Foto: Tom Braun
Abenteuer Ausland Aktuelles Alltag

Mit Work and Travel die Welt entdecken – und sich selbst!

Australien, Neuseeland, Kanada – mit Work and Travel lässt sich die Welt bereisen und gleichzeitig nebenher Geld verdienen. Gerade nach dem Abi entscheiden sich viele für ein solches Abenteuer im Ausland. Drei Work and Traveller verraten, wie sie ihren Auslandsaufenthalt organisiert haben und welche Erfahrungen sie auf ihrer Reise gemacht haben.

Von Alina Drechsler

Mittwochmorgen. 8:00 Uhr. Tom begibt sich auf den Weg zu seinem Arbeitsplatz in den Weinbergen. Nun heißt es pflücken, abschneiden, ernten – und das für die nächsten acht Stunden. Nicht gerade viel Abwechslung, dennoch hat Tom diese Zeit positiv in Erinnerung behalten: „Teilweise dachte ich sogar, dass die Arbeitszeit eigentlich fast schöner war als die Reisezeit. Dann konntest du auch mal Geld ausgeben und du hattest so deine Freunde über längere Zeit.“

Work and Travel verbindet Arbeiten und Reisen. So wie Tom Braun zieht es viele 18- bis 20-Jährige nach dem Abi zu einem Work and Travel-Aufenthalt in die Ferne. „Ich hatte nach der Schulzeit einfach Lust, was anderes zu machen“, sagt Tom. Seine Wahl fiel hierbei auf Neuseeland. Der Wunsch nach Neuem lockt nicht nur Jüngere zu einem solchen Abenteuer. Marina Bottenberg hat sich nach ihrer Ausbildung für Work and Travel in Kanada entschieden und fasst ihre Erwartungen wie folgt zusammen: „Neue Erfahrungen machen, neue Leute kennen lernen und einfach die Chance nutzen, im Ausland auf eigenen Beinen stehen zu müssen und ein anderes Land kennenzulernen.“

Neuseeland und Kanada zählen zu den beliebtesten Reisezielen für Work and Travel. Spitzenreiter ist jedoch weiterhin Australien. Für Caroline Becker stand Down Under bereits als Kind auf Platz 1 ihrer Bucketlist: „Das war halt vorher schon immer in meinem Kopf, ich will nach Australien, obwohl ich eigentlich fast nichts über dieses Land wusste.“ Nach dem Abi hat Caroline sich diesen Traum erfüllt und sich so in Australien verliebt, dass sie ihren Aufenthalt sogar verlängerte.

Der Sprung in die Ferne

Blick auf Downtown Vancouver (Foto: Marina Bottenberg)
Blick auf Downtown Vancouver (Foto: Marina Bottenberg)

Für Work and Travel muss man mindestens 18 Jahre alt sein und auf Grund der Visumsvoraussetzungen ausreichend finanzielle Mittel vorweisen können. Zudem sind Flexibilität, Unabhängigkeit und Neugierde auf andere Kulturen von Vorteil. Caroline hat den Sprung nach Australien ganz alleine gewagt und diese Entscheidung auch nie bereut. Marina hat sich für ihre Zeit in Kanada hingegen von einer Organisation unterstützen lassen. Sie gibt jedoch zu: „Im Nachhinein denke ich, dass man sich das Geld sparen kann, da es genug Work and Travel-Gruppen z.B. bei Facebook gibt, wo einem mit jedem Problem weiter geholfen werden kann.“ Dieselben Erfahrungen hat auch Tom gemacht. Er hat auf seiner Reise zahlreiche hilfsbereite Menschen mit Work and Travel-Erfahrung getroffen, darunter auch viele Deutsche.

Wenn es jedoch der erste Auslandsaufenthalt ist und man jemanden für den Notfall im Hintergrund haben möchte, hält Marina eine Organisation für hilfreich. Dies bestätigt auch Laura Schmidt, Program Coordinator Work and Travel bei AIFS: „Es gibt einem gewisse Sicherheiten. Die Teilnehmer haben immer einen Ansprechpartner bezüglich ihrer Reise. Vor Ausreise sind wir der erste Ansprechpartner, danach unser Partner vor Ort.“

Tom hat für seine Ausreise nach Neuseeland zudem einen Gruppenflug über eine Organisation gebucht. Solche Gruppenausreisen haben einen entschiedenen Vorteil. Laut Laura von AIFS muss dadurch niemand allein in das Abenteuer Ausland starten, sondern hat andere an seiner Seite, die dieselben Sorgen haben und genau so aufgeregt sind.

Abenteuer Backpacking

Backpacking am Southbeach in Wollongong (Foto: Caroline Becker)
Backpacking am Southbeach in Wollongong (Foto: Caroline Becker)

Visumsbeantragung, Flugbuchung, Krankenversicherung – vor der Ausreise muss man sich um einiges kümmern. Nicht zu vergessen: der Backpack. Für Caroline war das Packen eine besondere Herausforderung. „Wenn man das gewöhnt ist, zuhause zu wohnen und dann gerade auch als Frau richtig viele Kleider im Kleiderschrank hat, sich auf einmal nur auf einen Backpack zu reduzieren, das war schon ein großer Schritt“, gesteht sie. Tom fiel das hingegen leichter. Er hat am Abend vorher gepackt und dann ging es los. „Die wichtigsten Sachen musst du dabei haben, aber den Rest kannst du auch kaufen“, sagt Tom. Letzten Endes ist er mit nur 15kg für sechs Monate ausgereist.

Caroline ist zu Beginn ihrer Reise das passiert, wovor es vermutlich jedem Backpacker kraust: Die Airline hat ihren Rucksack verloren. Alleine in einem fremden Land ohne Gepäck zu sein, war eine große Hürde für sie. Sie musste fast eine ganze Woche auf ihre Sachen warten. Aber als die Leute im Hostel davon erfahren haben, waren alle äußerst hilfsbereit. Dieser starke Zusammenhalt der Reisecommunity hat sie nachhaltig am meisten beeindruckt.

Arbeiten und Reisen am anderen Ende der Welt

Mit einem Working-Holiday-Visum ist man bei der Jobsuche meist wenig eingeschränkt. Laut Caroline kommt es insbesondere auf die eigenen Skills an. Je mehr Erfahrung man mitbringe, desto einfacher sei es einen Job zu finden. Marina hat sich bereits von Deutschland aus einen landwirtschaftlichen Job in Kanada organisiert, da sie gerne in ihrem Beruf arbeiten wollte. „Ich werde eine 5 Tage Woche haben und pro Tag 10 Stunden arbeiten. Ich werde hauptsächlich Kühe melken und für die Versorgung von Kälbern zuständig sein“, erklärt sie. Marina ist seit Anfang April in Kanada und hat sich entschieden erst zu reisen und dann zu arbeiten.

Toms Arbeitsplatz in den Weinbergen (Foto: Tom Braun)
Toms Arbeitsplatz in den Weinbergen (Foto: Tom Braun)

Die meisten Work and Traveller suchen sich ihre Jobs erst vor Ort. Tom ist hierzu immer in sogenannte Arbeitshostels gegangen, welche lokale Kontakte besitzen und den Hostelbesuchern Arbeit vermitteln. Die Arbeitsbedingungen waren jedoch nicht immer ideal: Einmal musste er zehn Stunden lang auf einem Feld Kiwiblüten pflücken und hat dafür höchstens ein Drittel vom Mindestlohn bekommen. Tom sieht das aber nicht so eng: „Klar, es war eine negative Erfahrung, aber ich habe dann einfach gekündigt und dann war es wieder gut.“ Tom hat insgesamt drei Jobs in der Landwirtschaft angenommen, zwei auf Kiwi-Feldern und einen in den Weinbergen. Zwischenzeitlich hat er vor allem die Südinsel Neuseelands bereist.

Caroline hatte in Australien Glück und stets faire Arbeitszeiten und eine gute Entlohnung. Während der neun Monate war sie vor allem in der Gastronomie als Kellnerin und Küchenhilfe tätig, aber auch als Hotelallrounder und Fundraiser. Zwischendurch hat sie noch HelpX und Wwoofing gemacht. Hierbei arbeitet man auf einer Farm oder bei Leuten im Haushalt und erhält im Gegenzug freie Unterkunft und Verpflegung. So konnte Caroline ihr Budget schonen und mehr reisen. Sie hat sich vor allem die East Coast Australiens angesehen, aber auch einen Trip in die USA und nach Asien unternommen.

Andere Länder, andere Begegnungen

Coola und Grinder Grizzlybären auf dem Grouse Mountain (Foto: Marina Bottenberg)
Coola und Grinder Grizzlybären auf dem Grouse Mountain (Foto: Marina Bottenberg)

Als Work and Traveller trifft man nicht nur auf Menschen aus anderen Kulturkreisen. Marinas bislang einprägsamstes Erlebnis in Kanada war eine fast Begegnung mit einem Puma. Sie findet es beängstigend zu wissen, dass Bären und Pumas jederzeit auftauchen können. Für Caroline zählt die Tierwelt Australiens hingegen zu ihren persönlichen Highlights, besonders das Füttern von Kängurus. Zudem erinnert sie sich gerne an die wunderschönen Orte, die sie besucht hat.

„Meistens macht ja nicht allein der Ort aus, wie sehr man ihn in Erinnerung behält, sondern vor allem auch die Menschen, die man dort trifft, und die Zeit, die man mit den Menschen dort verbringt.“ – Caroline

Campingplatz auf der Südinsel Neuseelands (Foto: Tom Braun)
Campingplatz auf der Südinsel Neuseelands (Foto: Tom Braun)

Sandwüsten ähnliche Landschaften, wunderschöne Strände und atemberaubende Regenwälder – Tom hat vor allem die facettenreiche Natur Neuseelands beindruckt. Aber diese neuen Gegebenheiten bringen natürlich auch Hürden mit sich. Tom musste sich anfangs erst einmal orientieren und herausfinden, welches Transportmittel am geeignetsten ist. Auch Marina hat ganz neue Dimensionen von Entfernungen kennengelernt. Da Kanada das zweitgrößte Land ist, dauert es lange, um von A nach B zu kommen.

Zeit der Veränderung

Toms Freunde hatten große Angst, dass er aus seiner Zeit in Neuseeland als neuer Mensch zurückkehrt. Doch von Grund auf hat er sich nicht verändert. Er ist jedoch lockerer und entspannter geworden und hat gelernt, dass es immer irgendwie weitergeht. Das merkt auch Marina: „Man ist auf sich alleine gestellt und muss seine eigenen Entscheidungen treffen, um den Tag zu meistern.“ Laut Caroline gewinnt man als Work and Traveller an Selbständigkeit und Reife. Während ihrer Zeit in Australien hat sich zudem ihre Weltsicht verändert und nicht zuletzt ihre persönliche Einstellung: „Wenn man mal ein Jahr aus einem Backpack lebt, dann merkt man, dass Kleider nicht alles sind und Mode gar nicht so wichtig ist.“

Work and Travel ist und bleibt eine beliebte Gap-Year-Variante. Laut Laura von AIFS steigt darüber hinaus auch das Interesse an etwas kürzeren Programmen wie Freiwilligenprojekten oder Farmwork-Aufenthalten. Doch egal für was man sich am Ende entscheidet – ein solcher Auslandsaufenthalt verändert einen immer.

 

3 Tipps für deinen Work and Travel-Aufenthalt

Sea to Sky Highway, Vancouver nach Whistler (Foto: Marina Bottenberg)
Sea to Sky Highway, Vancouver nach Whistler (Foto: Marina Bottenberg)

Marina, 26, Work and Travel Kanada: „Wenn man die Chance zu Work and Travel hat, soll man sie auf jeden Fall wahrnehmen. Man macht so viele Erfahrungen und neue Erlebnisse und lernt jede Menge nette Leute kennen. Man muss einfach offen für Neues sein, dann klappt der Auslandsaufenthalt.“

 

Tom, 20, Work and Travel Neuseeland: „Man sollte sich nicht so viel Stress am Anfang machen oder Angst haben, keinen Job zu finden, weil es gibt dort diese Arbeitshostels und wenn man wirklich bereit ist, so jeden Job zu machen, dann findet man da eigentlich auch immer was.“

Skyline von Sydney (Foto: Caroline Becker)
Skyline von Sydney (Foto: Caroline Becker)

 

Caroline, 24, Work and Travel Australien: „Es ist cool mit Freunden zu reisen, aber ich habe auch viele kennengelernt, wodurch die Freundschaft dadurch kaputt gegangen ist. Und wenn man jetzt gerade keine Person hat, die mit einem reisen will, sollte man das ruhig einfach alleine machen, weil man auf dem Weg so viele Leute kennenlernt und sich definitiv nicht einsam fühlt.“

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.