Digitale Doppelgänger

Man stelle sich folgendes Szenario vor: Eines Tages meldet sich jemand bei dir und weist dich darauf hin, dass sich ein Fremder online für dich ausgibt. Die Person schreibt Nachrichten in deinem Namen, verbreitet Lügen in deinem Namen und verabredet sich mit irgendwelchen Leuten aus dem Internet. Alles unter dem Deckmantel deines Namens. Unheimlich oder? Aber genau das ist einer 24-jährigen Studentin aus Neuss passiert.

Sybille R. konnte „ihre“ Profile in diversen Social Networks finden. Das Problem war nur, dass sie die selbst nie erstellt hatte. Der digitale Dieb hatte einfach per Screenshot die Fotos aus ihrem echten StudiVZ-Profil kopiert und diese benutzt. „Wenn mir nicht irgendwann jemand Bescheid gesagt hätte, wäre ich nie auf die Idee gekommen, dass jemand meine Identität kopiert“, so die Studentin. „Man denkt schließlich immer: Mir passiert so was nicht.“

Und warum auch? Warum jemand deine Mastercard klaut und sich als du ausgibt, ist klar. Aber in diesem Fall von Identitätsklau ging es nicht um Geld. Es ging um das gezielte Vorspielen falscher Tatsachen. Kriminelle sind halt nicht immer nur auf Passwörter und wichtige Daten aus – inzwischen missbrauchen sie auch die Identität anderer, um im Netz unter falschem Namen aufzutreten und Menschen gezielt zu diffamieren.

Datenmissbrauch leicht gemacht

„Man kann nur immer wieder dazu raten, mit den eigenen Daten im Internet sparsam umzugehen“, meint Georg Seeberger, Rechtsanwalt für Urheber-, Medien- und Internetrecht. „Man sollte speziell in sozialen Netzwerken auch besser darauf verzichten, seinen Geburtstag mitsamt dem Geburtsjahr anzugeben. Dieses wird schließlich häufig als Identifikationsschlüssel benutzt.“

Im Prinzip wissen wir das doch alle: Mithilfe des Namens und dem Geburtsdatum lassen sich schnell und einfach Nutzerkonten im Netz eröffnen, egal ob für einen E-Mail-Account, ein Profil bei einer Community oder ein Konto bei einem Online-Kaufhaus. Diese Konten nutzen digitale Doppelgänger dann in ihrem Sinn. Bei Ebay, um nur ein Beispiel zu nennen, berichten mittlerweile immer häufiger Nutzer, dass in ihrem Namen Auktionen geführt oder Artikel ersteigert wurden.

Doch warum gerade Sybille R. zur Zielscheibe wurde? Sie weiß es nicht. Und „um ehrlich zu sein“, sagt sie, „möchte ich auch gar nicht wissen, was in diesem kranken Hirn vor sich geht. Wer weiß schon wer dahinter steckt? Vielleicht hat die Person psychologische Probleme und steigert sich ernsthaft in meine Identität hinein. Vielleicht hätte sie irgendwann sogar vor meiner Tür gestanden.“ Unwahrscheinlich – aber durchaus möglich.

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