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Wieviel Fortschritt ist zu viel Fortschritt?

von Judith Möller

Für das neue Iphone bietet Apple 90.000 Applications zum Download: Für die Arbeit, die Freizeit, für Studenten und Senioren, für’s Ausgehen und für Unterwegs, für Spiel und Spaß. Ersetzt das Smartphone nun auch den Babysitter?xx_iphone3g_pair

Wurde das Telefon bzw. Handy zu Beginn seiner Existenz noch dafür genutzt, distanzbedingt  Informationen zwischen Sender und Empfänger auszutauschen, entwickelt es sich mehr und mehr zu einem Multifunktionsgerät, das inzwischen unter anderem Kamera, Mp3-Player, Navigationsgerät und Spielkonsole in sich vereint.

Die momentane Krönung der Schöpfung findet sich unter anderem im neuen Iphone 3G, besonders bekannt für zahlreiche – genauer gesagt über 90.000 – „Applications“ (kurz Apps, engl. für Anwendungen). Auch wenn manche davon tatsächlich eine Funktion zu erfüllen scheinen, so zum Beispiel diverse Nachrichten-Apps, von Spiegel.de oder N24, die Neuigkeiten direkt auf das Handy schicken, ist dies bei anderen nicht offensichtlich der Fall.

Das Iphone – falls dem Kind mal wieder langweilig ist

Besonders auffällig sind hier die „Apps für Eltern“, die zumeist dafür da sind, diese von ihrer Pflicht zu entbinden, sich persönlich um ihr Kind zu kümmern. Möglich ist dies beispielsweise mit „Colorama“, bei dem Kinder animierte Bilder ausmalen. Ob es intelligent ist, kleinen Kindern ein Iphone im Wert von mehreren hundert Euro in die Hände zu geben sei den Eltern überlassen. Was sicherlich noch fragwürdiger ist, ist die Tatsache, dass man inzwischen sogar Mensch-ärger-dich-nicht auf dem Handy spielen kann – ein typisches Gesellschaftsspiel. Oder Bowlen: das Handy, die Kugel repräsentierend, wird durch die Gegend geschwungen, nur möglichst am Ende nicht losgelassen, die Kegel fallen wieder im Display. Achso.

Was passiert mit einer Gesellschaft, die jetzt schon lieber vor der wii Wintersport praktiziert als in der wirklichen Schneelandschaft, die ihre Zeitung auf dem Handy anstatt ausgedruckt auf dem Papier liest, und die in jeder freien Minute eine neue „App“ startet, um den Wetterbericht nachzulesen oder einen Haken hinter einem weiteren Punkt auf der ToDo-Liste zu machen? Hier sei nur spekulativ, ob es sich bei den Erledigungen um reale handelt oder um imaginäre.

Und auch für das Problem Gehirnverlust gibt es eine Lösung

Mit Sicherheit aber hilft dieses Verhalten weder die Gemeinschaft oder das soziale Miteinander zu fördern noch unterstützt es das Gehirn oder den Körper, fit zu bleiben. Denn man muss ja nicht viel und schon gar nicht alles wissen, wenn man’s auch runterladen kann. Ohne aufzustehen, versteht sich. Statt in einen Laden zu gehen, drückt man auf diverse Knöpfe und schon hat man die neueste DVD auf dem Handy, fertig zum Anschauen. Zwar nur auf minimalem Bildschirm, aber dafür kann man sie überall mit hinnehmen. Und auch für das Problem „Gehirnverlust“ gibt es eine Lösung: GehirnJoggen mit Dr. Kawashima, „hält den Geist wach und den Verstand auf Trab“.

Für jeden, dem diese Erneuerungen zu weit gehen, empfiehlt sich ein „einfaches“ Mobiltelefon Modell á la 90er Jahre: Mit dem kann man zwar „nur“ telefonieren und Kurzmitteilungen schreiben, schafft aber so vermutlich mehr Zeit in der Realität.

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