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Das Bonner Loch – Ein altes wie neues Problem

von Merle Ingenfeld

Jeder Reisende, jeder Tourist, jeder Student kennt das Bonner Loch. Es springt einem förmlich ins Auge sobald man aus seinem Zug steigt und den Bahnhofsvorplatz betritt. Dieser verrufene Ort umfasst gerade einmal 1,5 Hektar und reicht vom Kaiserplatz im Osten bis zur Thomas Mann Straße im Westen. Dennoch ruft er eine Masse an Pennern, Obdachlosen, Schnorrern und Junkies auf den Plan, die jedem Auswärtigen höchst seltsam erscheinen muss. Doch woher kommt dieses absonderliche Phänomen?

In der „guten alten Zeit“

5. Edikt gegen Bettler 1743 Merle Ingenfeld

Clemens August I. von Bayern; Edikt gegen die Bettler; 09.02.1743.

Bereits im Jahr 1743 erließ Clemens August Kurfürst  und Erzbischof zu Köln ein Edikt, das sich gegen die  „haufenweiß herumlaufenden Fremden und  Auswärtigen“ richtete. Offensichtlich hatte die Stadt  Bonn schon damals ein schwer wiegendes Problem  mit größeren „in erwähnter Stadt nicht gehörigen“  Menschenmassen, die das Stadtbild nachteilig  beeinflussten und Unruhe verursachten.

Damals hielt man folgendes für eine angemessene Problemlösung: Die vagabundierenden Bettler wurden markiert und unter Androhung von Strafe aus der Stadt geworfen. Wer allerdings doch mit einer solchen Markierung in der Stadt aufgegriffen wurde, der wurde umgehend ins „Stockhaus“ (eine Art Gefängnis) verfrachtet. Das Gleiche galt im Übrigen auch für jene einheimischen Bettler, die keine Bettel-Lizenz vom Stadtrat oder Bürgermeister hatten.

Das Problem in seiner heutigen Form

Doch Bonn wird wohl kaum die letzten 250 Jahre an einer Dauerplage von Pennern gelitten haben? Die Antwort lautet, nein. Eigentlich nicht wirklich. Das von Bettlern überflutete Bonn der frühen Neuzeit ergab sich aus der allgemeinen kurfürstlichen Defiziten in der Armenpolitik.

Das Bonner Loch dagegen ist hauptsächlich von der „Südüberbauung“ abhängig, laut Meinung Bettina Köhls vom General-Anzeiger. Seit den 1970ern existiert diese völlig unübersichtliche Konstruktion im südlichen Bahnhofsgebiet mit ihren vielen Eingängen, verwinkelten Zwischenhöfen und dunklen Ecken in ihrer heutigen Form.

Die Kombination aus dem nur schwer kontrollierbaren Gängegewirr und der guten Verkehrsanbindung durch DB, Straßenbahn, sämtlichen Bonner Buslinien und zusätzlich durch den normalen PKW-Verkehr, schafft ideale logistische Verhältnisse, sowohl für potentielle Dealer, als auch für Bettler – denn täglich müssen immerhin tausende Menschen diesen zentralen Knotenpunkt passieren.

Kontroverse Diskussion der letzten Jahre

Die Südüberbauung wurde auch nunmehr schon vor über 30 Jahren als Problem erkannt. Doch die Meinung der Bonner Bürger ist seither gespalten, was die Lösung angeht:

Da wären zum einen die Befürworter eines Abrisses. Pläne für eine radikale Umgestaltung des Bahnhofsvorplatzes und eine Beseitigung der Südüberbauung existieren fast ebenso lange, wie diese selbst. Statt ihrer würde man gerne eine Art in den Bahnhof integriertes Einkaufszentrum schaffen, was dem Passanten ein ordentliches, sauberes Gesicht der Stadt zeigen soll. Nachteil dieser Pläne ist jedoch durch die Bank weg, dass sich erstens kein Investor für ein solches Projekt finden lässt und dass sie zweitens die Dezentralisierung des Busbahnhofes mit sich ziehen würden, was die zweite Partei auf die Bühne ruft.

Zum anderen gibt es da nämlich eine ganze Reihe Bonner, die sich an der Randerscheinung der Obdachlosen weniger stören, als daran ihre Busse nicht mehr bequem erreichen zu können. Was natürlich ein durchaus nachvollziehbares Argument ist. Man würde viel häufiger seinen Anschlussbus oder seine Anschlussbahn verpassen, wenn nicht alle Linien in unmittelbarer Nähe von einander und dem Bahnhof halten würden.

Trotzdem hat man sich bereits zu einigen Maßnahmen gegen allzu buntes Treiben immer Bonner Loch entschlossen:Seit 1992 befindet sich die gemeinsame Wache von Polizei und dem Ordnungsamt der Stadt Bonn, genannt „GABI“ (Gemeinsame Anlaufstelle Bonn Innenstadt) auf dem Bahnhofsgebiet.

Außerdem hat man mittlerweile den Alkohol als ein Grundproblem im Bonner Loch identifiziert. Vom 1. Juli 2008 an war daher das Mitführen von alkoholischen Getränken in und um den Bahnhof strengstens verboten und wurde scharf kontrolliert. Neuerdings hat die Rechtsgebung ihr Augenmerk jedoch allein auf Glasflaschen gelegt. Alkohol in anderweitigen Behältern ist wieder erlaubt.

Wohin das noch führen wird? Wir werden es wohl oder übel noch erleben…

Info:

Stadt Bonn (28.04.2009): Jury empfiehlt den Entwurf des Büros Schmitz
Kölner Stadtanzeiger (30.09.2005.): Ein Paradies für Dealer
Bonner Generalanzeiger (19.06.2008):  Ab 1. Juli ist Alkohol im Bonner Loch tabu
Bonner Generalanzeiger (18.04.2009): Bonner Bahnhofsvorplatz: Alles hängt an der Südüberbauung

7 comments to Das Bonner Loch – Ein altes neues Problem

  • Lilly Thomas

    Hallo Philine,

    Dein Beitrag ist weder sonderlich intelligent noch einigermaßen aktuell! Warum? Darum:

    1. Das Bonner Loch umfasst den Aufgang von den U-Bahn-Stationen zur Poststraße, und nicht das benannte Areal vom Kaiserplatz über den Busbahnhof bis zum Aufgang. Der von Dir beschriebene Bereich trägt in der städtischen Kommunikation den Begriff “Südüberbauung am Bahnhofsvorplatz”. Zu Beginn Deines Textes ist das gesamte Areal das Bonner Loch, später unter Bezug auf Bettina Köhl ist die Südüberbauung korrekt umschrieben. Wofür möchtest Du Dich entscheiden?

    2. In der von Dir ziemlich originell titulierten “guten alten Zeit” gab es tatsächlich derartige Bestrebungen, Tagelöhner ohne aktuelle Beschäftigung, Bettler, Obdachlose aus der Stadt zu halten – nur war dies nicht ein Phänomen, das in besonderem Maße auf Bonn zutraf. Du erwähnst zu Recht den Kurfürsten; demnach war dies ein verbreitetes und kein spezielles Problem für Bonn. Was also soll das Gepoltere mit der Vergangenheit in Bezug auf das Bonner Loch?

    3. Könntest Du Dir vorstellen, dass es außer Befürwortern und Gegnern des Abrisses auch differenziertere Meinungen zur Zukunft des Bonner Loches gibt? Die entsprechende Bürgerinitiative scheint Dir nicht geläufig zu sein.

    4. Einigermaßen unerträglich ist auch Deine Wortwahl: Wer wiederholt allen Ernstes von “Pennern” spricht (und unterwegs auch noch allen Ernstes die Partie “Penner – Busnutzer” aufmacht), der sagt mehr über sich und seine Denke als über das Phänomen, über das er zu sprechen vorgibt.

    5. Was die Perspektiven zum Bonner Loch angeht: Wieso müssen wir die “wohl oder übel noch erleben”? Willst Du denn gar nicht wissen, wie das Problem, um den doch Dein ganzer Beitrag kreist, tatsächlich behandelt und vielleicht gelöst wird?

    6. Eine Perspektive ist inzwischen nämlich auf den Weg gebracht – aber davon hast Du offenbar noch nichts gehört: Das Bonner Loch – Achtung: nicht die Südüberbauuung! – soll eine kulturelle Bühne werden. Stand zuletzt sogar im Kultur-Ticker auf dieser Seite: http://www.kultur-in-bonn.de/nachrichten/anzeige/article/das-bonner-loch-wird-zum-bonner-klanggrund-1259750461.html

    Fazit: Das war nix!

  • Till Boller

    Hallo Philine,

    ich habe mich beim Lesen des Artikels stark echauffiert und kann meiner Vorkommentatorin nur zustimmen.
    Vor allem dein herabwürdigender Sprachgebrauch und die Tatsache, dass die Begriffe Obdachloser und Drogenabhängiger bei dir scheinbar synonym gebraucht werden disqualifizieren deinen Artikel . Meiner Kenntnis nach wird das Bonner Loch übrigens zwar von Drogenabhängigen, aber nicht bzw. kaum von Obdachlosen frequentiert.
    Man sollte doch auch zwischen der architektonischen und personenbezogenen Komponente der Diskussion unterscheiden. Sicherlich ist das Bonner Loch hässlich und man könnte sich einen schöneren Bahnhofsvorplatz vorstellen. Die Beschwerden scheinen mir aber häufig eher als Alibi von Leuten, die eher ein Problem mit den Menschen als mit dem Bonner Loch selbst haben, vorgeschoben zu werden.
    Deine Aussagen über das “nur schwer kontrollierbaren Gängegewirr” sind nicht korrekt. Wer sich schon einmal genauer im Bonner Loch umgeschaut hat merkt schnell, dass es komplett kameraüberwacht ist und das Ordnungsamt/die Polizei bei Problemen binnen weniger Sekunden zur Stelle ist. In einer Vorlesung zur Stadtgeographie hat ein Prof. von mir (Prof. Laux) das Bonner Loch als sichersten Ort Bonns bezeichnet. Aus kriminologischer Sicht ist es vorteilhaft, dass die Drogenszene an einem überschaubaren Ort versammelt ist. Welche negativen Konsequenzen es haben kann solche Versammlungorte zu verbieten, zeigt das Beispiel Frankfurt. Dort hat sich das Heroinmillieu durch ein solches Verbot in die Wohngebiete verlagert.
    Für mich liegt die Fragwürdigkeit in der Debatte vor allem darin, dass bestimmte Bevölkerungsteile unbequeme Wahrheiten unserer Gesellschaft gerne ausblenden würden und meinen über Andere bestimmen zu können. Das Bonner Loch ist immer noch ein öffentlicher Ort.

    Achja, die Absurdität dieses Alkoholverbots hätte man ja auch erwähnen können. Jetzt stehen die Leute einfach 50 Meter weiter richtung Busbahnhof. Im Bonner Loch gibts wenigstens gemütlichere Sitzplätze. Die nutzt ja auch trotzdem keiner.

  • Jessica Einspänner

    Anm.d.Red.: Leider stand zum Zeitpunkt der Veröffentlichung des Artikels der Name der Verfasserin (Merle Ingenfeld) noch nicht auf der Seite. Die Redaktion bittet dies zu entschuldigen.

  • Frank

    Es stimmt, der Artikel ist nicht ganz aktuell. Das Problem existiert schon seit Jahrzehnten, ohne, dass mal jemand durchgegriffen hätte. Dabei sieht diese doch recht simpel aus: Penetranz! Wer eine Ordnungswidrigkeit oder Straftat begeht, bekommt Platzverbot, im Wiederholungsfall Strafen. Und der Trick dabei ist, das man nicht 10 Einsätze im Monat macht, sondern 10 Einsätze am Tag. So schafft man Ordnung, die sich meiner Meinung ein Großteil der Bonner wünscht. Und obwohl mir die Drogenabhängigen natürlich auch Leid tun; der Konsum harter Drogen ist nicht akzeptabel. Ich habe in der letzten Woche noch versucht die Polizei zu alarmieren, weil sich direkt vor meiner Haustür zwei Abhängige das Heroin fertigmachten und dann spritzen. Ich frage mich was die Ratsmitglieder machen würden, wenn vor deren Haustür die Drogenabhängigen herumlungern. Mir ist in den letzten Jahren die Toleranz etwas abhanden gekommen und ich würde mir wünschen, dass endlich mal jemand handelt anstatt nur dumm rum zu quatschen.

  • Gisbert Blum

    Hallo Merle Ingenfeld,
    die Kritik an Deinem Artikel ist nicht unberechtigt, sollte Dich aber nicht entmutigen. Vielleicht schaffst Du diese in einem Folgeartikel zu verarbeiten. Denn die Situation am Bonner Hauptbahnhof wird Dich noch einige Zeit begleiten.
    Literarisch übrigens am Rande berührt von Heinrich Böll in “Ansichten eines Clowns”, eines Buches, was mich als Herannwachsnen sehr berühtrt hat.
    Nöglicherweise magst Du auch die Situation am Kölne Hbf mitbeschreiben, dabei ist auch einiges an Parallelität festzustellen, besonders, da beide Kölner Vorplätze neu gestaltet werden bzw. wurden.
    Beste Grüße
    Gisbert Blum

  • [...] erschienen Bürgern war. Diese Termine haben wir dann auch im Juridicum und im sogenannten “Bonner Loch“, dem Bahnhofsvorplatz veranstaltet. Foto: W. Kirschbaum / [...]

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