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Reportage: Jede Zelle meines Körpers ist glücklich beim Lachyoga

Kinder lachen ungefähr 400 mal am Tag, Erwachsene nur noch 15 mal. Um daran etwas zu ändern, gibt es Lachyoga: Mithilfe verschiedener Übungen wird so lange künstlich gelacht, bis es in ein echtes Lachen übergeht. Einfach nur verrückt oder wirklich sinnvoll? Am Aachener Weiher in Köln habe ich selber bei einer Lachyoga-Stunde mitgemacht.

Von Anika Peltzer

Den Reißverschluss am Kopf öffnen, kurz mal das Gehirn herausholen, es fröhlich anlachen und mit den Dingen befüllen, die man sich wünscht. Dann das Gehirn wieder einsetzten, Reißverschluss zu und nochmal so richtig ausgelassen lachen. Nein, hier wird kein Drogentrip beschrieben und auch kein schlechter Horrorfilm – so etwas macht man beim Lachyoga. Natürlich nimmt sich niemand wirklich das Gehirn heraus, sondern das alles wird gespielt.

Pantomimische Lachübungen sind eines der Elemente des Lachyogas. Außerdem gehören Klatschübungen, Atemübungen und kindliche Verspieltheit zum Programm, erklärt Lachyoga- Leiterin Angela Mecking. Ziel des Ganzen: Lachen und sich dabei auch noch ein bisschen bewegen. Am Anfang ist das Lachen meistens eher gespielt, da man erst einmal lernen muss, aus sich herauszukommen. Im Optimalfall geht es aber im Laufe der Übungen irgendwann in ein echtes Lachen über. Ganz nach dem Motto „Fake it till you make it“.

Am Aachener Weiher habe ich mich einer Lachyoga-Gruppe angeschlossen und das Ganze selbst mitgemacht. Mitten im Park, in aller Öffentlichkeit. Ganz schön viele Menschen, die uns bei den nicht gerade alltäglichen Verhaltensweisen sehen werden. Naja was soll’s – die frische Luft, die Bäume und der Weiher sind jedenfalls eine echt schöne Umgebung.

  

Video: Anika Peltzer

Mit Pfeil und Bogen die eigenen Ziele abschießen

Zu Beginn werden ein paar Atemübungen gemacht: Die Arme austrecken, sie beim Einatmen nach oben über den Kopf bringen und beim Ausatmen wieder nach unten. So weit so gut. Beim nächsten Mal wird dann beim Ausatmen laut gelacht. Schon etwas gewöhnungsbedürftig, einfach grundlos loszulachen. Aber die anderen scheinen damit überhaupt kein Problem zu haben, alle amüsieren sich laut und munter. Na gut, also einfach mitmachen. Die nächsten Übungen werden dann langsam noch ein bisschen verrückter: Mit den Händen wird ein Herz vor dem Gesicht geformt. Dann auf andere Teilnehmer*innen zugehen, sich durch die Herzen anschauen und laut anlachen. Schon ein bisschen unangenehm – und noch scheint das Lachen bei den meisten auch eher gespielt. In einer weiteren Übung denken sich alle ein Ziel, das sie in diesem Jahr erreichen wollen. Jede*r sucht sich einen Punkt in der Umgebung aus, der symbolisch für dieses Ziel steht. Mit pantomimischem Pfeil und Bogen wird dieses Ziel dann angepeilt und darauf geschossen – natürlich wieder mit einem lauten, ausgiebigen Lachen. So langsam wirkt dieses bei einigen der Teilnehmer*innen auch wirklich echt. Ziel erreicht – zumindest bei den Anderen.

 

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Als Anfänger*in fällt es eher schwer, wirklich loszulassen und grundlos laut zu lachen. Vor allem, weil das Ganze ja öffentlich im Park stattfindet. Immer wieder bleiben Spaziergänger*innen und andere Parkbesucher*innen irritiert stehen und schauen uns an. „Was machen die denn da?“ scheinen ihre verwirrten Blicke zu fragen. Um wirklich Spaß zu haben und voll bei der Sache zu sein, darf man sich wohl nicht dafür interessieren, was fremde Leute denken könnten. Teilnehmer Christof Arnolds (61) sieht genau diesen Aspekt aber sehr positiv. Die Treffen in der Öffentlichkeit seien sozusagen die „Königsdisziplin“ des Lachyogas. Ihm helfe das, offener zu sein und sich mehr zuzutrauen: „Man sagt sich selbst: Also wenn ich so verrückte Sachen machen kann, dann kann ich doch auch anderes machen. Also wirklich einen Zuwachs an Selbstbewusstsein stelle ich immer wieder fest.“ Er mache bereits seit 17 Jahren Lachyoga und spüre auch langfristige Effekte: Vor allem eine generell bessere Stimmungslage. Er sehe es sogar als eine mögliche therapeutische Sache an: „Wir haben alle irgendwann erlebt, dass wir ausgelacht worden sind. Deswegen ist Lachen ohne Grund vielleicht erstmal ein bisschen suspekt, weil unser Gehirn dann sagt ‚das versteh ich nicht und damals haben wir ja auch nicht verstanden, dass über uns gelacht wurde.“ Lachyoga könne seiner Meinung nach helfen, solche Gedanken aufzulösen und alte Wunden zu schließen.

Zum ersten Mal beim Lachyoga ist Gabriella Garaffa (44): „Ich mache normalerweise Yoga und wollte einfach mal wissen, was eigentlich Lachyoga ist. Ich finde, das ist eine super Idee, weil Lachen, selbst wenn es erzwungen ist, eine gute Sache für das Gehirn ist.“ Sich einfach eine Stunde pro Woche so richtig auszulachen, finde sie sehr sinnvoll. Sie sei ganz ohne Erwartungen hergekommen und positiv überrascht: „Ich komme bestimmt ab und zu wieder.“ Die Teilnehmerin meint, sie würde Lachyoga auf jeden Fall weiter empfehlen – vor allem auch an jüngere Leute. Tatsächlich liegt die Altersspanne in der Lachyoga-Gruppe ungefähr bei 40 bis Mitte 60.  Mitbringen solle man zum Lachyoga Gelassenheit, erklärt Gabriella Garaffa: „Einfach ohne Erwartungen kommen, dann ist man ganz gelassen und bereit zu lachen.“ Kurz nach ihrer ersten Lachyoga-Stunde verspüre sie schon eine kleine Veränderung: Entspannung, vor allem im Gesicht.

Die meisten Teilnehmer*innen scheinen tatsächlich auch schon während der Übungen sehr gelassen und entspannt. Sie zeigen selbst mitten in der Öffentlichkeit kaum Hemmungen, egal wie absurd die Übungen auch von außen aussehen mögen. Naja, das Ziel ist ja eben lachen – wenn also auch die ein oder anderen Außenstehenden zum Schmunzeln gebracht werden, erfüllt das ja auch irgendwie den Sinn der ganzen Sache.

Lachyoga-Leiterin Angela Mecking sieht es sehr locker, was andere Leute von ihrer Leidenschaft denken: „Jeder muss seinen eigenen Weg finden, um glücklich zu sein und es muss nicht für Jedermann das Passende sein. Wer das nicht braucht, möge so glücklich sein, das ist auch okay“. Die Teilnehmer beim Lachyoga sind jedenfalls glücklich – zumindest singen sie das in einer Übung: „Jede Zelle meines Körpers ist glücklich, jede Körperzelle fühlt sich wohl“ gehen die Zeilen des Songs. Ja, beim Lachyoga wird sogar gesungen und getanzt! Eins steht fest – schlechte Laune kann dabei wirklich niemand mehr haben.

 

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Wieso macht man Lachyoga?

Gute Laune und vor allem Lachen sei bei Erwachsenen im Alltag meistens viel zu selten, erklärt Angela Mecking:

„Kinder lachen so 400 mal am Tag, Erwachsene nur noch 15 mal. Wir lachen auch weniger als vorherige Generationen. Ziel des Lachyogas ist es, die gesundheitlichen Wirkungen des Lachens besser auszuschöpfen und etwas für eine positive Lebenseinstellung zu tun. Dann erlebt man das Leben auch anders und kann alles mit mehr Leichtigkeit nehmen.“

Und damit das Leben am besten auch gar nicht erst schwierig wird, wünschen sich die Teilnehmer immer wieder gegenseitig die Dinge, die sie brauchen: Liebe, Gesundheit, Frieden, oder was einem sonst so wichtig ist. In einer Übung stehen sich alle in zwei Reihen gegenüber. Einer nach dem anderen äußern sie ihre Wünsche und laufen zwischen den Reihen hindurch, während alle anderen ihnen zujubeln. Ein anderes Mal werden alle in Dreiergruppen aufgeteilt. Abwechselnd wird geäußert, was man im nächsten Jahr besonders brauchen könnte. Die anderen beiden laufen um die Person herum und beregnen sie symbolisch mit dem gewünschten Begriff. Ob es etwas bringt? Wer weiß. Aber schaden kann es auf jeden Fall nicht, auch wenn vielleicht nicht Jede*r an die Wirkung glaubt.

Unabhängig von der eigenen Einstellung sei Lachyoga grundsätzlich für Jede*n etwas, findet Angela Mecking: „Es gibt nur einige wenige Kontraindikationen, bei denen man vorher vielleicht mit seinem Arzt sprechen sollte. Das sind einige psychische Krankheiten, wie bipolare Störungen oder manische Depressionen, oder zum Beispiel auch Aneurysmen.“ Angela Mecking hat selbst vor 13 Jahren mit Lachyoga angefangen: „Ich war damals in einer Lebenskrise und habe überlegt: Jetzt muss was passieren.“ Sie habe deshalb beschlossen, alles zu tun, um glücklich zu sein und verschiedene Methoden ausprobiert. „Unter anderem eben auch das Lachyoga und ich habe gemerkt: Das ist cool, das muss ich einfach nur machen und gar nicht nachdenken wie es mir gerade geht. Da passiert automatisch eine Veränderung.“ Danach ging es ziemlich schnell, bis Angela Mecking sich selbst zur Lachyoga-Lehrerin ausbilden ließ und Kurse und Seminare leitete. Schließlich wurde sie sogar „Lachyoga Master-Trainerin“ was bedeutet, dass sie selbst Lachyoga-Lehrer*innen ausbildet.

Wer Interesse hat, mal bei einem Lachyoga-Treffen vorbei zu schauen, kann das immer sonntags um 12 Uhr am Aachener Weiher tun. Die Gruppe trifft sich dort auf dem Plateau am Weiher, zu dem man am schnellsten über das Japanische Kulturinstitut kommt. Die Teilnahme ist kostenlos, es kann aber am Ende ein beliebiger Betrag gespendet werden.

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