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Die Geschichte der Filmarchivierung

von Jens Frick

Viele Archive weltweit setzen zunehmend auf das Digitalisieren von Filmmaterial – eine moderne Methode mit Tücken.

Am Anfang eines solchen Vorhabens steht eine nicht unerhebliche Investition: die Anschaffung eines digitalen Filmabtasters. Auch eigens für den Archivbereich angebotene Geräte – die deutlich günstiger sind als ihre großen Brüder aus der Filmproduktion – kosten aktuell mindestens 80.000 €. Für in der Regel aus öffentlichen Geldern finanzierte Archive eine nicht unwesentliche Hürde.

So haben die Geräte auch bisher vorallem in großen und bekannten Archiven Einzug gehalten, beispielsweise im Imperial War Museum in London oder in der US-amerikanischen Library of Congress.

Was ist zu beachten?

Welches Gerät die richtige Wahl darstellt, hängt nicht zuletzt auch vom Format der vorliegenden Filme ab, während ein Modell z.B. 16 und 35-mm-Produktionen digitalisiert, wäre für Super-8-Filme wieder ein anderes Modell geboten. Unterschiede gibt es ebenfalls bezüglich dem Umgang und Toleranz bei beschädigtem Ausgangsmaterial. Grundsätzlich können moderne Geräte aber auch mit solchem Material umgehen, was gerade im Archivbereich einen großen Vorteil darstellt.

Ebenfalls nicht unbedeutend ist die maximal mögliche Auflösung, in der das Material digitalisiert werden kann. Diese hängt von der Qualität der verwendeten Sensoren ab, wobei 4K-Sensoren aktuell die Spitze der Fahnenstange darstellen. “4K” verweist dabei auf eine Anzahl von 4000 horizontalen Pixeln. In der Praxis wird dieser Wert nicht genau eingehalten, sondern unterscheidet sich je nach verwendetem Bildabtaster und dem Bildformat des Films. Entsprechend gibt es auch 2K- und HD-Sensoren, mit jeweils 2000 bzw. 1000 horizontalen Pixeln, letzteres ist zwischenzeitig wohl hinlänglich aus dem Endanwenderbereich bekannt.

Neben den Mehrkosten für höher auflösende Sensoren ist zu bedenken, dass auch die beiden niedrigeren Auflösungsstufen in der Praxis oft ausreichend sind und darüber hinaus eine höhere Digitalisierungsgeschwindigkeit mit sich bringen.

Sollte möglichst viel digitalisiert werden?

Auf den ersten Blick erscheint das Digitalisieren als der Königsweg des Filmarchivierens. In der archivarischen Praxis wird das Bild jedoch getrübt durch die durch wechselnde Film- und Speicherformate verursachte Unsicherheit. Was uns im Heimbereich zumeist weitgehend gleichgültig sein kann, stellt für den Archivar, der in anderen Zeiträumen denkt, ein ernsthaftes Problem dar: Wer kann dafür garantieren, dass in hundert, zweihundert oder gar fünfhundert Jahren das Format der Filme noch gelesen werden kann? Und welche Kosten entstehen bei dem Übertragen der Daten auf neue Datenträger und wie oft muss dies erfolgen?

Diese Unwägbarkeiten machen den Film, mit seiner bei guter Lagerung hervorragenden Haltbarkeit, als Archivmaterial für die Zukunft auch weiterhin interessant. Droht jedoch ein fortschreitender Verfall des Filmmaterials, sei es, weil die Rollen schon zu sehr angegriffen sind oder schlicht mangels adäquater Lagerungsmöglichkeiten, dann ist der Digitalisierung fraglos der Vorzug zu geben – bevor das Archivgut für immer verloren geht.

Die Entscheidung für oder gegen eine Digitalisierung ist also letztlich vom jeweiligen Fall und seinen Umständen abhängig zu machen.

Die Zukunft des chemischen Films

Im professionellen Bereich wird heute noch überwiegend analog gearbeitet. Zwar wird der Film meist zur Post-Produktion digitalisiert, muss aber später in der Regel wieder in die analoge Form zurück gebracht werden, da viele Kinos noch nicht mit digitalen Projektoren ausgerüstet sind. Allerdings ist auch hier Digitaltechnik auf dem Vormarsch: Projektoren werden zunehmend ersetzt, nicht mehr nur in Multiplex-Kinos, sondern mit staatlicher Förderung nun auch in den Vorführräumen kleinerer Betreiber.

Auch der Kameramarkt verzeichnet einen starken Zuwachs beim Absatz digitaler Geräte. Durch die hohen Anschaffungskosten und die vielen noch einwandfreien analogen Kameras wird es jedoch noch einige Jahre dauern, bis sich auch hier eine digitale Arbeitsweise endgültig durchsetzt.

Unterm Strich erfolgt also eine vollständige Digitalisierung des gesamten Produktionsprozesses. Für den chemischen Film bedeutet das auf Dauer eine Verdrängung in eine Nische, hin zu einem reinen Archivmedium. Dies betrifft sowohl den öffentlichen, wie auch den kommerziellen Bereich des Archivwesens. In beiden Fällen wird zu entscheiden sein, welche Werke diesen Aufwand überhaupt wert sind: Während sich im öffentlichen Bereich entschieden werden muss, was man für wertvoll genug hält, um es für die Nachwelt zu erhalten, ist im kommerziellen Bereich logischerweise meist eine möglichst gewinnbringende Verwertung ausschlaggebend.

Letzteres birgt in sich die Gefahr, dass Produktionen, denen kein ausreichendes kommerzielles Potenzial zugeschrieben wird, in Vergessenheit geraten.

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