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Partnersuche im 21. Jahrhundert: Dating Apps – Ein Selbstversuch

Social Media, E-Mails, Online-Banking, Online-Shopping – ein großer Teil unseres Alltags ist mit dem Internet verbunden. Mit Dating Apps wie Tinder, Lovoo und Badoo oder Dating Plattformen wie Elitepartner und Paarship ist auch die Suche nach dem Partner und der großen Liebe endgültig im Zeitalter des Internets angekommen. Warum als Single nicht selbst den Versuch wagen?

von Nathalie Schloesser

In Gesprächen mit meinen Freundinnen kam immer wieder das Thema auf warum ich eigentlich Single sei. Die Antworten auf dieses Frage fielen immer gleich aus: Von “Irgendwie war der Richtige nicht dabei.” bis “Es hat einfach nicht gefunkt.”. Vor einigen Monaten verlief das altbekannte Gesprächsthema jedoch in eine andere Richtung. “Hast Du’s eigentlich schon mal mit einer dieser Dating-Apps versucht?”, fragte mich meine Freundin Isabell. Sie selbst habe sich angemeldet und schreibe seitdem mit einigen netten Typen. Natürlich seien dort auch ein paar merkwürdige Gestalten unterwegs, aber damit müsse man rechnen. Tage vergingen und das Thema ließ mich nicht los. Aber Dating übers Internet… ist das nicht irgendwie unpersönlich? Doch dann sagte ich mir:

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Warum eigentlich nicht? Einen Versuch ist’s doch wert. Die nächste Frage war jedoch gleich: Wo möchte ich mich denn eigentlich anmelden?

In Deutschland ist jeder Fünfte, in Großstädten sogar fast jeder Dritte, Single. Noch nie war der Wunsch nach Liebe und Beziehungen so groß, was zur Folge hat, dass Dating-Apps und Dating-Portale gefragt sind wie nie. Jedes dritte Paar lernt sich heute über das Internet kennen. Das Angebot ist vielfältig und für so gut wie jede Zielgruppe ist etwas dabei, seien es Akademiker, Vegetarier oder Veganer, Hundefreunde oder Christen. Besondere Bekanntheit erlangten in den letzten Jahren Dating-Apps wie Tinder, LOVOO und Badoo. Ziel ist es schnell, leicht und effektiv den passenden Partner für seine jeweiligen Erwartungen zu finden, sei es für einen One-Night-Stand oder etwas Ernsteres.

Nach meiner Recherche hatte ich mich für die App LOVOO entschieden, von der meine Freundin geschwärmt hatte. Die Anmeldung war simpel, da ich nur entscheiden musste, ob ich mich mit meinem Facebook-Konto (wie bei vielen Dating-Apps) oder über einen angelegten LOVOO-Account anmelden möchte. War das erledigt, kam das einstellen des Fotos an die Reihe. Hier stieg nun etwas die Anspannung und ich stellte mir die Frage: Was für ein Foto stelle ich bloß ein? Schließlich möchte man Erfolg bei der Suche haben. Ich entschied mich ein unbearbeitetes, aber vorteilhaftes Foto zu wählen, da ich bei einem im Idealfall stattfindenden Treffen in der Zukunft keine Überraschung erleben wollte. Foto erledigt. Nun musste ich einen Namen, mein Geschlecht, mein Alter und meine Stadt angeben. Die Angabe des Standorts und der sogenannte Live-Radars helfen dabei möglichst viele Menschen mit ähnlichen Interessen in der näheren Umgebung anzuzeigen. Zusätzlich kann man optional angeben, ob man auf der Suche nach Dates oder Bekanntschaften ist, man raucht oder nicht, welcher Religion man angehört, ob man Kinder hat und vieles mehr.

Das “Match-Spiel”: Rechts wischen – Du gefällst mir. Links wischen – Du bist nicht mein Typ

Waren diese Schritte erledigt, konnte ich mit der Suche beginnen. Wie bei Tinder gibt es bei LOVOO das sogenannte “Match-Spiel”. Einfach gesagt: Es erscheint ein Foto und mit einem Wischen nach rechts oder links bewertet man die Person auf dem Bild. Rechts – ja. Links – nein. Kommt es zu einem Match, was bedeutet, dass man sich gegenseitig positiv bewertet hat, wird man benachrichtigt und kann miteinander schreiben. Nachdem ich mich damit etwas vertraut gemacht hatte, flatterten auch schon die ersten Matches, aber auch die ersten merkwürdigen Kontaktanfragen ins Haus, vor denen mich meine Freundin gewarnt hatte. Denn es besteht bei Dating-Apps (in der Normalversion meist kostenlos) die Möglichkeit Premium Funktionen käuflich zu erwerben, um so auch ohne Matches sein Objekt der Begierde zu kontaktieren. So kam ich in den Genuss lustiger Anmachsprüche wie “Bist du ein Dementor? – Du raubst mir wahrlich den Atem!!” oder auch weniger unterhaltsamer Varianten. Im schlimmsten Fall konnte ich unerwünschte Personen blockieren.

Nach ein bis zwei Wochen und relativ kurzen Unterhaltungen, die meist abbrachen, weil mein Gegenüber feststellen musste, dass ich für eine lockere, schnelle Sache nicht zu haben bin, machte sich in mir das Gefühl der Enttäuschung breit. Doch wusste ich, dass diese Art von Apps hauptsächlich zu diesem Zweck genutzt werden. Also änderte ich meine Taktik und schrieb in das Info-Feld meines Profils direkt wonach ich suchte und was für mich nicht in Frage kam. Auch ließ ich mein Profil verifizieren, eine Funktion bei der man vom App-Betreiber aufgefordert wird, ein Live-Foto mit einem auf einem Blatt Papier notierten zuvor genannten Code zu senden und so den anderen zu beweisen, dass man die Person ist, die sich hinter dem Profil verbirgt. Die Matches und Chat-Anfragen wurden zwar weniger, doch hatte ich mein Ziel erreicht und schrieb mit Männern, die dieselben oder ähnliche Vorstellungen bei der Partnersuche verfolgten.

Internet trifft auf Realität: Passt es nach einem persönlichen Treffen immer noch?

Es dauerte nicht allzu lange und das erste persönliche Treffen mit einem der Chat-Partner stand bevor und ich gebe zu, dass es ein mulmiges Gefühl war sich mit  Personen zu treffen, die man in gewisser Weise kennt und wiederum auch nicht kennt. Denn auf der einen Seite schreibt man seit Wochen täglich und tauscht sich über seinen Alltag aus. Doch auf der anderen Seite hat man die Person nicht einmal im wahren Leben getroffen. Was wenn er nicht die Person ist, die er vorgegeben hat zu sein? Vielleicht passen wir ja doch nicht zusammen? Um genau diese Fragen für sich beantworten zu können ist ein richtiges Treffen wichtig. Schließlich spielt sich eine richtige Beziehung in der Realität ab und nicht im Internet, oder? So traf ich mich mit mehreren Männern auf einen Kaffee, man unterhielt sich und blieb danach in Kontakt, oder auch nicht.

Die Partnersuche und das Kennenlernen über das Internet sind in der heutigen Zeit kein Tabu mehr und gehören zum Alltag. Für jede Zielgruppe lässt sich die passende Plattform finden, sei es um jemanden für eine Nacht oder ein ganzes Leben zu finden. Wichtig ist, bei dem Überfluss an Möglichkeiten zu wissen, was man sucht und was nicht. Denn dann könnte es sein, dass man findet wonach man gesucht hat. Wie ich meinen Freund, mit dem ich nun seit knapp zwei Monaten glücklich zusammen bin.

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