pexels-photo-936062
Aktuelles Frauenfrage - Kolumne Gesellschaftsleben

Menspreading vs. Handtasche auf dem Sitz

Jedes Thema hat zwei Seiten, so auch geschlechterspezifisches nerviges Verhalten. Und vor kurzem hat mich ein Student auf ein weibliches hingewiesen: Die Handtasche auf dem Sitz in öffentlichen Verkehrsmitteln.

„Frauenfrage“, eine Kolumne von Louisa Albrecht

Beiträge über die Lästigkeit und Unangemessenheit von sogenanntem menspreading kennen wir wohl alle. Menspreading bezeichnet das oft zu beobachtende weite auseinander hinstellen der männlichen Beine im Sitzen. Nicht immer wird dabei Rücksicht auf etwaige andere Fahrgäste genommen und diese so in ihrer Komfortzone bedrängt und eingeschränkt.

An Halloween hat es sich jedoch ergeben, dass ich mit zwei jungen Männern (von denen nur einer nüchtern genug für vernünftige Argumente war) über männliches negatives Verhalten geredet habe und dabei meinte einer, dass es doch ausgesprochen nervig sei, wie viele Frauen ihre Handtaschen auf den Sitz neben sich stellen. Das ist an und für sich ja kein Problem, etliche würden die Handtasche jedoch nicht einmal dann wegnehmen, wenn sie darum gebeten werden, beispielsweise weil es voll ist.

Ich gebe zu: Mein Rucksack, meine Handtasche, was auch immer befindet sich, sofern Platz ist auch neben mir, der Bus- und Bahnboden ist gerade im Winter eigentlich nichts, womit mensch in irgendeiner Weise in Kontakt kommen wollen würde. Halte ich den Platz frei (weil jemand später noch dazu steigt, mit dem ich mich treffe), dann versuche ich auch, das durchzusetzen, in allen anderen Fällen räume ich jedoch den Platz – sofern man mich fragt.
Und das ist vielleicht ein Problem.
Eine Freundin von mir ist so höflich, dass sie nicht einmal dann ein wenig auf der Rolltreppe drängeln würde, wenn sie ihren Zug aufgrund der im Weg stehenden Leute verpassen wird. Höflichkeit ist eine Tugend, manchmal auch ein Hemmnis. Wenn irgendwo eine Tasche steht, muss man erst darum bitten, Platz gemacht zu bekommen. Da ist es zuweilen einfacher (sei es aus Faulheit, Schüchternheit oder was auch immer heraus), stehen zu bleiben.

So oder so nehmen die Taschen Platz weg und signalisieren: Hier bin ich. Jeder andere Mensch muss in der Konsequenz erst um „Erlaubnis“ fragen.

Ob das jetzt mit menspreading vergleichbar ist? Ich denke schon. Ich habe zwar noch nie einen Mann gebeten, seine Beine weniger weit auszubreiten, weil ich mir dann eher einen anderen Platz suche, aber genau das ist meiner Meinung nach ja der Punkt. Natürlich nimmt man nicht unveränderlich den Platz von/für andere weg. Aber vorerst eben schon.

Was denkt ihr darüber?

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.