder schlicht keinen Platz mehr in den Archiven hatte.
Einen Lösungsansatz für dieses Problem bietet die Initiative Lost Films. Filmspezialisten der Deutschen Kinemathek in Berlin unter der Leitung von Jürgen Keiper hatten es sich zum Ziel gesetzt, verloren geglaubte Filme zu identifizieren und für die Nachwelt zu sichern. Um dieses Ziel zu erreichen, wurde die Initiative ins Leben gerufen.
User können dort interaktiv zusammenarbeiten und Fakten und Informationen über unbekannte Filme zusammentragen. Man findet dort zum Beispiel Bilder, Filmplakate und auch Screenshots, die zunächst nicht identifiziert werden konnten. Die User der Seite können dann jede noch so kleine Information zu den Materialien an Lost Films weitergeben. Diese werden schließlich gesammelt und geprüft. So tragen die Nutzer der Seite interaktiv dazu bei, dass zunächst unbekannte Werke identifiziert werden können.
Zurzeit befinden sich mehr als 3.500 Titel von unbekannten Filmen auf der Seite und es werden immer mehr.
Gemeinsam ans Ziel
Ohne seine User würde die Initiative Lost Films nicht funktionieren. Jeder kann sich anmelden und ist willkommen, sein Wissen über die Filmwelt mit anderen zu teilen. Nicht nur Menschen vom Fach registrieren sich, auch Interessierte und private Sammler loggen sich regelmäßig ein.
Eine enge Zusammenarbeit findet aber nicht nur mit den Usern statt. Als Initiative der Deutschen Kinemathek in Berlin wird Lost Films von mehreren Organisationen unterstützt, wie zum Beispiel der Friedrich-Wilhelm-Murnau-Stiftung in Wiesbaden, dem Centre national de la cinématographie in Paris und noch vielen mehr. Gemeinsam mit dem Deutschen Filminstitut (DIF) und dem Bundesarchiv-Filmarchiv Koblenz/ Berlin bildet die Deutsche Kinemathek den Kinemathekenverbund. Ziel dieses Bündnisses ist unter anderem die Verbesserung der Filmarchivierung in Deutschland.
Und genau dieses Ziel verfolgt auch Lost Films. Viele teilweise sehr alte und längst verloren geglaubte Filme wurden dank der Internetplattform bereits identifiziert. Und durch die interaktive Zusammenarbeit der User kann der Verlust von Filmen zumindest ein Stück weit verringert werden.
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