landtagswahl am muttertag
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Landtagswahlen am Muttertag – weil Männer wichtiger sind

Als ich hörte, dass am 14. Mai in NRW gewählt werden soll, war mein erster Gedanke: Das ist Muttertag, was soll das? Wieso geht das nicht eine Woche früher (wie in Schleswig-Holstein) oder eine Woche später? Da in NRW das Wählen an Feiertagen durchaus gestattet ist, kommt die Frage auf, warum wir nicht stattdessen am Vatertag wählen gehen.

„Frauenfrage“, eine Kolumne von Louisa Albrecht

Muttertag, Vatertag – was ist das?vatertag_im_artikel

Muttertag, stets der zweite Sonntag im Mai, ist meist ein unauffälliger Feiertag. Ursprünglich kommt er aus den USA, wo die Methodistin Anna Marie Jarvis Anfang des 20. Jahrhunderts ihrer verstorbenen Mutter gedenken wollte. Schnell verbreitet sich der Gedenk- und Feiertag auch in Europa und wurde mit der Zeit immer weiter kommerzialisiert.
Vatertag hingegen hat keinen solch herzlichen Hintergrund und wurde mehr oder weniger von Anfang an mit dem hohen Alkoholkonsum verbunden, der auch noch heute weit verbreitet ist. Prägend für Vatertag ist nicht nur die Gebundenheit an Christi Himmelfahrt, sondern auch die Massenveranstaltungen, die nicht selten zu Massenbesäufnissen und –Schlägereien ausarten.

Wahlverhalten

Laut Statistiken der FAZ und der Frankfurter Rundschau gehen mehr Männer als Frauen wählen, sie sind also die Hauptzielgruppe der meisten Parteien. (Ob das daran liegen könnte, dass Frauen in Deutschland erst seit 99 Jahren überhaupt wählen dürfen, sei mal dahingestellt.)
Zudem ist der Vatertag in dem Sinne „wichtiger“. Mehr Alkohol, mehr generelle Präsenz in der Gesellschaft, ein historisch weniger bekleckerter Ruf (in Deutschland haben die Nationalsozialisten den Muttertag sehr hochgehalten-wir erinnern uns an die Tugend der Mutterschaft in den Augen der Nazis…) und das Wichtigste von allem: Mehr Männer!
Insbesondere für die etwas weiter am Rande stehenden Parteien sind Männer wichtige Wähler. Die Rechtsextremen hätten es bei den vergangenen Wahlen in Baden-Württemberg, dürften ausschließlich Männer wählen, problemlos in den Landtag geschafft und auch insgesamt scheint es mehr Männer als Frauen zu den Wahlurnen zu ziehen..
Allerdings ist nicht nur das Geschlecht wichtig für die Wahl, sondern auch das Alter: Junge Frauen wählen wesentlich seltener als ältere Männer. (Ich vermute, dass es an der breiten Unattraktivität vieler Parteien für junge Frauen liegt.)  Würde nun also der Muttertag wahlfrei bleiben und stattdessen der Vatertag, auch Herren- oder Männertag genannt, zum Wahltag auserkoren werden, so müssten die Parteien nicht nur um ihre eigenen Wähler bangen, sondern um die gesamte Wahlbeteiligung.

Wie kann man das Problem der niedrigen Frauenwahlbeteiligung lösen?

Vielleicht ja so, wie es der Chef des Hamburger Abendblattes in seinem Video zur Schleswig-Holsteiner Wahlbenachrichtigung suggerierte.
Spaß beiseite, ich glaube, dass eine breitere Ausrichtung der Parteien, die auch im Interesse der Frauen läge, viel bewirken könnte. Neben Kita-Plätzen für alle, könnte die ein oder andere Partei ja beispielsweise den Vorschlag bringen, Geschlechterunabhängige Löhne einzuführen. Und für die nächste Wahl überlegen sie sich ja vielleicht einen Wahltermin, der nicht die Botschaft ausstrahlt: Frauen und Mütter sind für uns keine so wichtigen Wähler wie Männer und Väter.

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