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Muss man in Zeiten von #timesup und #metoo zur Feministin werden? Und wenn ja, was kann das eigentlich alles einschließen? Gerade die Darstellungen von Frauen in Filmen zeigt noch einige Defizite in der Gleichstellung auf. Doch es gibt Hoffnung oder?!

von Christina

Bin ich Feministin?

Ich hätte mich noch bis vor kurzer Zeit nicht als Feministin bezeichnet. Mit diesem Wort habe ich bis dato immer schrullige, männerhassende Emanzen verbunden, die ihre ganze Energie auf ein Thema verwenden, dass sich schon mit der Zeit von alleine regeln wird. Schließlich habe ich mich lange nicht schlechter gestellt gesehen, als meine männlichen Mitschüler oder Kommilitonen. Und tatsächlich ist es ja auch so, dass sich in Sachen (beruflicher) Chancengleichheit in den letzen Jahrzehnten einiges getan hat. Es ist in einfacher geworden sich als Frau für den Beruf zu entscheiden, den man auch ausüben möchte und flexiblere Lebensmodelle sind möglich geworden. Das ist toll und ich fühle mich inspiriert durch viele weibliche Vorbilder, die beweisen, dass sich Männer und Frauen zwar durch ihr Geschlecht unterscheiden, nicht aber durch einen daran gebundenen und vorbestimmten Lebensweg.

Feminismus heißt Gleichberechtigung

Trotzdem muss ich zur Feministin werden, denn Feminismus meint doch einfach nur Gleichberechtigung. Und ich finde in einem Punkt sind Frauen und Männer beinahe so weit von Gleichberechtigung entfernt, wie noch vor 20 Jahren. Mit diesem Punkt meine ich die äußerliche Erscheinung und wie wir uns als Frau mit unserer jeweiligen fühlen, bewerten lassen und selbst bewerten. Frauen wird (immer noch) weniger „Unperfektion“ und „Hässlichkeit“ zugestanden als Männern. Äußerliche Erscheinung beziehe ich hier sowohl auf das körperliche Aussehen, als auch auf die „soziale Repräsentation“ im Alltag und in den (sozialen) Medien. Wie sehen wir aus, wie unsere Wohnungen und unsere Bilder von all dem auf Instagram. Natürlich sind auch Männer hier nicht frei von Bewertungen und übertriebenen Schönheits- und „Lebensformidealen“ dennoch werden ihnen hier viel mehr Grenzüberschreitungen erlaubt als Frauen. 

Raus aus der Traumfabrik, rein in die Realität

Diese Tatsache wird vor allem durch die Medien bestärkt. Während Männer in Film und Fernsehen nicht immer durch erstklassiges Aussehen glänzen müssen und auch der Bad Boy, der Versagertyp, in die Rolle des Frauenschwarms geraten kann, werden Frauen noch viel zu oft in perfekt gestylte Stereotype gedrängt. Und wenn sie nicht wunderschön und sexy sind, dann werden sie schnell als männlich charakterisiert oder benötigen ein Umstyling um mit den attraktiveren Kolleginnen mithalten zu können. Hier fehlt es mir eindeutig an TV-Heldinnen, die die Realität so abbilden wie sie ist. Frauen, die ungeschminkt und in Jogginghose rausgehen, rülpsen und auch mal glorreich scheitern und sich selbst überschätzen. 

Zum Glück gibt es Frauen wie Lena Dunham und Greta Gerwig, die eben solche unperfekten weiblichen Figuren auf die Leinwand bringen. Lena Dunham hat mit ihrer Serie „GIRLS„, die von 2012-2017 auf dem amerikanischen Sender HBO ausgestrahlt wurde, vier weiblichen Hauptfiguren einen Raum geschaffen, in dem diese ungestört unperfekt und anstrengend sein können. Natürlich wird auch hier häufig stark übertrieben, doch genau das stellt auch den großen Reiz der Serie dar. Obwohl Hannah, Jessa und Co. sehr überzeichnet sind, schaffen sie es doch, viele der Zuschauerinnen an sich selbst zu erinnern und eine Art weibliche Solidarität auszulösen. Ja es ist ok, wenn nicht immer alles glatt läuft, man noch keine Bilderbuchkarriere hingelegt hat oder beim Sex nicht immer unglaublich sexy auszusehen. Es ist wichtig, dass Frauen und Mädchen sehen, dass diese Punkte vor allem eins sind – NORMAL. In meinen Augen bedeutet normal sein nämlich, dass es eben ganz gewöhnlich ist auf seine Weise anders zu sein als die anderen. 

Auch Greta Gerwig verkörpert meist diese Art von Frau, die auf eine gewisse Weise besonders ist: überdreht, naiv, unabhängig und auf ihre eigene Art schön. Dies gelingt ihr sehr gut im Film „Mistress America“ (USA 2015) von Regisseur Noah Baumbach bei dem Gerwig auch Co-Autorin war. Im Film treffen die schüchterne Studentin Tracy (Lola Kirke) und die New Yorker Lebenskünstlerin Brooke (Greta Gerwig) aufeinander, die, obwohl sie auf den ersten Blick unterschiedlicher nicht sein könnten, auf sehr gegensätzliche Weise Eigenschaften, wie die eigene Unsicherheit, Egozentrismus und Bewunderung füreinander, teilen. 

Wenn ich hier von besonderen Frauen spreche, meine ich damit nicht, dass es in der realen Welt nur wenige solcher Frauen gibt, sondern, dass sie in Filmen zu selten so dargestellt werden. Das ist schade, denn in meinen Augen hinterlassen sie beim Zuschauer ein positives, ja motivierendes Gefühl. Und so wird Brooke, Greta Gerwigs Rolle in Mistress America, als eine Frau beschrieben, die auf eine Art schön ist, die bewirkt, dass man nicht aussehen will wie sie, sondern mehr wie man selbst werden möchte.

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