Die überregionale Kulturseite, Politik aus drei verschiedenen Perspektiven, ein bisschen Lokales und nie wieder ein Wirtschaftsteil – wer würde morgens nicht gerne seine ganz persönliche Zeitung aufschlagen? Zumindest in Berlin ist das seit etwas über einem halben Jahr möglich. 
Wanja Oberhof und Hendrik Tiedemann, zwei Studenten der Berliner Hochschule für Wirtschaft und Recht, hatten unabhängig voneinander eine geniale Idee. Eine individualisierte Tageszeitung – nach persönlichen Vorlieben aus verschiedenen Print-Blättern zusammengestellt, dazu ein paar Neuigkeiten aus dem Internet und Einträge aus dem Lieblingsblog. Wer sich auf niiu.de registriert, kann aus 18 verschiedenen regionalen und interregionalen Zeitungen wählen und ein eigenes Titelbild sowie einen Namen aussuchen. Von Montag bis Samstag morgen liegen dann 24 bunt zusammengewürfelte Seiten im Briefkasten.
Innovatives Modell
Möglich gemacht wird das durch die neueste Technik – Digitaldruckmaschinen, die schnell und sparsam arbeiten und somit auch für traditionelle Zeitungsanbieter interessant werden könnten. Auch die erforderliche Software, die über Nacht die jeweils spezifischen Inhalte zusammensucht und druckkompatibel macht, ist neu und eigens für niiu hergestellt. Ein Unternehmen am Puls der Zeit also, technisch wie konzeptuell. Da lag es nahe, sich bei den finanziellen Aspekten nicht auf Althergebrachtes zu verlassen. Niiu kann man nicht einmalig für einen längeren Zeitraum abonnieren. Stattdessen wählt man ein Punktepaket – “verabredet” heißt die kostenlose Schnupperversion, die nächsten Levels “verliebt” und “verlobt” steigen in Dauer und Preis, bis man sich unter “verheiratet” für 150 Tage binden kann. Diese Version kostet dann 180 bis 270 Euro – immerhin der Rabatt für Schüler und Studenten ist traditionell.
Während beim Design noch Anfängerfehler kritisiert wurden, ist das Anzeigenkonzept durchdacht. Die beiden vorletzten Seiten sind in jeder niiu-Ausgabe für Werbung reserviert, auf die der Empfänger keinen Einfluss hat. Die Werbekunden allerdings können sich dort ganz spezifisch an bestimmte Zielgruppen richten – wer sich etwa vorwiegend für die Sportteile interessiert, bekommt auch entsprechende Anzeigen.
Ein vielversprechendes Projekt also, welches sicher auf weitere Ausdehnung hoffen darf. Und das schon allein räumlich – denn bisher lässt sich die ganz persönliche Tageszeitung schließlich nur innerhalb Berlins bestellen.
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