Bild von Marsha P. Johnson mit Blumen in den Haaren, lächelt in die Kamera
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Marsha P. Johnson: Die vergessene Aktivistin

51 Jahre Stonewall – so lange sind die ursprünglichen Kämpfe der gay liberation Bewegung in den USA her. Dabei oft vergessen werden Aktivistinnen wie Marsha P. Johnson, die lange Zeit aus der Geschichtsschreibung ihrer eigenen community gestrichen wurden. Ein Rückblick auf die Geschichte anlässlich des #pridemonth 

von Lisa Pauli

In den frühen Morgenstunden des 28. Juni 1969 kam es im Stonewall Inn erstmals zu einem Kampf mit der Polizei, auf den tagelange Proteste folgten: die gay liberation front entstand. Der Tod der amerikanischen Schauspielerin Judy Garland wird von vielen als Auslöser der Proteste bezeichnet. Die Schauspielerin, die für viele lgbtq+ Menschen damals eine Ikone war, starb plötzlich im Juni 1969, am 27. Juni fand ihre Beerdigung statt. Die Stimmung im Stonewall Inn war niedergeschlagen. Die Polizei kam an diesem Abend wie so oft in die Kneipe, mit dem Ziel als Männer gelesene Menschen die weibliche Kleidung trugen festzunehmen.

Foto von Diana Davies Das Stonewall Inn in der Christopher Street in New York
Foto von Diana Davies
Das Stonewall Inn in der Christopher Street in New York

Die Aufstände

Zuvor war man zu sehr verängstigt, um sich zu wehren. Das änderte sich schließlich in dieser Nacht, denn die Gäste fingen an, die Polizei mit Shotgläsern und Steinen zu bewerfen, man hatte die Unterdrückung satt. Ein gewaltsamer Protest musste her.

Beteiligt war auch die Drag Queen und trans Frau Marsha P. Johnson. Wenn man sie fragte, wofür denn das P. in ihrem Namen stand, dann antwortete sie lediglich „pay it no mind“ (dt. in etwa „das geht dich nichts an“). In den 60er Jahren und bis zu ihrem Tod in den 90ern war sie für viele lgbtq+ Menschen in New York eine Ikone, da sie sich für alle anderen lgbtq+ Menschen einsetzte, obwohl sie selber oft obdachlos und arm war. 

Manche Augenzeug*innen des Abends im Stonewall Inn behaupten, dass Marsha sogar die erste gewesen ist, die ein Shotglas oder einen Ziegel auf die Polizisten geworfen hat, andere behaupten sie wäre erst später dazu gekommen und die erste Person, die sich gewehrt hat, wäre Dragking Stormé DeLarverie gewesen. Beteiligt war Marsha aber in jedem Fall. 

 

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Foto von Ronê Ferreira Das Vermächtnis der gay liberation front: heute CSD oder pride parades

Marshas Vermächtnis

Die Proteste im Stonewall Inn werden seit 1970 jedes Jahr im Juni mit Pride parades bzw Christopher Street Day (benannt nach der Christopher Street in New York, in der das Stonewall Inn liegt) gewürdigt. Heutzutage erinnern diese in den wenigsten Fällen noch an die eigentlichen Proteste der 60er und 70er Jahre und haben sich eher zu einer Party entwickelt. Deshalb ist es wichtig, sich immer bewusst zu machen, welche Kämpfe das Erlangen der Rechte für lgbtq+ Menschen brauchte. Besonders, da bestimmte Gruppen innerhalb der lgbtq+ Community auch heute noch nicht gleichberechtigt sind, so vor allem trans Personen. In Deutschland ist die Namens- und Personenstandsänderung für trans Menschen nach wie vor ein langwieriger und kostenintensiver Prozess, der bei den Betroffenen oft bleibende Traumata hinterlässt, da sie immer wieder und wieder zu den persönlichsten Dingen ausgefragt werden, um zu beweisen, dass sie trans sind. 

Transmysoginie und Transphobie sind auch innerhalb der lgbtq+ community noch ein großes Problem. Marsha P. Johnson und andere trans Personen wie z. B. Sylvia Rivera sind die vergessenen Aktivistinnen der Stonewall riots. Sie werden aus der Geschichtsschreibung ihrer eignen Community gestrichen. Rechte für homosexuelle gibt es dank der Arbeit vieler (schwarzer) trans Frauen wie Marsha, die dafür nie gewürdigt wurden. Sylvia Rivera wurde bei ihrer Rede bei der Pride Parade 1973 vom Publikum ausgebuht und ausgestoßen. Ähnliche Geschichten können viele trans Personen erzählen, die nicht in das stereotype Bild des weißen cis homosexuellen Mannes Passen, den man mit der gay liberation assoziiert.

Deshalb ist es heute wichtig, die Arbeit von Sylvia und Marsha und so vielen anderen vergessenen Aktivist*innen zu würdigen und an sie zu erinnern. Manchmal können nur gewaltsame Proteste Veränderung und Verbesserung erwirken.

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