Alles im Griff!

Wissenschaftler trifft man heute kaum noch im stillen Kämmerlein. Studierende ebensowenig. Es wird online publiziert, powergepointet und gestreamt, was das Zeug hält. Und auch Lerninhalte finden sich mehr und mehr im Internet. Ist das E-Learning als Chance zu sehen – oder als Risiko? Ich nutze einen digitalen Vokabeltrainer. Ich nutze e-campus, um vorbereitende Texte für mein Seminar herunterzuladen. Ich nutze Basis, um mich online für die Prüfungen anzumelden, Google Scholar, um Quellen zu finden, und ja, auch Wikipedia, um mir einen ersten Überblick über ein Thema zu verschaffen. Bin ich deswegen ein Opfer des digitalen Studiums?

Chancen: Spiel, Spaß, besseres Lernen

Der Entwicklungspsychologe Günter Daniel Rey benennt vier definierende Aspekte des E-Learnings: Multimedialität, Multicodalität, Multimodalität und Interaktivität. Diese Faktoren zeigen auf, in welch vielfältiger Art Medien für das Lernen genutzt werden können.

Die Multimodalität beschreibt etwa die Möglichkeit, verschiedene Sinne anzusprechen; eine Option, die Lernpsychologen nur unterstützen könnten. Jeder hat beim Lernen seine Vorlieben, und während der eine sich besser auf einen gesprochenen Vortrag konzentrieren kann, behält die andere Informationen optimal in visueller Form. Und auch die Interaktivität müsste ein besseres Verständnis bewirken – wenn sie denn richtig eingesetzt wird. Das könnte etwa bei digitalen Lernspielen der Fall sein.

Andere Möglichkeiten des E-Learnings sind Lerngemeinschaften und virtuelle Klassenzimmer, Technologien, die flexibel und räumlich unabhängig sind.

Risiken: Verblödungsfaktoren

“iDoof – Was das digitale Studium mit uns macht”, titelte im vergangenen Jahr die pflichtlektüre, das Uni-Magazin des Ruhrgebiets. Die studentischen Redakteure benannten dabei drei “Verblödungsfaktoren” des Studiums am PC: Ablenkung, Multitasking, Passivität.

Und tatsächlich ist gerade die Informationsflut, die über das Internet möglich gemacht wird, der größte Nachteil. Zu schnell neigt man dazu, so viel gleichzeitig aufzunehmen, das nichts mehr hängen bleibt, Freizeit und Wissenschaft auf ablenkende Art zu vereinen, oder gleich ganz abzuschalten.

Viele Studierende haben es verlernt, den PC dosiert einzusetzen. Sie sind daueronline, auch während der Vorlesung, und lernen am Ende: nichts.

Fazit: Reality Check

In Wirklichkeit kann das E-Learning kaum etwas dafür. Erstens wird es an den meisten Unis so reduziert eingesetzt, dass es seinen Sinn kaum entfalten kann – Interaktion findet zum Beispiel auf ecampus nicht statt. Zweitens, seien wir mal ehrlich: Dass wir beim Lernen eMails checken oder surfen, statt dem Prof zu zu hören, ist  letztendlich unsere eigene Schuld. Die muss man sich nur mal bewusst machen, um wieder etwas vom Online-Trip herunter zu kommen, und das Lernen in konzentriertere Zusammenhänge zu verlagern.

Allerdings gilt natürlich auch in der analogen Welt: Wer sich ablenken lassen will, lässt sich auch ablenken. Wer sich mit Wissenschaft und Bildung auseinandersetzen will, sollte nicht nur das eMail-Programm so lange ruhen lassen, sondern auch den spannenden Krimi, der vom Lesesessel ruft.

Und schließlich kann niemand abstreiten, wie praktisch es ist, online üben und recherchieren zu können. Jeder von uns kennt doch diesen Moment, in dem man denkt: Was zum Teufel haben die Leute früher ohne Internet gemacht? Günter Daniel Rey hat übrigens eine Website zum Thema, auf der er Gestaltungstipps für ein effizientes E-Learning gibt. Die sollten sich unsere Professoren und Professorinnen vielleicht mal ansehen.

Und so lange können wir den Computer ja ausschalten. Alles im Griff.

 

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