Zwischen Bonn und Florenz lässt sich auch im Studium das Glück finden (Bilder: Vogelsberg)

Mut zum Glücklich-Sein

Mutig ist nicht unbedingt eine Charaktereigenschaft, die ich mir zuschreiben würde: Ich mache keine Extremsportarten und im Kino halte ich mir die Augen zu, wenn es zu gruselig wird. Einmal aber tat es etwas ziemlich mutiges: Ich entschied mich für einen Studiengang.

Deutsch-Italienische Studien klingt zunächst einmal nicht allzu furchteinflößend. Es hat auch nie Dinge von mir verlangt, die mir das Blut in den Adern hätten gefrieren lassen. Tatsächlich ist es ein Studium, welches mir immer große Freude gemacht hat: Es ist abwechslungsreich und beinhaltet einen Auslandsaufenthalt in Florenz – was will man mehr? Nun, natürlich einen Job, wenn es sich erst einmal ausstudiert hat.

Hier aber beginnt der Ärger: Die ersten Bewerbungen sind geschrieben, die Absagen sind eingetroffen. Dass es nicht einfach werden würde, hatte ich natürlich gewusst. Mit über 8000 Studierenden ist die Philosophische Fakultät die größte der Universität Bonn. Das bedeutet mehr als genügend Konkurrenz für mich! Da helfen auch acht Jahre Berufserfahrung, erworben neben dem Studium, nicht. All das habe ich vorher gewusst und mir schon so manchen hämischen Kommentar anhören müssen, der meine Studienwahl in Frage stellt. Wie ich mir das denn vorstelle, wo es doch sicherlich kaum Bedarf an jemandem wie mir gäbe. Sei es nicht dumm von mir gewesen, Deutsch und Italienisch zu studieren, anstatt beispielsweise BWL, wo es doch sicher einfacher sei, den Einstieg ins Berufsleben zu schaffen. BWL aber hätte mich wohl kaum glücklich gemacht. Ich mag ja optimistisch sein, aber ich bilde mir ein, mit einem Beruf der mir Geld, aber kein Glück brächte, nicht leben zu wollen. War das nun dumm, oder mutig?

Der schmale Grat zwischen Dummheit und Mut

Natürlich kann schwerlich von einer heroischen Tat die Rede sein – von Dummheit aber auch nicht. Ich denke nicht, dass ich mir Chancen in meinem Leben vertan habe, weil ich kein Studium gewählt habe, mit dem sich leicht ein Beruf finden und das große Geld machen lässt. Viele andere Studierende der philosophischen Fakultäten in ganz Deutschland werden mir zustimmen wenn wir sagen: Nicht ein volles Bankkonto zählt, viel wichtiger ist das persönliche Glück. Unter diesen Voraussetzungen einen Beruf zu finden ist ja auch nicht unmöglich – es ist jedoch durchaus schwieriger, gar keine Frage. Da braucht es Praktika, Zertifikate und vor allem viel, viel Geduld.

Und insofern würde ich es durchaus als mutig bezeichnen, dem Herzen und nicht dem Verstand gefolgt zu sein. Studierende vieler anderer Fächer werden mir da sicherlich zustimmen können: Immerhin studieren Tausende an den philosophischen Fakultäten dieser Welt. Natürlich – auch den Studenten anderer Fächer möchte ich nicht unterstellen, sich nur wegen des Geldes dafür entschieden zu haben. Es muss auch Menschen geben, die Spaß an Zahlen haben, auch wenn mir dafür jedes Verständnis fehlt. Es braucht uns alle – und eine große Portion Mut um das Glück zu finden.

Veröffentlicht von

Nadine Vogelsberg

Leitende Redakteurin, MA Deutsch-Italienische Studien

3 Gedanken zu „Mut zum Glücklich-Sein“

Hinterlasse eine Antwort

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.

Du kannst folgende HTML-Tags benutzen: <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <s> <strike> <strong>