von Juliane Rohner
Frauen machen Ballett und spielen nicht Fußball… Anlässlich der bevorstehenden Frauen WM 2011 in Deutschland wird es Zeit, die männlichen Mitsportler endlich zu überzeugen. Immer mehr Mädchen treten hinter den Ball. Und das ist auch gut so!
Samstagmorgen, elf Uhr. „Fair Play!“, schallt es glockenhell über den Sportplatz der SV Germania Hovestadt. Es ist noch einmal so weit. Anstoß für das letzte Spiel der Saison. Los geht’s! Die wenigen, aber treuen Fans jubeln. Auf dem Platz stehen nicht etwa 22 durchtrainierte Mitzwanziger, sondern die gleiche Anzahl junger Damen unter 15 Jahren. Eine von ihnen ist die 13 -jährige Marie. „Ich habe mit 10 Jahren angefangen Fußball zu spielen.“ Auf Nachfrage erzählt sie: „Meine zwei Freundinnen waren schon vorher im Verein und haben mich mitgenommen“. Mädchenfußball also? Ja, Mädchenfußball!
Modeerscheinung des 21. Jahrhunderts?
Bereits im 12. Jahrhundert spielten französische Bäuerinnen mit einem Schleifchen besetzten Lederball “la soule”. Fußballähnliche Spiele sollen auch bei Eskimofrauen populär gewesen sein. Bekannt ist außerdem ein Spiel zwischen verheirateten und unverheirateten Frauen im schottischen Inveresk am Ende des 17. Jahrhunderts.
Immerhin schon 1894 entstand der erste Frauenfußballverein der Welt, der British Lady Football Club in London. Um Vorurteilen gleich vorzubeugen: Ja, in dieser Zeit war es tatsächlich noch üblich, dass Frauen beim Sport lange Röcke trugen. Doch sie zeigten Kampfgeist und setzen sich in der Kleiderfrage durch. Fortan erschienen sie mit Kniebundhosen, bequemen Blusen und Hut auf dem Platz.
Unanständig und gesundheitsschädlich
Ab 1920 bildeten sich in Deutschland ebenfalls Frauenteams, meist ohne Vereinsmitgliedschaft. Der 1. Deutsche Damen-Fußballclub (DDFC) wurde 1930 in Frankfurt/Main gegründet.
Als jedoch 1933 die Nationalsozialisten an die Macht kamen, war bei den Politikern Frauenfußball unerwünscht. Fußballspielen sei für Frauen unanständig und gesundheitsschädlich. Scheint doch nur logisch, oder? Viele Jahre lang führte der Frauenfußball dann zwar ein Schattendasein, doch die Frauen kickten unbeirrt weiter.
11 Freundinnen
Wo stehen wir heute, im Dezember 2009? Die deutsche Frauenfußballnationalmannschaft ist neben den USA das erfolgreichste Team der Welt. Die Auswahl ist zweifacher und amtierender Weltmeister und siebenfacher Europameister. Allein die letzten fünf Europameisterschaften wurden in Folge gewonnen. Da dürften auch die immerhin zweitbesten Europäer mal ein wenig Stolz zeigen! Zu verdanken ist der Erfolg aber zum Teil auch den Männer- bzw. Jungenmannschaften des Landes. So sind Steffi Jones, Birgit Prinz oder auch Trainerin Silvia Neid nicht die Einzigen, die ihre Karriere in reinen Jungenteams begannen…
Immer mehr Tussis im Trikot? Und wenn schon! Auf dem Platz ersetzen Schienbeinschoner und Pöler das Make-up und die Stöckelschuhe. Eine gute Figur macht frau in beidem. Und die elf Freundinnen, die da kämpfen und alles geben!
