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Müll sparen, besser fühlen

Die Debatte um Plastikreduzierung wird Tag für Tag größer und wichtiger. Dass der Verbrauch von Plastiktüten, laut Süddeutsche um zwei Milliarden Tüten gesunken ist, ist als Erfolg und wichtiger Schritt zu vermerken. Damit nähert sich Deutschland dem EU-Ziel für 2025 an: Bis dahin sollen pro Kopf nur 40 Plastiktüten im Jahr verbraucht werden. Aber sind nicht selbst 40 Türen pro Kopf eine ganze Menge?  Plastikgeschirr soll nun laut EU verboten werden. Aber es gibt noch viel mehr zu tun und die Lösung des Plastik-und Verpackungsmülls heißt Zero-Waste. 

Von Maike Velden 

„Zero Waste ist die Einstellung bewusst zu verzichten und sich einzuschränken. Was hinter den Produkten steht, kann ich nicht vertreten. Neben einer Einstellung ist es auch ein Lebensstil, weil es nicht einfach nur um weglassen geht, sondern um viel mehr: es ist Gewinn.“ So definiert Olga Witt, die Gründerin von Tante Olga, dem ersten Unverpackt Laden in Köln ihre Art verpackungsfrei zu leben und auf Müllproduktion zu verzichten.

Tante Olga Unverpackt Laden Foto: Maike Velden
Tante Olga Unverpackt Laden
Foto: Maike Velden

Stichwort Konsumgesellschaft

Seit fünf Jahren verzichtet sie auf Müll, für sie ist das ein Gewinn. Weniger Chemikalien im Körper, kein Konsumzwang – sie lebt gesünder, zufriedener und  braucht keine To-Go Becher für ihren Kaffee. Durch bewusstes Einschränken und Verzichten auf Dinge werden die Sachen die man hat, wertvoller, Olga konzentriert sich bewusst auf das, was sie hat und nicht, was sie noch alles brauchen könnte oder braucht.

„Zero Waste ist das Streben, so wenig Müll wie möglich zu hinterlassen um natürliche und endliche Ressourcen zu schonen und nicht über eigene Verhältnisse zu leben, sondern im Einklang mit sich selbst“, erklärt Olga. Einen expliziten Anlass für die Lebensumstellung habe es nicht gegeben, eher eine Situation. Als sie vor fünf Jahren den Müll aus dem Haus brachte, dachte sie sich, dass unser ökologisches Verhalten und der ganze Müll keine gute Sache seien. „Der Verpackungswahnsinn hat mich gestört“, sagt sie.

Olga fing an, alles umzustellen was ihr einfiel, Stück für Stück reduzierte sie den Müll in ihrem Umfeld.

Tante Olga in Köln Sülz- Kölns erster unverpackt Laden

Vorbilder gibt es viele, etwa „Original Unverpackt“ in Berlin, gegründet von Milena Glimbowski. Unverpackt einkaufen zu können, ohne

Tante Olga Unverpackt Laden Foto: Maike Velden
Tante Olga Unverpackt Laden
Foto: Maike Velden

Plastik und unnötige Verpackungen, war das Ziel von Olga. Leider gab es dazu keine Möglichkeiten in Köln. Vorbilder gab es einige, aber eben nicht in Köln. „Wenn das keiner macht, dass mach ich das eben“, sagt Olga.

Ein Laden braucht Räumlichkeiten und die sind in Köln bekanntlich schwer zu bekommen. „Wir hatten die Immobilie bevor wir wussten, dass wir den Laden wirklich gründen wollen“, lacht Olga. Die Immobilie war quasi die Initialzündung des Ladens.

Herausforderungen über Herausforderungen

Ein Geschäft erfordert Arbeit, vor allem eines, welches ohne Verpackungen auskommen mag. „Wenn ich dann sehe, wie die Lieferanten die Produkte liefern, eben doch verpackt und in Plastik umhüllt, dann werde ich sauer.“ Das ist ja gerade das, was vermieden werden soll.

Eine Hauptaufgabe des Teams bestehe im täglichen Vergleich von Lieferanten und Produzenten erzählt sie. Wer verpackt wie? Wer verpackt

Olga Witt Foto: Maike Velden
Olga Witt
Foto: Maike Velden

was? Wird überhaupt verpackt? Wer liefert wie? Das ist wichtig, um so viel Verpackungsmüll wie möglich zu vermeiden. Bei Olga gibt es manche Lebensmittel in Pfandbehältern. Die können dann zurück gebracht werden, und werden an den Lieferanten zurück gegeben. Dieser kann sie neu befüllen. Das kann gemacht werden, muss aber nicht sein.

Mitarbeiter wurden erst eingestellt, wenn sie auch wirklich bezahlt werden konnten, zu Beginn war Olga jeden Tag den ganzen Tag im Laden. Mittlerweile bilden drei Inhaber, zwei Festangestellte, drei 450-Euro-Kräfte und ein Azubi das Team.

Säckchen, Kartons, Glas- das Konzept des Ladens 

Hauptsache es wird wiederverwertet, und wenn es ein alter Nudelkarton ist. Bei Tante Olga bringen sich die Kunden ihre Behälter selber mit oder kaufen vor Ort einen. Das können Gläser oder Säckchen sein, mitbringen man man sich auch Tupperdosen oder Kartons, eigene Gläser

und Jutesäckchen. Zuerst werden die Behälter abgewogen, und gekennzeichnet. Das Gewicht wird nachher von dem Gewicht der eingekauften Waren abgezogen. Bei Tante Olga gibt es fast alles, was für den täglichen Bedarf gebraucht wird. Nudeln, Reis, Nüsse, Eier, Honig, Milch, Tee, Kaffee und diverse Hygieneartikel. „Wir haben aber auch viel Schnickschnack, wie Cracker und Bonbons oder Schokolade“, erklärt Olga. Auch Spezialprodukte, um müllfreier leben zu können gibt es bei Tante Olga. Die Lebensmittel sind mindestes Bio-Zertifiziert, regional und lokal. Dementsprechend sind die Produkte etwas teurer, aber auch hochwertiger. Bei Olga können die Kunden mit wirklich gutem Gewissen einkaufen gehen. Kassenbons gibt es nur, wenn explizit danach gefragt wird, sonst geht sie davon aus, dass kein Bon gebraucht wird.

Ziel: Weltrettung und aus Köln die erste Zero-Waste Stadt machen

Olgas Fernziel ist die Weltrettung, das Thema muss in der Mitte der Gesellschaft ankommen. Nicht nur Mülltrennung, auch die Vermeidung

Tante Olga Unverpackt Laden
Tante Olga Unverpackt Laden

ist wichtig. Die Gesellschaft muss sich umorientieren. Olgas Zwischenziel ist es, das Konzept Zero-Waste anderen beizubringen und zu zeigen, wie Umsetzungsmöglichkeiten gefunden werden können. Die Initiative Zero-Waste Köln mit 50, 60 Leuten ruft dazu auf Müll zu sparen und Köln irgendwann als Zero-Waste Stadt auszurufen. Das soll von oben geschehen, die Politik muss mitwirken.

Möglichkeiten zum verpackungsfreien Einkaufen:

Tante Olga
Berrenrather Straße 406
Köln Sülz 50937

Migori Unverpackt
Bonner Straße 66
50667 Köln

Freikost Deinet
Rochusstraße 266
53123 Bonn

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