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Aktuelles Alltag Frauenfrage - Kolumne Gesellschaft

Like a Girl- wann wurde es etwas Schlechtes, ein Mädchen zu sein?

Wann wurde der Ausdruck „wie ein Mädchen“ zur Beleidigung und wie wird dieses Thema in der Werbung behandelt?

„Frauenfrage“ – eine Kolumne von Louisa Albrecht

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Mädchen tragen rosa und spielen mit Puppen, Frauen laufen in High Heels umher, auch wenn sie putzen. Jungs wälzen sich im Schlamm, Männer machen Karriere.
So sehen typische Rollenbilder in der Werbung aus. Vor allem Dove aber auch Always haben jedoch inzwischen andere Bilder gezeichnet und die Frage aufgeworfen, wieso es etwas Schlechtes ist, ein Mädchen zu sein.
Viele kennen sicherlich die Like A Girl Kampagne von Always, doch wer sie noch nicht kennt, dem möchte ich sie im heutigen Beitrag etwas näher bringen.

 Mädchen im Sport

Eines der Hauptthemen der Kampagne ist Sport. Always schreibt, dass viele Mädchen mit dem Beginn der Pubertät ihre Sportart oftmals aufgeben und möchte sie dazu bringen, weiter zu machen. Mädchen laufen nicht unbedingt mit schlackernden Händen und werfen nur zwei Meter weit, nur weil sie Mädchen sind!
Genauso wie Jungen können wir sportlich sein und selbstbewusst sein, auch in Sportarten, die „untypisch für Mädchen“ sind.

Im Alter von 7 bis 8 und später nochmal von 10 bis 13  bin ich geritten. Jungs? Eine absolute Seltenheit!
Von 12-17 habetaekwondo ich dann Taekwondo gemacht und dort war ich als Mädchen mit 15+ ziemlich allein, jedenfalls in Hobbyvereinen. In Leistungssportvereinen ist die Situation nicht ganz so extrem, dennoch betreiben gefühlt mehr Jungen als Mädchen Kampfsportarten. Es gab zwar von Außenstehenden nie Kommentare dazu, dass ich als Mädchen Kampfsport betrieb, nichtsdestotrotz galt es als etwas peinlich, wenn ein Junge von einem Mädchen besiegt wurde, egal ob sie, und das war bei mir fast immer der Fall, einige Jahre älter war oder nicht.
Die erste verhältnismäßig geschlechterunspezifische Sportart, die ich kennen lernen durfte, war Fechten. Da ist es dann weniger eine Frage des Geschlechts, sondern mehr eine des Geldes, ob es einem möglich ist, diese Sportart zu betreiben. Nichtsdestotrotz ist es schön, endlich mal nicht nur unter Jungen oder nur unter Mädchen zu sein, sondern gemischt zu trainieren. Leider kriegen wir, Jungen und Mädchen gleichermaßen, auch im Fechten Sprüche zu hören, die die gesellschaftlichen Vorurteile gegenüber den jeweiligen Geschlechtern zeigen, aber immerhin trainieren wir, zumindest im Degen und Säbel, zusammen.
Ich persönlich finde es sehr wichtig, dass Kinder mit dem jeweils anderen Geschlecht zusammen aufwachsen und Sport treiben, da ich darin nicht nur die Möglichkeit zur gegenseitigen Bereicherung sehe, sondern auch die der gegenseitigen Anpassung. Ich sage nicht, dass Mädchen und Jungen genau gleich sein sollen, aber sie sollten einander als gleichwertig respektieren.

Du bist voll das Mädchen!

Neben dem Thema Sport, wird in der Kampagne auch die Frage behandelt, wann es etwas Schlechtes wurde, ein Mädchen zu sein.
Die Mädchen, Frauen, der jüngere Bruder eines der Mädchen und ein Mann wurden aufgefordert, etwas „wie ein Mädchen“ zu machen und bei den älteren Mädchen, sowie den männlichen Teilnehmern sah es jedes Mal eher aus wie eine Parodie, als wie ein ernsthafter Versuch, etwas sportliches zu machen.
Die jüngeren Mädchen hingegen interpretierten es als „Mach es so gut wie du kannst!“ und gaben ihr Bestes. Sie liefen schnell und völlig „normal“ -eben ohne das Geschlacker etc. Ehrlich gesagt, kenne ich auch kein Mädchen, das wirklich so läuft, wie im Video gezeigt. Die Idee, es wäre so, ist jedoch trotzdem da.463837_261118240649501_74645041_o
Bereits in der Grundschule sagten Jungen, aber auch Mädchen, dass jemand etwas mache, wie ein Mädchen und es war niemals positiv gemeint.
Ich selber habe schon zu Leuten gesagt: Sei nicht so ein Mädchen. Warum? Hat es sich schon so stark in meine Sprache und mein Bewusstsein eingebrannt, dass das etwas Schlechtes ist, ein Mädchen zu sein?
Anscheinend ja. Und das ist nicht nur einfach traurig, sondern auch grundsätzlich falsch! Wie soll die Situation denn besser werden, wenn Mädchen und Frauen selber davon ausgehen, sie seien schlechter?
Ich bin kein großer Fan von diesem ständigen Suffix „–innen“, das überall angehängt wird, doch insgesamt sollten wir mehr auf unsere Sprache achten, um jedem und jeder gleichviel Respekt zu zollen, denn egal, ob jemand männlich, weiblich oder irgendetwas anderes ist: Kein Geschlecht ist besser oder gar mehr wert, als ein anderes!

One thought on “Like a Girl- wann wurde es etwas Schlechtes, ein Mädchen zu sein?

  1. Super Artikel!
    Mein Lieblingssatz: „Ich sage nicht, dass Mädchen und Jungen genau gleich sein sollen, aber sie sollten einander als gleichwertig respektieren.“
    Auch finde ich es schön, dass du appelierst, mehr auf die Sprache zu achten.
    Ähnliches Problem gibt es im Bereich der Homophobie, indem man bestimmte Dinge als „schwul“ bezeichnet.
    So beginnt ein Umdenken! Klasse!

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