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Perú - ein Land mit zwei Gesichtern

von Carina Bauch

Hauser_PeruVor etwa einem Jahr fasste ich den Entschluss nach meinem Abitur, für eine Zeit nach Südamerika zu gehen, um dort in einem Kinderheim zu arbeiten. Meine Wahl für den Auslandsaufenthalt war auf Lima, die Hauptstadt Perús, gefallen. Ich habe gezielt ein Land ausgesucht, in dem ich eine völlig neue Kultur und ein anderes Lebensgefühl erleben konnte. Perú bietet in diesem Zusammenhang sehr viel.

In seinem weiten Gebiet beherbergt das Land eine Fülle an geographischen und klimatischen Unterschieden, die sich auch in der Kultur niederschlagen. Dies zeigt sich vor allem in traditionellen Festen, der Musik, den Tänzen und der Lebensart der Menschen.                                                                                                      

Allgemein kann man sagen, dass das Land in drei verschiedene Zonen aufgeteilt ist. Diese sind die Küste (Costa), die Anden (Sierra) und der Regenwald (Selva).

Perú, ein Land mit zwei Gesichtern

In Perú leben heute über 28 Millionen Menschen, davon etwa 10 Mio. in Lima. In den ländlichen Gebieten trifft man auf eine unglaubliche Armut, während die fruchtbaren Täler im Tiefland einen eher wohlhabenden Eindruck vermitteln. Diese sozialen Unterschiede sind im alltäglichen Umgang mit Menschen in diesem Land sehr präsent. Starker Rassismus geht von den Stadtbewohnern gegen die Landbevölkerung aus, die sich gelegentlich in die Stadt begibt und sich durch ihre auffallende Kleidung von der Menschenmasse abhebt.

Fast die Hälfte der Menschen in Perú ist indianischen Ursprungs. Neben Spanisch gilt auch Quechua, die ursprüngliche Sprache des Landes, als offizielle  Landessprache. Da diese Sprache hauptsächlich von der Landbevölkerung gesprochen wird, haben in diesem Zusammenhang viele Menschen Vorurteile und halten die Leute, die sie sprechen für dümmlich. Auch in den Ballungszentren selber sind die sozialen Probleme durch die hohe Zuwachsrate stark gewachsen, sodass man mit Armut in allen Bereichen konfrontiert wird.

Mein Leben in Perú

Während meines Aufenthaltes lebte ich in einer Gastfamilie im Stadtteil Miraflores. Die Kinder besuchten eine private, internationale Schule. Dies liegt bei reicheren Familien an der Tagesordnung, obgleich es sehr teuer ist. Nur auf diese Wiese kann jedoch eine gute Schulbildung garantiert werden. An öffentlichen Schulen wird zumeist keine Fremdsprache unterrichtet. Die aufgeschlossene, mitfühlende und lebensfrohe Mentalität machte mir die Eingewöhnung in meine Gastfamilie sehr einfach.

Arbeit im Kinderheim

Neben dem Besuch einer Sprachschule arbeitete ich nachmittags in einem Kinderheim in dem Bezirk Pueblo Libre. Den Weg dorthin legte ich in sogenannten Micros zurück. Das sind kleine Busse, die für Südamerika typisch sind. Allein die Fahrt zeigte eklatante Unterschiede zu meiner Heimat. An vielen Haltestellen stiegen Menschen, darunter viele Kinder ein, die ihre Lebensgeschichte erzählten und danach Bonbons verkaufen wollten. Dies ist für viele Familien der einzige Weg, um zu überleben.

Die Arbeit im Kinderheim war eine ganz neue Erfahrung für mich. Ich betreute mit zwei weiteren Frauen eine Gruppe von 22 Kindern im Alter von ein bis sechs Jahren. Ich half bei Spielen, betreute die Hausaufgaben und begleitete Ausflüge.

Unter einigen Waisenkindern waren auch viele Kinder, die wöchentlich von ihrer Familie besucht wurden, jedoch im Heim leben mussten, da sich ihre Eltern den Unterhalt nicht leisten können. So kam ich mit viel Traurigkeit und Leid in Verbindung. Für mich war es schwer von den Kindern gefragt zu werden, warum sie nicht mit ihrer Familie nach Hause gehen konnten. An manchen Tagen musste ich zusehen wie die Heimkinder mit seelischer und in einigen Fällen auch mit körperlicher Gewalt konfrontiert wurden.

Ich bin sehr dankbar, diese Erfahrung gemacht zu haben. Den Kontakt zu den Kindern werde ich weiter pflegen. Ich hoffe weitere Menschen aufzurütteln und ihnen die Augen für diese Missstände zu öffnen.

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