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Aktuelles Frauenfrage - Kolumne

Männer als (medizinische) Norm sind tödlich für Frauen

In medizinischen Studien soll ermittelt werden, wie Krankheiten aussehen, verlaufen und behandelt werden können. Wie hoch muss die Dosierung sein? Doch allzu oft sind Frauen in solchen Studien unterrepräsentiert – mit fatalen Folgen.

„Frauenfrage“, eine Kolumne von Louisa Albrecht

Das erste Mal, dass ich darauf aufmerksam wurde, dass Frauen offenbar unterrepräsentiert in medizinischen Forschungsstudien sind, war im Zusammenhang mit Herzinfarkten. Wir alle kennen die Bilder aus Filmen, wie sich Männer schmerzerfüllt an die Brust greifen und auf den Boden fallen, sinken oder ähnliches. Die Warnzeichen? Zum Beispiel Schmerz in der Brust und/ oder im linken Arm, womöglich bis in den Hals. Doch bei Frauen? Eher Enge- oder Druckgefühle, Oberbauch-, Rücken-, Nacken-, Kiefer- oder Halsschmerzen, Erschöpfungsgefühle und Übelkeit.

Doch Herzinfarkte sind nur ein Beispiel von vielen. Denn das Problem fängt schon bei der medizinischen Forschung an, in der Frauen massiv unterrepräsentiert sind. Ich stieß irgendwann sogar auf den Hinweis, jede Zelle in unserem Körper habe ein Geschlecht… Dementsprechend macht es einen sehr großen Unterschied aus, was unser (biologisches) ist. Doch oft genug wird in Studien das Geschlecht von den Proband*innen nicht angegeben, sowohl bei Menschen- als auch Tierversuchen.

Das betrifft nicht nur Studien zu Herzerkrankungen, sondern auch beispielsweise Depressionen. Wie kann es sein, dass bei Studien zu Krankheiten, die Frauen erwiesenermaßen häufiger betreffen, nicht mal die Hälfte der Versuchspersonen Frauen sind? Ein weiteres Beispiel- Alzheimer. Lange wurde davon ausgegangen, dass Frauen eher davon betroffen sind, weil sie schlichtweg länger leben.  Das ist aber nicht alles. Die Hormonveränderungen während der Menopause spielen ebenfalls eine wichtige Rolle bei der Erkrankung. Ohne Miteinbeziehen des Geschlechts kann das jedoch nicht entdeckt werden.

Dadurch, dass die Studien nicht paritätisch und mit Blick aufs Geschlecht durchgeführt werden, bleiben nicht nur Krankheiten unerkannt. Sie werden auch falsch behandelt oder die Medikamente für Frauen nach Männerstandards eingestellt. Und so ungerne ich das an dieser Stelle sage: Es gibt biologische Unterschiede zwischen Männern und Frauen. Die meisten Männer sind im Durchschnitt größer und schwerer als Frauen- und brauchen dementsprechend höhere Dosen. Die Folgen davon sind wohl klar. Ansonsten empfehle ich euch diesen TED-Talk.

Aber falls ihr euch jetzt denkt: Puh! Das ist ja mal eine heftige Erkenntnis- es gab bereits in den 1990ern die Entdeckung, dass die Unterrepräsentation von Frauen in der medizinischen Forschung ein Problem ist. So gab es schon Anfang der 90er Studien, die auf den systematischen Ausschluss von Frauen aus der Forschung hinwiesen und das deswegen Krankheiten im Vergleich weniger oft korrekt diagnostiziert werden, wie bei Männern.  Komisch… verlaufen Krankheiten etwa bei Frauen anders? Sind sie etwa nicht einfach kleingeratene Männer mit Bürsten? Nein. Aber die Festsetzung von Männern als Norm ist (und beibt) ein Problem, auch im medizinischen Bereich.

PS: Wenn die behandelnde Person eine Frau ist, wird übrigens der Infarkt bei Frauen häufiger erkannt… was sagt uns das? 😉

 

 

Fun Fact: Bei der Bilderssuche nach Herzinfarkt waren quasi nur Männer abgebildet…

 

 

 

Das Bild stammt  von Pixabay

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