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Aktuelles Alltag Frauenfrage - Kolumne Gesellschaft

Mehr Toleranz führt zur Verfestigung der Genderstereotypen

Ist es euch nicht auch schon aufgefallen? Seit gendercorrectness, die Offenheit gegenüber allen Geschlechtern und ähnlichen Aspekten der Geschlechterzugehörigkeit, ob biologisch oder gefühlt, immer stärker thematisiert werden, scheinen sich die geschlechterspezifischen Klischees immer weiter zu verfestigen.

„Frauenfrage“, eine Kolumne von Louisa Albrecht

Vielleicht ist das ja nur so ein Gefühl, doch es scheint mir, als ob es immer weniger Entrinnen aus den Schienen „stark, blau, männlich“ und „süß, rosa, weiblich“ gibt.
Auf der einen Seite wird für mehr Offenheit und Toleranz geworben, ein Kleiderhaus im Vereinigten Königreich hat sogar die Kategorie „boys“ and „girls“ abgeschafft und es gibt jetzt nur noch „girls&boys“. So ganz ohne Bezeichnung geht es da zwar noch nicht, aber jedes Kind soll alles anziehen (können).
So weit, so gut.
Auf der anderen Seite scheint es  eine starke Fixierung auf geschlechterspezifische Unterschiede zu geben und mehr Sexismus (der in beide Richtungen geht!) als je zu vor.
Was läuft da bitte falsch?
Eine Umstellung im Denken erfolgt nicht von heut´ auf morgen. Überraschung.
Jene, die nicht so viel mit * und unisex und offensein für alles anfangen können, besinnen sich immer mehr auf die traditionellen Geschlechterrollen. Ebenso die Kaufhäuser, die erkannt haben, dass sie ihre Kleidung und Spielsachen nur dann doppelt verkaufen können, wenn es pinke Puppen und blaue Autos gibt. (Welches Mädchen würde schließlich mit blauen Autos spielen und umgekehrt?) Für die BILD ist es sogar ein Zeichen von Vernachlässigung, wenn Kinder in Kleidern herumlaufen, die „nicht für ihr Geschlecht gedacht ist“. Doch muss das so sein?
Muss es so extrem werden?
Müssen die einen die komplette Abschaffung und die anderen die Verschärfung des altbekannten fordern?
Ich persönlich finde es wichtig, dass Kinder und auch Erwachsene anziehen können, was sie wollen und sich verhalten können, wie sie wollen (im Rahmen des Angemessenen).
Es gibt Unterschiede zwischen den Geschlechtern, die man nicht wegdiskutieren kann. Aber ob man diese unbedingt an Kleidung und Farbe aufhängen muss, bezweifle ich.
Männer und Frauen sind unterschiedlich, ja. Vielleicht mögen die einen auch mehr das und die anderen mehr das. Aber jede/r sollte die Freiheit haben, sich seine Farben selber auszusuchen.
Das Geschlecht eines Menschen wird ihn zwangsläufig im späteren Leben beeinflussen.
Viel wichtiger als das Geschlecht eines Menschen sollte jedoch der Charakter sein.
Ich hoffe, dass es bald wieder aufhört. Dass die einen aufhören, die Grenzen unbedingt niederreißen zu wollen und die anderen damit aufhören, diese weiter zu verstärken.
Ich hoffe, dass sich die Forderung nach Freiheit nicht mehr selber den Weg verbaut und dass ihr aber trotz allem die Möglichkeit zur Entfaltung gegeben wird.

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