Ines ist 19, lebt in Köln und studiert an der Uni Bonn Kommunikations- und Medienwisschaften im mittlerweile 5. Semester. Sie liebt Musik, Reisen, Webdesign und die einfachen Freuden des Lebens.
Darum geht es auch in ihrem Blog. Und auf Twitter.
Medienblick: Ich habe vor kurzem in einer Glosse der Zeit folgendes Zitat gelesen: „Über Twitter versenden Millionen Menschen Belanglosigkeiten. Das nervt.“ Eine zunehmend populäre Meinung. Was sagst Du dazu?
Ines: Grundsätzlich geht es gar nicht darum, Belanglosigkeiten zu verbreiten. Es geht viel mehr um kurze, knappe Inhalte, die niemals in einer E-Mail oder auf einem Blog erscheinen würden. Kurze Statusnachrichten dienen eher einer schnellen Kommunikation, bei der zwei Partner zum Beispiel feststellen, dass sie etwas gemeinsam haben, etwa die Vorliebe für ein neues Musikalbum. Davon abgesehen bleibe ich „up-to-date“ und weiß was gerade bei Freunden passiert. Ich denke, dass es nicht darum geht, was genau kommuniziert wird, sondern nur auf welche Art. The medium is the message!
Medienblick: Was genau bloggst Du?
Ines: Das muss man erst einmal trennen. Ich habe einerseits einen privaten Blog , auf dem ich über Dinge schreibe, die mir gerade passieren, die ich schön finde, die mich beschäftigen. Davon abgesehen besitze ich einen Musikblog, den ich gemeinsam mit einer Freundin betreibe. Dort schreiben wir Konzert- und Festivalberichte.
Medienblick: Welche Onlinedienste nutzt Du außerdem?
Ines: Oh je, das sind viele. Ich nutzte am meisten Twitter und Facebook. Daneben besitze ich Profile auf studivz.de, MySpace, last.fm und tumblr. Ich habe schon viel ausprobiert.
Medienblick: Ist es nicht manchmal beängstigend, so „durchsichtig“ zu sein?
Ines: Man sollte sich immer darüber bewusst sein, was man online stellt und von sich preisgibt. Ich weiß, dass sowohl meine Kommilitonen, Professoren, als auch meine Eltern immer alles mitverfolgen können. Ich mache mich nur soweit „durchsichtig“, wie ich das möchte. Es ist für mich einfach eine Art mit dem Leben umzugehen. Trotzdem gibt es immer noch intime Details, die ich niemals publizieren würde.
Medienblick: Welche Ergebnisse erhält man, wenn man Dich googelt?
Ines: (lacht) Mein Portfolio zu allererst. Das ist wahrscheinlich sehr anmaßend, aber ich besitze meinen Namen als Domain.
Medienblick: Was ist Dein Antrieb das alles zu tun?
Ines: Das werde ich in der Tat sehr oft gefragt. Zum einen mag ich die Idee, dass man sich selbst veröffentlichen kann. Es ist eine interessante Tatsache, dass ich niemanden mehr brauche der für mich veröffentlicht. Zum anderen ist das Internet heute so umfassend und vielschichtig, dass man das Angebot längst nicht mehr überschauen kann. Jeder Blogger ist eine Art Filter. So verstehe ich mich auch.
Medienblick: Was hältst Du von den Diskussionen über die zunehmende Kommerzialisierung von Blogs?
Ines: Es gibt heute über viele Bloggen die Diskussion, woher diese ihr Geld nehmen und ob sie nur Marionetten von irgendwelchen PR-Agenturen sind. Ich finde man sollte damit offen umgehen und Bezüge transparent machen, damit Menschen keine falschen Vorstellungen bekommen. Es gibt besonders in Amerika Blogger, die das Gefühl vermitteln, man kann so einfach ohne weiteres davon leben. Man kündigt seinen Job, schreibt eine Website und schaltet ein paar Anzeigen. Dem ist einfach nicht so. Um solche Illusionen zu vermeiden, sollte man alles offen legen.
Medienblick: Was denkst Du über Entwicklungen wie Twitter? Oft stehen sie in einem eher negativen Fokus. Nimmt man dann als Beispiel die Ausschreitungen im Iran, gewinnen diese Neuerungen sogar an politischer Bedeutung.
Ines: Es stimmt natürlich, dass Einrichtungen wie Twitter auch massiv Persönlichkeitsrechte verletzen können. Und würden sich Journalisten nur auf Informationen von Twitter stützen, wäre das dem Qualitätsjournalismus auch nicht dienlich. Andererseits kann so eine Plattform auch zum wichtigen Medium werden. Ich habe gelesen, dass die Twitter-Wartungsarbeiten wegen der akuten Situation im Iran verschoben worden sind. Da zeigen sich Ansätze von gesellschaftlicher und politischer Beeinflussung. Am Ende ist es doch immer noch jedem selbst überlassen, was er liest. Was man immer vergisst ist, dass sich jeder Nutzer über Twitter seinen eigenen Nachrichtenkanal zusammenstellen kann. Das alles erfordert immer auch eine gewisse Medienkompetenz.
Medienblick: Was sind die Vorteile von Twitter in so einem Kontext?
Ines: Es geht um Schnelligkeit, Mobilität und Prägnanz.
Medienblick: Sind das Eigenschaften, die dem klassischen (Print-) Journalismus vorauseilen?
Ines: Man muss unterscheiden. Qualitätsjournalismus sollte immer Qualitätsjournalismus bleiben. Und konventionelle Journalisten beschweren sich vielleicht auch oft zu Recht über das, was im Internet passiert. Aber auf der anderen Seite ähnelt der Journalismus der Musikindustrie: die haben das Internet auch nicht verstanden.
Medienblick: Eine vielleicht plakative Frage. Was sind für Dich die Chancen des Web 2.0?
Ines: Der Begriff Web 2.0 ist immer noch schwammig. Ich halte es für schwierig, darüber genau zu reflektieren. Wir gehören einfach schon einer Generation an, die mit diesen Gegenständen groß geworden ist. Wir werden sehen, wohin es uns führt.
Medienblick: Was sind die wichtigsten Blogs für Dich?
Ines: Ich mache mir da nicht viel aus Hitlisten und Charts. Wie oft ein Blog verlinkt wurde sagt nichts darüber aus, wie erfolgreich er tatsächlich ist. Man muss sich überlegen, wie Menschen heute das Internet nutzen. Das passiert rein fragmentarisch. Die meisten Menschen besitzen heute einen Feedreader und überfliegen Dinge wahllos. Niemand mehr hat seinen absoluten Favoriten. Das Angebot ist zu groß geworden. Auch wenn es natürlich immer wichtigere und weniger wichtige Blogs gibt. Richtige Journalisten haben da einfach ganz andere Möglichkeiten.
Medienblick: Wie viel Zeit täglich nutzt Du fürs Bloggen?
Ines: Das kann ich nicht sagen. Es ist mit meinem Leben mittlerweile komplett verknüpft. Eine schnelle SMS an Twitter von unterwegs oder die Emails über das Handy. Eines sollte man immer bedenken: Ich mache es, weil es mir Spaß macht, nicht weil ich es muss.
Medienblick: Warum funktionieren Blogs Deiner Meinung nach?
Ines: Aus den oben genannten Gründen. Private Blogs funktionieren hingegen, weil in jedem von uns ein Voyeur steckt. Deshalb sind Social Networks auch so beliebt. Sind wir mal ehrlich: Jeder beschwert sich über Twitter, aber gelesen wird es ja doch.
Medienblick: Wie sehr geht es dabei immer auch um Inszenierung?
Ines: Wenn man das Internet richtig nutzt, kann man sich wunderbar selbst inszenieren. In den meisten Fällen geht es aber wohl eher um gewisse Aspekte eines Menschen, die mehr hervorgehoben werden als andere.
Medienblick: Ist das alles nicht schrecklich oberflächlich?
Ines: Gute Frage. So wird das Internet wohl aber immer funktionieren. Mehr geht nicht auf 140 Zeichen.
Medienblick: Ein gut gemeinter Tipp zum Schluss?
Ines: Das was man macht, sollte einen immer bereichern. Wenn es das Bloggen ist, sehr gut. Wenn nicht, dann auch. Man sollte nur bewusst damit umgehen.
Medienblick: Eine letzte Frage. Erscheint unser Treffen gerade im Internet?
Ines: (lacht und holt ihr Handy aus der Tasche) Nein, aber ich werde jetzt schnell darüber twittern.

“Die meisten Menschen besitzen heute einen Feedreader und überfliegen Dinge wahllos.”
Die meisten Menschen? Echt?
http://profy.com/2008/12/18/worried-people-don%E2%80%99t-know-what-rss-is-they-don%E2%80%99t-even-care-what-a-browser-is/