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Let´s Talk: BAföG

Egal, wie die individuelle finanzielle Lage aussieht – viele Studenten gehen neben ihrem Studium arbeiten. Was für die einen nur ein zusätzliches Taschengeld ist, ist für die anderen die einzige finanzielle Stütze, ohne die ein Studium nicht möglich wäre. Hängt Bildung wirklich vom Geldbeutel der Eltern ab? Schließlich gibt es doch das gute alte BAföG! Aber die Vorstellung, dass jeder, der finanzielle Unterstützung braucht, auch einen Anspruch auf BAföG hat, ist leider eine weit hergeholte Illusion.

Real Talk mit Rahel Tekle

The same procedure as every year!

Bundesausbildungsförderungsgesetz – der lange Name gibt in etwa den ebenso langwidrigen wie auch anstrengenden Verlauf einer Antragsstellung wieder. Allein die Wartezeiten für die zeitlich begrenzten Sprechzeiten sind nervig, und die meist unhöfliche und gereizte „Beratung“, macht das Erlebnis auch nicht besser. Aber gut, das hält man aus – schließlich bittet man den Staat um Geld. Über die teilweise absurden Berechnungen, ob man einen Anspruch auf BAföG hat oder nicht, möchte ich nicht viel sagen. Aber dass das Gehalt der Geschwister, die teilweise an ganz anderen Orten und in ganz anderen Lebensituationen leben, mit verrechnet wird, ist schlicht unangemessen.

Nach zig ein- und nachgereichten Dokumenten, ist es dann soweit. Die Stunde der Wahrheit. Für manche ein enttäuschendes Erlebnis, springt doch am Ende kein oder nur ein läppischer Betrag von 25€ bei raus. Doch wer die Anforderungen erfüllt, kommt im Idealfall in den „Genuss“ des Höchstbetrages: Aktuell je nachdem, ob man noch bei den Eltern lebt oder nicht, liegt der bei 510€ bzw. 708€. Das klingt erstmal nach viel Geld, und ist natürlich eine Unterstützung! Aber in Zeiten, in denen die Mietpreise explodieren und die Lebenshaltungskosten steigen und steigen, reicht ein Höchstsatz von 708€ in den meisten Fällen schlichtweg nicht aus.

Wenn man nicht gerade das Glück hat einen der begehrten Plätze im Studentenwohnheim zu bekommen, heißt das für alle die nicht bei ihren Eltern wohnen – pendeln. Denn der Wohnungsmarkt ist (besonders in den Großstädten) hart umkämpft, und auf Studenten haben Vermieter entweder keine Lust oder wollen Bürgschaften sehen. Das ein Student, der auf BAföG angewiesen ist, vielleicht nicht mit einer Bürgschaft herhalten kann…nun ja, wie sagt man so schön: PP – Persönliches Pech!

Und so kann sich die Wohnungssuche über mehrere Monate ziehen. Die durchschnittlichen Mieten liegen allerdings bei durchschnittlich 400 bis 500 Euro warm. Mit einem Höchstsatz von 708€ nicht machbar, schließlich kommen Lebenhaltungskosten dazu, und je nach Studienfach auch teures Lernmaterial. Man ist also darauf angewiesen auf eine günstigere Wohnung zu warten – und die sind heiß begehrt.

Letztlich läuft es also auf wochen- bis monatelanges Pendeln zwischen dem Elternhaus und der Universität hinaus. Das kann am Tag, je nach Wohnort, einige Stunden rauben, Hin-und Rückfahrt kosten Zeit und Energie. Beides könnte man besser in sein Studium investieren. Dass eine soziale Anknüpfung an den neuen Studienort und die Kommilitonen so nur schwer möglich ist, versteht sich von selbst. Und das Lieblingswort eines jeden Pendlers ist natürlich das Wort: STREIK. Oh ja, wenn die Deutsche Bahn streikt, hat man einen ganz ganz tollen Tag vor sich. (Achtung, Ironie) Bei allem Verständnis für einen Bahnstreik – am Ende steht man trotzdem stundenlang am Bahnhof und wartet auf einen Zug, der doch noch fährt.

Juhuu, ein neuer Brief vom BAföG-Amt!

Hat man einmal den Anspruch auf BAföG kommt aber auch schnurstracks die nächste Hürde um die Ecke. Den Anspruch auch zu behalten. Denn so einen BAföG Antrag darf man jedes Jahr ausfüllen. Whoop, whoop! Außer natürlich man weiß schon im vorhinein, dass es zukünftig kein Geld mehr geben wird.

Wenn man:

  • Nach dem 3. Semester sein Fach wechseln möchte, muss man schon einen guten dafür Grund angeben, ansonsten – no money!
  • Nach dem 4. Semester sein Fach wechselt – Pech gehabt!
  • Man so dumm ist, dass man eine Klausur oder Hausarbeit in den Sand setzt (was sicher noch NIE jemandem passiert ist, so eine Matheklausur IST aber auch leicht)

Kurz gesagt, wer kein perfektes Studium durchläuft, der kriegt auch keine staatliche Unterstützung.

Augen auf bei der Studienwahl, liebe Abiturienten, die nach G8 SOFORT entscheiden müssen, was sie für den Rest ihres Lebens machen wollen und keine #richkids sind.

Fazit

Das Prinzip BAföG ist toll! Studierende finanziell unterstützen – super! Aber es geht zu sehr an der Realität vorbei. Es muss stärker berücksichtigt werden, in welcher Stadt man studiert. Mit 708€ wird man in einer Stadt wie München nicht weit kommen. Also ist man gezwungen nebenher zu arbeiten – dass das auch gut sein kann, werde ich in meinem nächsten Text diskutieren.

 

 

 

 

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