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In Berlin scheinen die Sterne noch am hellsten

Berlins Kult-Bier steht das Wasser buchstäblich bis zum Halse. Täglich nehmen ihm unzählige Berliner den Druck. Es ist angekommen und willkommen in Deutschlands größter Metropole. Das Sternburger ein Bier ein Garant für Integration.

Florian Lothmann

Braun, von der breiten Masse geschluckt, viel Luft um Nichts und mit 5,2 Prozentpunkten knapp über der 5 Prozent-Hürde. Somit passt das Sternburger, zumindest auf den ersten Blick, sehr gut in eine dunkeldeutsche Politlandschaft.

Doch dabei ist das Sterni ein Garant für Integration. Es ist ein Zuwanderer, ein multikultureller Freund, ein treuer Wegbegleiter, ein Wortführer in einer Debatte um Herkunft und Heimat.

Zwischen 1992 und 1993 immigrierte das Sternburger nach Berlin, als Exot, geprägt von der geradezu morgenländischen Tradition. Schließlich lag seine Herkunft südlich von Berlin in Sachsen, Sachsen lag an Tschechien, Tschechien an anderen Ländern und schon erschien das Morgenland am Horizont, mit all seinen Fremd- und Andersheiten. Ostdeutsche Logik, Skepsis machte sich breit.

Knapp 25 Jahre später ist die Skepsis gewichen und das Sterni geblieben. Heute ist es nicht nur wirtschaftlicher, sondern eben auch sozialer Motor. Eine ganze Kiosk-Kultur rund um die Berliner Spätis ist entstanden. Mitten drin, das Sternburger. Mit stets kühlem Kopf nimmt es bei Tag sowie bei Nacht, bei Dämmerung sowie bei Morgenrot Einfluss auf verbale, non-verbale und auch bei mancher Gelegenheit auf körperliche Auseinandersetzungen.

Das Sterni, es überwindet den beschwerlichen Weg mit mehr als 200.000 Meter oftmals allein, zuweilen auch in Kohorten, eingepfercht in 40 x 30 cm großen, Plastik gepressten Nussschalen, um hier für weit unter der zumutbaren Preisgrenze seine Dienste anzubieten – Wirtschaftsflüchtling. Ein unaufhörlicher Strom an Unterwanderung, könnte man meinen. Das Sternburger ist ein Lebemann, es genießt den Konsum, immer am Puls der Stadt vom Kotti zum Görli bis hin nach Neu-Köln.

Trotz nunmehr als 195 Jahre tradierter Werte und Prägungen sächsischer Leitkultur gibt es bis heute keinen Schrei nach Reisebann, Migrations-Stopp oder gar Abschiebung.

Das Sternburger, es hat sich integriert, ohne seine Identität abzulegen, seine Herkunft zu leugnen oder sich gar zu verstecken. Es darf nicht nur Co-Existieren es darf leben und sich frei bewegen. Leben, neben anderen kulturellen Einflüssen wie einem Berliner Kindl oder einem Pilsener.

Integration bedeutet Miteinander in einem Sortiment der Vielfalt und Diversitäten. Schraub-, Bügelverschluss, Kronkorken oder verschleiert bis zum Hals in feinstem Aluminium. Die eine oder andere Kopfbedeckung ließe sich als Affront gegen eine westlich geprägte Kultur werten. Es sei denn man hat verstanden, sich in einem respektvollen Miteinander zu arrangieren. Zuwanderung, eine Chance, eine Bereicherung, eine Herausforderung, dessen Grundlage zwar nur selten Hopfen und Malz sind, dessen Bäume jedoch erst Früchte tragen können, wenn man weiß die Felder wohl zu bestellen.

Wer der Meinung ist, kulturelle Vielfallt führe zur Entfremdung der eigenen Werte oder gar zum kulturellen Suizid, hat nicht verstanden, dass Kultur nicht als permanentes dogmatisches Paradigma zu verstehen ist, sondern als temporäre zeitgenössische Erscheinung. Der Kulturbegriff ist kein Manifest, keine unumstößliche transzendentale Eingebung. Es ist lediglich das Konglomerat menschlicher Einflüsse. Einflüsse, die von Außen herangetragen werden und keines Wegs aus sich heraus entstehen.

Prost, Serefe und Salute

 

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