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John Greens “Turtles all the way down”

Fast sechs Jahre nach “The fault in our stars” ist im Oktober ein neues Buch von John Green erschienen, diesmal mit Fokus auf mentalen Erkrankungen.

Julia Mizerski

Im Oktober ist das neue Buch von John Green, Autor von „The fault in our stars“ („Das Schicksal ist ein mieser Verräter“), erschienen. In „Turtles all the way down“ (auf Deutsch „Schlaft gut, ihr fiesen Gedanken“) geht es um die 16-jährige Aza, die sich zusammen mit ihrer besten Freundin auf die Suche nach einem verschwundenen Milliardär macht. So lautet zumindest die Beschreibung für das Buch.

Wenn man das Buch liest bekommt man einen etwas anderen Eindruck vom Inhalt. Klar, hin und wieder suchen Aza und ihre Freundin Daisy schon nach dem verschwundenen Milliardär, aber eigentlich geht es um Azas Zustand. Aza leidet unter OCD (oppressive-compulsive disorder, zu Deutsch Zwangsstörung) und einer Angststörung. So ist „Turtles all the way down“ nicht wirklich eine Detektivgeschichte, genauso wenig (oder viel) wie es eine Liebesgeschichte oder eine Geschichte über Freundschaft ist. Viel eher geht es darum, wie Aza als eine Person mit OCD und Ängsten mit einer Detektivgeschichte und Liebe und Freundschaft in ihrem Leben umgeht.

Und so unterscheidet sich das Buch auch sehr von Greens bisherigen Geschichten. Die Charaktere reden vielleicht immer noch ein wenig zu hochgestochen für 16-jährige, es strotzt noch immer vor Metaphern und sehr „zitierbaren“ Sätzen, aber es ist nicht mehr die tragisch-süße Liebesgeschichte, die man in seinen anderen Büchern findet. Keine Neuauflage von Hazel und Augustus, keine „starcrossed lovers“. Sondern Aza im ständigen Kampf gegen ihre eigenen Gedanken. Dabei scheint die Darstellung der mentalen Krankheiten sehr authentisch (Green leidet selbst an OCD), und ist auf jeden Fall extrem intensiv. Die „Gedankenspiralen“, wie es in der Geschichte genannt wird, werden teilweise sehr ausführlich dargestellt, und man bekommt einen Einblick in das Denken einer Person, die nicht mehr unbedingt selbst über ihre Gedanken entscheiden kann. Das ist beim Lesen manchmal alles andere als angenehm, aber auch hoch interessant.

Das ganze Thema der Zwangsstörung so zentral in einem Jugendbuch zu behandeln, noch dazu im Buch eines Bestseller-Autors mit riesiger Fanbase, scheint auch ein Schritt in Richtung einer vielleicht realistischeren Präsentation von mentalen Erkrankungen in der Öffentlichkeit. Psychische Störungen werden vermehrt angesprochen statt todgeschwiegen. Und das kann bei manch einem Leser vielleicht sogar zu einem besseren Verständnis der Erkrankungen beitragen.

Obwohl diese Geschichte so anders ist als seine Vorgänger, werden Fans von John Greens Stil sicher ihre Freude an dem Buch haben. Es liest sich eben wie eines seiner Bücher. Möglicherweise ist es ein wenig anspruchsvoller als die anderen, aber da sich das Ganze immer noch auf dem Jugendbuch-Schwierigkeitsgrad bewegt ist man auf der sicheren Seite.

Letztendlich ist „Turtles all the way down“ kein Buch, das sich einzig und allein um eine Erkrankung dreht. Im Gegenteil, es gibt viele verschiedene interessante Handlungsstränge. Und ja, für Aza gibt es einen Love Interest (wenn man das denn so nennen möchte), und neben Aza gibt es andere interessante Charaktere, es ist ganz sicher nicht einseitig. Aber es ist kein „The fault in our stars 2.0“. Denn alle Dinge, die in dieser Geschichte passieren, werden mit der Frage im Hinterkopf dargestellt: „Wie geht eine Person mit zwanghaftem Denken mit dieser Situation um?“ Und wer sich für ein Jugendbuch mit diesem Fokus interessiert, der wird John Greens neues Buch sicherlich aufschlussreich finden.

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