Frauenfrage - Kolumne Gesellschaftsleben

Ist Deutsch eine Männersprache? – Buchempfehlung

Neulich brachte meine Schwester mir ein Buch aus dem Antiquariat mit: Das Deutsche als Männersprache von Luise F. Pusch und ich fand es erschreckend aktuell. Aber warum ist es für eine Hälfte der Gesellschaft schwieriger, ihre Existenz sprachlich auszudrücken?
„Frauenfrage“, eine Kolumne von Louisa Albrecht

Natürlich gibt es inzwischen mehr Möglichkeiten, die weibliche Variante von X auszudrücken aber genau darin zeigt sich meiner Meinung nach schon das Problem der Normativität des Maskulinen: Die weibliche Form muss erst in irgendeiner Form künstlich konstruiert werden. Die einzigen Ausnahmen, die mir hier spontan einfallen sind Hebamme und Krankenschwester (bemerkenswert: Die männlichen Formen sind ja nicht etwa Hebammerich und Krankenbruder, sondern Geburtshelfer und Krankenpfleger. Wie Pusch ausführt: weiblich = zweitklassig wird durch die Verwendung eines neuen statt einen einfach nur modifizierten Begriff weiter zementiert.)
Einige Worte fallen gar nicht so auf: jedermann zum Beispiel. Ein alltägliches Wort, das aber nur eine Hälfte der Gesellschaft tatsächlich mit einschließt. Jeden Mann. Nicht: Jeden Menschen.
Die Autorin führt durch Geschichte und Gesellschaft und macht dabei immer deutlicher: Die Sprache ist von und für Männer geschaffen. Frauen dürfen sich ja aber gerne „mitgemeint“ fühlen. Wie ich ja schon mal erklärt habe: Mitgemeint ist NICHT Mitgedacht. Und überhaupt- wieso verwenden wir die männlichen Pluralformen, sobald auch nur 1 Mann in einer Gruppe dabei ist? (Was unsere französischen Nachbarn übrigens genauso machen.)
Dadurch, dass es teilweise keine Worte für etwas gibt (eine Frau, die einen bestimmten Status innehat oder einer Tätigkeit nachgeht etc.) wird es oftmals undenkbar oder zumindest UNNORMAL. Und somit wieder die Normalität der männlichen Vorherrschaft in der Sprache gefestigt. Gesellschaftlich geht es mit der Gleichberechtigung weiter voran, doch sprachlich liegt noch viel im Argen und wie soll ich sagen? Sprache ist ein Spiegel von der sie verwendet wird…
Das Buch ist ziemlich linguistisch und als manches zuweilen etwas anstrengend, aber die meiste Zeit über interessant und anschaulich zu lesen. Traurig ist übrigens, wie aktuell das Buch nach fast einem halbe Jahrhundert noch immer ist…

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