Die Juli-Umfrage zur Sonderedition

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Cybermobbing- hört die Moral im Netz auf?

jokeSchüler filmen das Dekolletee ihrer Lehrerin, ziehen ihrem Lehrer die Hose runter und nach kurzer Zeit stehen die Videos öffentlich im Internet. Schüler werden von ihren Mitschülern belästigt, bloßgestellt und sind Opfer von Verleumdungen, persönlichen Angriffen und Drohungen. Üble Nachrede, offene Lügen, gefälschte Fotos. Das Internet bietet viele neue Möglichkeiten zum Mobben und sie werden eifrig genutzt.

Kein einziges Forum oder Netzwerk, kein einziger Blog kommt ohne Schmähungen aus. Handymitschnitte geschmackloser Streiche werden ins Netz gestellt, pornografische Fotomontagen werden erstellt oder anonyme Drohungen über SMS und E-Mail verschickt. Ist das die schöne, neue Welt des Web 2.0, des Mitmachnetzes, die wir uns gewünscht haben? Bedeutet Mitmachen zwangsläufig auch das anonyme Mobben anderer?

Im Grundgesetz steht es Schwarz auf Weiß: “Die Würde des Menschen ist unantastbar.” Im Internet scheint dieser Grundsatz nicht zu gelten. Viele Internetforen berufen sich auf das Grundrecht auf Meinungsfreiheit, das in Artikel fünf des Grundgesetzes festgelegt ist. Gerade die Meinungen über die Bewertungsportale wie “Spickmich” oder “MeinProf” sind geteilt. Hier können Schüler und Studenten anonym die Arbeit ihrer Lehrer und Professoren beurteilen. Während die einen sie lediglich als Rückmeldung der Betroffenen empfinden, fühlen sich andere durch anonyme Kritik gemobbt.

Cybermobbing ist an sich keine neue Erscheinung, aber es unterscheidet sich in einigen Punkten von “einfachem” Mobbing. Rund um die Uhr kann in das Privatleben von anderen eingegriffen werden. Cybermobbing endet Dank des Internets nicht nach der Schule oder Arbeit. Hinzu kommt, dass Cyber-Täter anonym agieren können, so dass das Opfer nicht weiß, wer es belästigt.

Die Würde des Menschen ist unantastbar

Und das Publikum ist unüberschaubar groß, elektronische Inhalte sind, wenn sie einmal online sind, nur schwer zu kontrollieren. Der Spielraum von Cybermobbing ist also unermesslich. Doch wie weit darf dieser Spielraum gehen? Moralischen Grundsätzen unterliegt er nicht mehr.

Zumindest ist ein Teil der Gesellschaft aufgewacht und damit verbindet sich die Hoffnung, den Trend “Cybermobbing” zumindest teilweise einzuschränken. Mittlerweile ist Unterrichtsmaterial für Lehrer zum Thema “Was tun bei Cybermobbing?” erhältlich. Immer mehr Fälle von Cybermobbing tauchen in den Medien auf. Cybermobbing-Attacken gegen Lehrer sind Thema deutscher Gesamtlehrerkonferenzen und auf Anti-Mobbing-Pages ist von einer Zunahme an Mobbing mittels Neuer Medien zu lesen.

Es steht demnach nicht die Frage der freien Meinungsäußerung im Vordergrund. Es wird auf die Dauer zu klären sein, wie man auch im Internet zu einem moralischen, sozialen Miteinander finden kann, damit auch Soziale Netzwerke wie “SchülerVZ” oder Videoportale wie “YouTube” ihre Legitimation behalten können. Dies wird nicht nur neue Herausforderungen an alle Internetnutzer stellen, sondern vor allem wird es eine neue Herausforderung für die Justiz bedeuten, damit der Grundsatz “Die Würde des Menschen ist unantastbar” allgemeingültig bestehen bleibt, auch im virtuellen Raum.

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