Achtung! Die folgenden Zeilen sind absolut subjektiv, tendenziös und politisch inkorrekt …
Kommunikationswissenschaften mit Begleitfach, so hieß es in meinem Zulassungsbescheid. Und was wählt man da als lebensfroher Frisch-Zwanziger? Politik wahrscheinlich nicht. Ich habe es trotzdem getan, teils aus echtem Interesse, teils mit Blick auf die Karrierechancen. Politik und Gesellschaft, so heißt der Studiengang hier an der Uni Bonn. Das passt ja zur Kommunikation, dachte ich mir. Es passt nicht, weiß ich heute. Denn was da in meinem Studentenausweis so brav untereinander steht, ist sich im echten Leben zuwider. Klar, es gibt fachliche Überschneidungen und rein wissenschaftlich ist die Verknüpfung sinnvoll, Stichworte: politische PR, Willensbildung, Onlinewahlkampf und so weiter …
Was nicht passt, ist das rein Menschliche. Jawohl! Schon ab dem ersten Semester sind Kommunikationswissenschaftler und Politologen grundlegend verschieden, ein anderer Schlag Menschen. Zugegeben: das ist ein Vorurteil. Außerdem ist die These engstirnig und kaum zu belegen. Ich habe tatsächlich kaum Beweise gesammelt, dafür aber Erfahrungen gemacht: Wenn sich in einem Kurs mehrere Studenten zu Wort melden, dann ist den Kowis im Grunde egal, wer dran genommen wird (vorausgesetzt es beteiligt sich überhaupt jemand).
Debattiert wird eigentlich immer
Ein angehender Politiker legt dagegen sehr viel wert darauf, dass die Reihenfolge der Redebeiträge der Chronologie der Meldungen entspricht. Wer sich zu erst meldet, wird also auch zu erst dran genommen. Und wehe der Professor hält die Reihenfolge nicht ein, dann gibt es herzhafte Debatten. Und debattiert wird eigentlich immer, ob über Grundsätzliches oder Kleinigkeiten, ob morgens um acht oder in der Abendvorlesung, zwischen den Studenten oder mit dem Professor. Pro und Kontra, Argument und Gegenargument, Rhetorik und echtes Engagement – das ist jedem Kommunikationswissenschaftler deutlich zu anstrengend.
Da setzen wir uns doch lieber in den Hörsaal, lassen uns von vorne berieseln und kurieren dabei den Kater von gestern aus. So richtig aktiv wird ein Kowi eigentlich nur, wenn er einen Vortrag halten muss. Da hat man sich dann eine schöne Power Point gebastelt, rattert vorne den Text runter und geht unter dem sicheren Beifall der Kommilitonen zurück zum Platz. Gibt es Rückfragen? Nein. Kowis haben generell keine Rückfragen. Bei den Politologen gibt es Rückfragen, garantiert! Entweder wird der Referent mit diversen Spezialfragen auf sein Wissen getestet, oder die Kommilitonen nutzen die Gelegenheit, um selbst noch ein wenig über das Thema zu referieren. Was für einen Kommunikationswissenschaftler sträflicher Freundesverrat wäre, ist für die Politikwissenschaftler guter Umgangston und tatsächlich nicht böse gemeint.
Böse und Gut
Da haben wir es: es ist ein anderer Schlag Menschen. Die Aufteilung geschieht dabei durch eine fast natürliche Selektion. Wer sich für ein Studium der Kommunikationswissenschaften entscheidet, der findet Medien ganz interessant und möchte vor allem Spaß haben. Ein angehender Politikwissenschaftler hat dagegen klare Ziele und den Ehrgeiz, das Beste aus seinem Studium herauszuholen. So trennen sich die Menschen in gut und böse, beziehungsweise in böse und gut. Das kann man so nicht verallgemeinern? Stimmt! Aber während das einen Kowi kaum kratzt, stehen mir bei den Politikern harte Diskussionen bevor.
Und darum zum versöhnlichen Schluss: Eigentlich haben wir uns doch alle lieb!

Herrlich, Tobi.
Als ich deinen Beitrag gelesen habe, habe ich mich so richtig verstanden gefühlt. Schließlich sind wir mit unserer KoWi/PoGe Kombi eine echte Rarität. Auch wenn ich ebenfalls keine standfesten Beweise habe, kann ich deine Eindrücke nur bestätigen. Ich erinnere mich an mein erstes Semester, Übung “Internationale Beziehungen”. Nicht nur, dass gefühlt alle, außer mir Ahnung von allen Ländern dieser Welt hatten, sondern zudem eigene, differenzierte Ansichten. Als Kowi hält man sich da dann doch lieber zurück.
Ein wenig mehr Gelassenheit würde den Politikkollegen aber auch nicht schlecht stehen. Manchmal denk ich mir: Bleibt mal locker, man muss nicht jeden Pups diskutieren und seinen Senf dazugeben. Aber eines muss man euch lassen: Formulieren, und Dinge auf den Punkt bringen, das könnt ihr. Somit ist ein Besuch zweimal die Woche in der Kaiser- oder Lennéstraße ganz angenehm. Ein bisschen mehr Action. Und: Ein kleinwenig mehr das Gefühl, irgendwie auch wirklich mal etwas gelernt und mitgenommen zu haben (Außnahmen bestätigen aber auch hier die Regel). Dinge, die dann doch des Öfteren einfach zum Allgemeinwissen gehören.
Auch wenn der Anspruch um einiges höher ist und die Noten nicht gerade zu einem guten Notendurchschnitt beitragen, bin ich doch heilfroh, dass ich PoGe im Nebenfach habe.