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Aktuelles Frauenfrage - Kolumne Gesellschaftsleben

Menstruationstasse – Igitt, was ist das denn?

Das Wort klingt komisch, sie sehen komisch aus und wenn man überlegt, ein Hygieneprodukt für die Menstruation immer wieder zu verwenden klingt das auch erstmal ziemlich eklig. Eigentlich ist diese Erfindung aber ziemlich genial und sowohl gut für euch, als auch für die Umwelt – und euer Portemonnaie.

„Frauenfrage“, eine Kolumne von Louisa Albrecht

Im heutigen Artikel möchte ich euch nicht nur ein „bisschen“ was über Menstruationstassen erzählen und wie man sie benutzt, sondern euch auch zu drei besonderen Modellen etwas mehr erzählen. Da ich versuche, euch auch ein paar Tipps zu geben, ist das Ganze… etwas länger 🙂

Ganz unten findet ihr zudem eine Preisübersicht der Tassen.

Ein bisschen was vorab – Die Benutzung

Viele von euch kennen Menstruationstassen vermutlich nicht. Das sind becherförmige Behälter, zumeist aus medizinischem Silikon, die bis zu 10 Jahre lang wiederverwendbar sind. Sie werden vor der ersten Benutzung und ansonsten nach jeder Periode in heißem Wasser ausgekocht. (Man kann auch spezielle Reinigungstabletten verwenden oder sie in einem Reinigungsbecher in der Mikrowelle auskochen, wie man mag. Die Tabletten sollte man aber nicht ständig verwenden.) Je nach Stärke der Menstruation kann man eine Tasse 10-12 Stunden drin lassen. Wer also nicht zu denen gehört, die bluten wie ein IMG_8814abgestochenes Schwein, muss sie nur morgens und abends leeren, was sehr praktisch ist. Die Reinigungen zwischendurch bestehen aus: Tasse rausholen (bisschen pressen hilft), ins Klo auskippen, mit Wasser auswaschen bzw. mit Klopapier reinigen (oder speziellen Reinigungstüchern. Geht alles drei) und wieder rein. Das Einsetzen klappt meist nicht sofort beim ersten Mal. Ich persönlich bevorzuge eine hockende Position. Das ist für Vielbluter in öffentlichen Klos eventuell Anlass zum Probieren verschiedener Positionen, alle anderen müssen eh nur morgens und abends wechseln und da hat man dann ja doch meist die Gelegenheit, in ein privates Bad zu gehen.

Man muss die Tassen falten, das geht z.B. so: folgt diesem Link. Am besten checkt man dann mit einem Finger nochmal, ob der Muttermund auch über / in der Tasse ist (je nachdem, wie viel Platz ihr in euch habt) und fertig seid ihr auch schon. Wenn ihr eine für euren Beckenboden ausreichend starke Tasse habt, könnt ihr damit alles machen. Schwimmen, Sport, Alltag… alles. Ich kenne Leute, die gehen damit reiten. Wenn ihr so etwas wie Beinpressen im Fitnesstudio macht, ist es echt wichtig, die richtige Tasse zu haben. Glaubt mir^^. Aber im Prinzip sind die Tassen unkompliziert. Ja, wenn ihr die Tasse aus gefühlt einem Meter Höhe im Klo auskippt sieht es etwas Schlachtfeld-mäßig aus. Geht ihr etwas kontrollierter vor, passiert das eigentlich nicht.

Meine Meluna in einem offensichtlich nicht mit Wasser gefüllten Kochtopf - der sicherste weg, die Tasse zu desinfizieren :)
Meine Meluna in einem offensichtlich nicht mit Wasser gefüllten Kochtopf – der sicherste Weg, die Tasse zu desinfizieren 🙂

Was ich an den Tassen so mag: man kann auch gut mit ihnen auf Klo gehen. Bei Tampons hatte ich immer Angst, die gleich im Klo zu sehen. Eine gute Tasse rutscht vielleicht ein wenig nach unten, wenn ihr fest presst, aber das ist leicht zu korrigieren. Und sonst merkt ihr eigentlich nicht, dass sie drin ist. Es gibt allerdings Tassen und Positionen, die leicht die Harnröhre einquetschen, das ist dann nicht der Idealfall.

Außerdem sind die Tassen viel gesünder für euch als Tampons oder Binden, weil sie frei von Chemie sind. Sie werden weder eure Schleimhäute austrocknen, euch durch Fädchen im Schwimmbad „blamieren“, sich beim Duschen vollsaugen, noch viel Müll produzieren. Die meisten Tassen sind in Pappkartons verpackt und werden zwischen den Perioden in mitgelieferten Baumwollsäckchen aufbewahrt. Denkt an den Badezimmermülleimer während eurer letzten Periode und stellt euch jetzt vor, dieser Müll entsteht einfach nicht. Über Jahre und Jahrzehnte!

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So sieht eine Tasse „von oben“ aus. Die meisten Tassen fassen zwischen 20-30ml. Das sind 2-3x so viel wie 1 Tampon theoretisch aufsaugen kann. Wenn er nicht noch eure Schleimhautflüssigkeit mit aufsaugen würde…

Es gibt außerdem noch weitere Bonuspunkte. Inzwischen finde ich meine Menstruation viel weniger eklig, was definitiv an der Tasse liegt. Man kriegt zwar weniger davon mit (sofern man gerade nicht mit den Krämpfen des Todes kotzend über´m Klo hängt), aber trotzdem fällt es (mir) leichter, sie als natürlich und nicht versteckwürdig anzusehen.

Oh, und noch ein Tipp, wenn ihr morgens aufsteht: Habt ihr schon mal drüber nachgedacht, dass ihr beim aufstehen euren Beckenboden anspannt? Nein? Ich auch nicht. Bis ich es merkte. Es hilft, erst mal eine Sekunde liegen zu bleiben, damit die Muskeln wach werden und dann nicht „gerade“ (aufrecht hinsetzen) aufzustehen, sondern sich so ein wenig über die Seite zu rollen. Klingt komisch, ist an den starken Tagen aber womöglich euer Laken wert.

Wie ich zu meiner Tasse kam

Ich muss etwa sechzehn gewesen sein, als ich auf Facebook das erste Mal was von Menstruationstassen las. Allein der Begriff klang für mich so abseitig, dass ich beschloss, dem nie wieder Beachtung zu schenken.
Meine erste freiwillige intensivere Auseinandersetzung mit dem Thema Periode an und für sich fand durch das Buch Freiheit von der Pille statt, in dem ich gutes Lesefutter für diese Kolumne sah.
Ein paar Wochen später setzte ich die Pille ab und irgendwo war der Begriff Menstruationstasse auch mal gefallen. Wie genau es weiterging, weiß ich gar nicht mehr so recht, nur dass ich eine Meluna im Rossmann kaufte  und einer entsprechenden Facebook-Gruppe beitrat. Ich hatte im Laden damals die Tasse gegooglt und war nur auf die Lunette gestoßen. Da das ähnlich klang, dachte ich, es wär dieselbe, mit einem anderen Namen. Weit gefehlt! Seid also vorsichtig mit den Namen. Meluna, Lunette, Mooncup, Merula, Monthlycup, … klingt alles ähnlich, sind aber völlig verschiedene Tassen. So Namen wie Yuuki oder Ziggi Cup sind da schon eindeutiger.
Dort erfuhr ich erstmal, dass ich etwas Schreckliches getan hatte. Eine Tasse ohne Beratung kaufen! Davon würde ich euch tatsächlich abraten, wenn ihr euch noch nie mit der Höhe eures Muttermundes und der Stärke eures Beckenbodens beschäftigt habt. Solltet ihr so wie ich noch nie schwanger gewesen sein, ist das gar nicht so unwahrscheinlich.

Die Tassenmodelle

Es kam dann, wie es kommen musste: Die einfach-so-gekaufte Meluna war für mich zu weich und saß auch nicht so richtig gut. Die Meluna besteht zudem als eine der ganz wenigen Tassen nicht aus medizinischem Silikon, sondern aus TPE, also thermoplastischen Elastomeren, sie verformt sich durch Wärme… gut dass, es in einer Scheide nicht warm ist und so, ne?
Auf der Seite tassenfinder.de machte ich irgendwann mal einen Test, welche Tasse denn die richtige sei (unter anderem Feecup) und ich nahm an einer Testexemplar-Verlosung von Ladyways teil und bekam eine Lilycup One.

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Den Lilycup kriegt man ziemlich klein gefaltet. Die Dose hat einen Durchmesser von 4.5cm und ist 1.5cm hoch
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Meine Lilycup One – ohne Griff

Die ist absolut genial: Sie ist 1. Aus medizinischen Silikon und hat dementsprechend eine sehr weiche Oberfläche 2. Sie ist FALTABR! Das ist wohl die coolste Funktion überhaupt! Damit ist sie in einer kleinen (PLASTIK)-Dose transportierbar und nimmt nicht mehr Platz weg, als ein Handspiegel. Am Rand oben wird sie durch zwei etwas stärkere Ringe gestützt. Dass sie faltbar ist, macht das Einsetzen natürlich etwas kniffeliger, weil sie sich auch „innen drin“ zusammenfalten kann. Das lernt man

aber ganz schnell, wie man das vermeidet. Sofern man die richtige Beckenbodenstärke und Muttermundhöhe für den Lilycup hat (lasst euch beraten!) würde ich die definitiv empfehlen, weil sie einfach mega praktisch ist und angenehm sitzt. Den Griff musste ich allerdings abschneiden  An dieser Stelle ein kleiner Tipp: Feilt die Stelle danach sehr gründlich ab!
Meine dritte Tasse, die ich bekommen sollte, war eine Fee2. Feecup spuckte der Tassenfinder für mich damals aus und da ich es von meinem Buchblog gewöhnt bin, leicht an Dinge als Rezensionsexemplar zu kommen, probierte ich auch hier mein Glück und bekam vom deutschen Hersteller Feecup eine Zusage. Mir wurde die Fee2 in der Größe1 aber in der Sportvariante zugeschickt (klingt verwirrender, als es ist).

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Meine Feecup 2 Sport, mit Stil und Griffkugel

Die Fee 2 ist ganz neu auf dem Markt und wird sogar komplett in Deutschland mit deutschem Silikon hergestellt. Die Fee2 ist also auch gut für die Umwelt, weil so die Transportwege gering sind. Die Fee gibt es, genau wie die anderen beiden Tassen in unterschiedlichen Größen und Härten. Ich kann euch allerdings nur von meiner Erfahrung von der Größe 1 in der Sportvariante ausgehend berichten.
Genau wie der Lilycup hat die Fee2 eine wahnsinnig weiche Oberfläche. Sie hat einen ziemlich langen Griff und eine Griffkugel, von beidem musste ich mich aus Platzgründen aber verabschieden, was schade ist, weil sie mega praktisch sind. Die Fee2 ist erstmal ungewohnt fest und auch nicht ganz so leicht zu falten, wie der recht weiche Lilycup, der eigentlich nur am Rand wirklich fest ist. Allerdings fasst die Fee2 eine Menge Flüssigkeit, ist stabil und bei richtig gewählter Größe, ebenfalls, nicht zu spüren. Den Feecup hab ich jetzt zwar noch nicht so oft getestet, wie den Lilycup, trotzdem kann ich bisher nicht meckern. Da der Fee2 insgesamt stabiler ist als der Lilycup werde ich ihn wohl besonders an meinen sportlichen Tagen verwenden.

 

Fazit?

Erst einmal herzlichen Glückwunsch, dass du bis hier unten durchgehalten hast!
Ich muss ehrlich sagen, dass ich Menstruationstassen inzwischen richtig cool finde. Es ist zwar am Anfang etwas gewöhnungsbedürftig und nicht ganz billig in der Anschaffung außerdem muss man die korrekte Handhabung erst mal ein wenig lernen. Wer zudem nicht alleine lebt, muss Wege finden, die anderen Mitbewohner an das monatliche auskochen der Tasse in einem Topf zu gewöhnen (ich hab mir einen eigenen Topf dafür gekauft. Mein Vater fand die Idee am Anfang mega eklig, der Rest der Familie beäugt es noch kritisch).
Aber: Insgesamt machen die Menstruationstassen diese doch irgendwie nervige Zeit im Monat definitiv erträglicher, weil ich nicht alle 2-3 Stunden irgendetwas wechseln muss, morgens nicht mehr Angst haben muss, in einer Blutlache im ruinierten Laken aufzuwachen und nicht dran denken muss, ob ich genug Tampons oder Binden habe. Und überlegt mal, wie viel Geld ihr euch auf Dauer damit sparen könnt!

Meluna, inzwischen in vielen Drogeriemärkten zu finden: https://www.rossmann.de/produkte/me-luna/menstruationstasse-groesse-s/9120044181747.html 15,99€

Lilycup One, bisher nur online erhältlich, z.B. bei Ladyways: https://ladyways.de/produkt/lilycup-one/ Diese Tasse wurde mir freundlicherweise von ladyways zur Verfügung gestellt.

Fee2 Härte 1 : 27,99€ – https://www.fee-shop.de/onlineshop/menstruationstasse-fee2-sport-groesse-1/ Diese Tasse wurde mir freundlicherweise von Feecup zur Verfügung gestellt.

Tassenfinder.de, der kostenlose Test, welche Tasse zu euch passt: http://tassenfinder.de/

Hier erfahrt ihr übrigens auch, was für Kriterien wichtig sind, um die richtige Tasse zu finden. Es bietet aber eigentlich auch jeder Hersteller eine Beratung an.

6 thoughts on “Menstruationstasse – Igitt, was ist das denn?

  1. Hi, danke für die Infos. Wie verhält es sich mit dem Harndrang, muss man oft aufs Klo? Habe das Problem mit dem Nuvaring und bei Tampons auch manchmal. LG

    1. Hallo 🙂
      Das ist sehr unterschiedlich, denke ich.
      Mir persönlich passiert das zum Glück eigentlich nicht – ausser die Tasse sitzt nicht richtig.
      Alles Positive an der Menstruationstasse setzt die richtige Tasse und den richtigen Sitz voraus.
      Passieren kann das mit dem Harndrang. Manchmal hat man evtl. auch das Problem, dass man das Gefühl hat, man könnte nicht so „frei“ pinkeln kann wie sonst, also die Harnröhre leicht zugedrückt wird.
      Wie stark das auftreten kann, hängt von jedem einzelnen ab.
      Ich hoffe, das hilft dir?

    1. Vielen Dank nochmal für euren Support Thabea und die engelsgleiche Geduld mir das mit den ganzen Größen korrekt zu erklären 😉
      LG Louisa

  2. Wie machst du oder würdest du es mit dem auskochen im Topf handhaben, wenn du in einer WG lebst? Einen eigenen kleinen Topf anschaffen für die Tasse? Schließlich benutzen die Töpfe auch die Mitbewohner*innen. Auf jeden Fall würde ich es auskochen wenn die anderen nicht da sind 😀

    1. Die Frage musste ich mir natürlich auch stellen. Hier, zu Hause, hab ich dafür einen seperaten Topf. Es gibt aber auch Reinigungstabletten, mit denen man Menstruationstassen reinigen kann. Da die recht chlorhaltig sind, sollte man das nicht ständig machen, für die 3-4 Mal in der Schweiz werde ich es aber so machen, um eben keine Reiberein deswegen zu provozieren. Die Tabletten sind auch für Leute unterwegs (Camping etc. pp.) praktisch. Das sollte man bloß nicht ständig machen.
      LG Louisa

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