von Elisabeth Hampel
Von überall her schallen fremde Rhythmen, Frauen in farbenfrohen Kleidern verkaufen Köstlichkeiten und klapprige Autos bahnen sich hupend ihren Weg durch die Menschenmassen. Ein kleiner Junge grüßt mich fröhlich winkend mit „Hello Ms White Man!“ Ein ganz normaler Tag in Ghana, Westafrika.
Dort, genauer gesagt in dem kleinen Ort Ajumako-Entumbil, habe ich im Rahmen eines Freiwilligendienstes für ein Jahr gelebt, gearbeitet und den Alltag in einem ghanaischen Dorf kennengelernt. Zu den eindrucksvollsten Erfahrungen gehörten nicht nur Plumpsklo und Eimerdusche, sondern auch Shoppingtouren durch die bunten, unübersichtlichen Märkte, afrikanisch Tanzen auf Beerdigungen (die keineswegs traurige Angelegenheiten darstellen) oder Mithelfen auf der Orangenfarm (nicht zu vergessen, die frischen Orangen, Ananas oder Papayas, die ich dann mitgenommen habe).
Viva Colonia in Ghana
Gearbeitet habe ich in einer der Dorfschulen, der mehodistischen Junior High School, wo ich Englisch und Informatik unterrichte. Gar nicht so einfach, wenn die Schüler zwar die Definition eines Adverbs auswendig aufsagen können, aber einfache englische Texte kaum verstehen. Englisch ist zwar die offizielle Sprache Ghanas, der Großteil der Bevölkerung spricht allerdings eine der vielen ghanaischen Sprachen und lernt Englisch erst in der Schule.
Deswegen hatten meine Schüler viel mehr Spaß dabei, mir ein paar Wörter ihrer Muttersprache Fante beizubringen, als sich über aktive und passive englische Sätze den Kopf zu zerbrechen. Und an Karneval konnte ich nicht anders, als mit ihnen ein paar kölsche Lieder einzuüben. Es war ein tolles Gefühl, am Rosenmontag von 40 ghanaischen Kindern mit „Viva Colonia“ begrüßt zu werden!
Schläge mit dem Stock sind eine übliche Bestrafung
Generell lässt sich der ghanaische Schulalltag kaum mit dem deutschen vergleichen. Nach einigen Wochen wunderte es mich nicht mehr, dass Schüler während des Unterrichts ins Dorf geschickt wurden, um den Lehrern das Mittagessen zu kaufen oder um mal kurz das Haus eines Lehrers zu fegen. Und was der Lehrer sagt, das wird gemacht, denn Schläge mit dem Stock sind (obwohl offiziell verboten) immer noch eine übliche Bestrafung. Dafür konnten die Schüler ihrer Versetzung etwas nachhelfen, indem sie einen Lehrer bestachen – mit einem Hühnchen.
“Dein Po wird immer dicker!”
Zu Beginn meines Aufenthalts in Ghana war ich immer irritiert und leicht verärgert, wenn meine ghanaischen Freunde mir ohne Scham erzählten, dass ich dick geworden wäre und wie dick mein Po doch in meiner neuen Hose aussähe, ohne dass ich irgendeine Veränderung an meinem Gewicht erkennen konnte. Erst später verstand ich das Schönheitsideal der Ghanaer, nach dem üppige Frauen mit einem dicken Po als attraktiv gelten. All die Leute wollten mir einfach nur ein Kompliment machen!
Ebenso ungewöhnlich wie derartige Komplimente erschienen mir einige der Spitznamen, die besonders bei Jungen weit verbreitet sind und oft häufiger verwendet werden als deren richtige Namen. Junge Männer stellten sich mir allen Ernstes als „Go Fresh“, „Oracle“ oder „Pound Sterling“ vor. Wer mehr von sich hielt nannte sich „Sexy“ oder „Saint Knowledge“.
Diese Eindrücke und Erlebnisse und viele andere haben mein Jahr in Ghana zu einer einzigartigen Erfahrung gemacht, die ich nicht missen möchte.
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