Anonymous über Kino.to

Du willst mitmachen?

Willkommen beim Medienblick Bonn! Hier kannst du eigene Texte veröffentlichen und mitdiskutieren. Bei regelmäßiger Mitarbeit wird dir auch ein Zertifikat ausgestellt. Schreib uns eine Mail, dass du dabei bist und registriere dich jetzt! redaktion@medienblick-bonn.de

Log-In

Raubt der moderne Eklektizismus der Popkultur ihr Profil?

von Niklas Ploghöft

Wenn man den Musikprogrammen der gäbobmarley schallplattengigen Rundfunkanstalten lauscht, kommt es einem ein bisschen vor, als lausche man dem Autoradio des De Loreans aus „Zurück in die Zukunft“. Hier ein wenig 80er Jahre Wave, da etwas 70er Rock, ein oder andere Versatzstück des Pops der 60er.

Es scheint fast, die Nullerjahre hätten musikalisch nichts zu bieten als aufgewärmte Melodiesuppen. Manche nennen das dann Revival, manche Hommage. Und andere schimpfen, der moderne Eklektizismus mache die Bildung eines musikalischen Profils dieser ersten Dekade des jungen Jahrtausends nahezu unmöglich.

Hat die Branche es mit einem Austrocknen der Inspirationsquellen zu tun?

Aber aufgewärmt heißt nicht gleich, dass es schlechter schmeckt. Da wären z.B. La Roux: Einer der Hypes, den die in dieser Hinsicht äußerst zuverlässigen Lieferanten des Labels Kitsuné dieses Jahr hervorbrachten. Ihr Sound klingt nach neonfarbenen Stirnbändern und Rubik Würfeln.

Ähnlich achtziger-mäßig ist die Engländerin Victoria Hesketh alias Little Boots unterwegs. Während sie in Deutschland medial relativ unpräsent ist, wurde sie in ihrer Heimat nicht zuletzt dank Youtube zum Star und durfte sich mit dem einen oder anderen Vergleich mit der jungen Kylie Minogue– die Königin der 80er hätte es Madonna nicht gegeben – schmücken. Wie La Roux setzt sie auf eingängige Melodien unterlegt von catchigen Elektrobeats. Jedoch wirkt der Sound bei beiden weder verbraucht noch einfallslos. Ein bisschen angestaubt natürlich, aber das darf man auch gerne als Absicht interpretieren.

Dreckiger Frühsiebziger Rock: Bewusst schmutzig, bewusst Retro

Dasselbe Konzept, allerdings in die komplett andere Richtung, verfolgte Anfang des Jahrtausends auch eine besonders wegweisende Band. Die Songs der Strokes läuteten nicht nur das Revival des dreckigen Frühsiebziger Rocks ein, sie klangen auch genauso. Aus der Garage in die Charts. Bewusst schmutzig, bewusst Retro. Und trotzdem traten sie damit etwas Neues los. Etliche „The“-Bands zelebrierten die Reinkarnation des Indie Rocks.

Etwas behutsamer, aber nicht minder energisch präsentiert sich der jüngste Zuwachs des Genrekaders: New Folk bezieht seinen Charme aus ungewöhnlicher Instrumentierung, einem stets harmonischen Unterton und heiterem Zitieren aus dem musikalischen wie modischen Fundus der Hippie Ära. Als Trendsetter fungierten hier die eher melancholischen Fleet Foxes, die Weltmusik affinen Vampire Weekend und selbstredend die von jeglicher Fachpresse zu den Newcomern des letzten Jahres erhobenen MGMT, die ihren hippiesken Indie Pop mit Elektronik anreichern und somit das beste Exempel für die Transposition eines vorgeblichen Anachronismus’ in die Moderne sind.

Stilistischer Schmelztiegel als Musikprofil unserer Generation

Inmitten all dieser so genannten Hypes generierte sich eine handvoll Individualisten ihren ganz eigenen durch Distanzierung von ebendiesen. Von Feuilleton und Fans gefeiert, krönen sich die tatsächlichen tonangebenden Künstler dieses Jahrzehnts selbst. Sie heißen M.I.A., Santigold, Spank Rock, Diplo, Kid Cudi oder Amanda Blank.

Grenzen waren gestern. Alles ist erlaubt.

Auf ihre Fahnen haben sie sich das pure Musikmachen gekritzelt. Fernab von Genre-Barrikaden und dogmatischen No-Gos entwerfen sie ein Konzept ihrer eigenen akustischen Welt. Eklektische Rekonstruktion des Begriffs Musik, neoklassizistische Repräsentation der persönlichen Einflüsse. Da finden sich die Pixies neben LL Cool J und Kraftwerk neben Nina Simone.

Ein Sinnbild für diese Zeit, in der verschiedenste Stile zu großartigem Neuen zusammenfließen. Nichts großartig Neues mögen die ewig gestrigen Querulanten nörgeln. Aber genau dieser stilistische Schmelztiegel und die abgeschnallten Scheuklappen formen das Profil dieser Musikergeneration (das wird einem spätestens klar, wenn man sich das so ganz und gar nicht straight-rockige Solo Album des Strokes Sängers Julian Casablancas zu Gemüte führt).

Auch, wenn das dann manchmal so klingt als sei das Autoradio des De Lorean kaputt.

Leave a Reply

 

 

 

You can use these HTML tags

<a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <strike> <strong>