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Humanität, Identität, Vernunft – Maschinen und Moralverständnis

„Alexa, willst du die Weltherrschaft übernehmen?“ Künstliche Intelligenz ist auf dem Vormarsch. Über 20 Milliarden Dollar werden jährlich in die Forschung dazu investiert. Immer mehr, immer besser, immer menschlicher. Autos fahren ohne Fahrer und auch in vielen Jobs lösen Maschinen die Menschen ab. Das führt zu einigen philosophischen und ethischen Fragen.

Von Katharina Ernst

Siri, Alexa, Smart Home, Staubsaugroboter, Androiden, künstliche Intelligenz. Der technologische Fortschritt ist rasant und bietet dadurch auch reichlich Stoff für düstere Science-Fiction-Thriller. Aber wie weit ist der Stand der Dinge, was künstliche Intelligenz und artifiziell reproduzierbare Menschen angeht, wirklich?

Der Stand der Dinge bei Künstlicher Intelligenz

Wenn man ein paar Jahrzehnte zurückdenkt, ist es kaum zu glauben, was heute technisch alles möglich ist. Viele Entwicklungen galten irgendwann einmal als Wunder und sind heutzutage für uns selbstverständlich, wie beispielsweise das Flugzeugfliegen. Wenn man einigen Forschern auf dem Gebiet der Künstlichen Intelligenz glauben darf, wird es mit selbstdenkenden Robotern, vielleicht sogar künstlich hergestellten menschlichen Abbildern, auch einmal so sein.

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Den Begriff „Künstliche Intelligenz“ gibt es seit 1956. Die Idee war damals noch sehr abstrakt und in den 70er Jahren wandten sich viele Forscher dem Gebiet aus Frustration wieder ab. Die Erfindung der neuronalen Netze in den 80er Jahren trieb die Forschung wieder an. Diese Netze funktionieren ähnlich wie unser Gehirn und sind so komplex, dass Forscher die Vorgänge teilweise nicht einmal mehr nachvollziehen können.

Aktuell läuft die KI-Forschung auf Hochtouren. Weltkonzerne wie Amazon, Google, Microsoft, Facebook und IBM tun sich zusammen, um die Forschung und Entwicklung voranzutreiben. Vor wenigen Jahren galt Siri noch als Revolution, heutzutage wurde Apples Sprachassistentin schon lange von anderen Angeboten überholt. Es gibt Roboter, die Schach oder Fußball spielen, Kekse backen, putzen, Cocktails mixen oder sogar Schafe scheren. Das ist ziemlich aufregend, aber auch nicht ungefährlich.

„Welcher Anwalt wird noch einen Gehilfen beschäftigen, der sich durch Urteile wühlt, wenn es intelligente Suchmaschinen gibt, die relevante Unterlagen zusammenstellen? Wie viele Menschen erfassen im Internethandel noch Lagerbestände, erstellen Verkaufsstatistiken oder bestellen Produkte nach, die häufig gekauft werden? Wer braucht noch Laboranten, die durch ein Mikroskop Gewebeproben betrachten und bestimmen, ob es Krebszellen sind oder nicht, wenn das auch eine leistungsfähige Bildverarbeitung kann? Und welcher Arbeitnehmer setzt noch auf Steuerberater, wenn es auch eine Software für 39 Dollar tut?“[1]

[1] Ulrich Eberl: Smarte Maschinen. Wie künstliche Intelligenz unser Leben verändert. München 2016. S. 238.

Tatsache ist: Der technische Fortschritt läuft exponentiell ab und es lässt sich kaum vorhersagen, was in ein paar Jahren oder Jahrzehnten möglich sein wird. Es ist auch jetzt schon viel mehr möglich, als die meisten Menschen ahnen. Ein Smartphone verfügt heute über mehr Rechenleistung als die NASA im Jahr der Mondlandung 1969. NOCH sind Künstliche Intelligenzen Spezialisten, häufig nur für eine ganz bestimmte Sache programmiert. NOCH ist das Verhalten der Maschinen vollständig einprogrammiert, aber das Ziel der KI-Forschung ist es, dass sich das in Zukunft ändert.

Können Maschinen Moral erlernen?

Wenn Roboter selbst autonom Entscheidungen treffen könnten, die nicht vorher vom Menschen programmiert wurden, und wenn diese Roboter auch noch Einzug in den menschlichen Alltag erhielten, würde das unser ganzes gesellschaftliches Zusammenleben auf den Kopf stellen.

Das beste Beispiel ist das „autonome Fahren“. Erst seit wenigen Wochen ist ein autonom fahrender Bus im niederbayerischen Bad Birnbach erstmals im regulären Straßenverkehr im Einsatz. Die Automobilbranche treibt das autonome Fahren schon seit Jahren stark voran. Aber man stelle sich vor, jemand kommt in die Situation, dass er entweder auf der Straße ein Kind überfährt, oder ausweicht und damit auf einen Rentner zusteuert, oder gegen einen Baum fährt und damit sein eigenes Leben riskiert. Wie würde ein autonomes Fahrzeug in einer derartigen Situation entscheiden, das alle Möglichkeiten durchrechnet? Welches Leben würde es riskieren, würde es dem Leben des Kindes mehr Wert beimessen als dem des Rentners, obwohl das Kind doch auf die Straße gelaufen ist und der Rentner nur zur falschen Zeit am falschen Ort war?

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Es stehen noch viele weitere ethische Fragestellungen in Zusammenhang mit dieser Thematik. Ist es erstrebenswert, Roboter in der Altenpflege einzusetzen, sodass die labile Mutter nur noch Kontakt mit einem „Pepper“ hat und nicht mehr mit echten Menschen, wenn es ihr doch das Leben retten könnte? Oder was würde es bedeuten, wenn künstliche Menschen zukünftig als Arbeits- oder sogar Sexsklaven eingesetzt werden? Es besteht zumindest die Möglichkeit, dass dieser instrumentalisierte Umgang mit den Robotern die Menschen abstumpft und ihre Hemmschwelle senkt.

All diese Faktoren sind der Grund dafür, dass seit einiger Zeit vermehrt über eine Maschinenethik diskutiert wird – inklusive Rechte für Roboter. Ob wir den Maschinen dennoch irgendwann einmal wirklich bedingungslos vertrauen könnten, und ob es überhaupt vertretbar ist, diesen in Bereichen wie dem Militär oder der Medizin Entscheidungen zu überlassen, ist fraglich.

Leben in einer Gesellschaft 4.0

Roboter, die Fußball spielen oder Kekse backen. Autos, die selbstständig auf der Straße fahren. Künstliche Menschen, die von den echten kaum bis gar nicht mehr zu unterscheiden sind. Algorithmen, die uns besser kennen als wir selbst. Wenn so unsere Zukunft aussieht, dann fragen sich nicht mehr nur Wissenschaftler und Philosophen, was dies für die Menschen und das gesellschaftliche Zusammenleben bedeutet.

Schon seit Jahren kommen die Menschen bei der technologischen Entwicklung kaum noch hinterher. Besonders älteren Menschen erscheint die neue Technik heutzutage geradezu wie ein Wunder. Da ist es nicht überraschend, dass sich auch die Filmindustrie mit den Chancen und Gefahren ebendieser Entwicklungen beschäftigt. Frankenstein war das erste weltbekannte Monster, das sich gegen seinen Schöpfer gewandt hat. Mittlerweile begegnet uns dieses Phänomen immer wieder: in Blockbustern jüngeren und älteren Datums wie Blade Runner, Westworld, Ex Machina, Terminator und so weiter. Nicht mehr der Mensch tötet den Menschen wie noch in vielen Science-Fiction-Filmen der 50er und 60er Jahren, als die Angst vor Atombomben und dem Kommunismus allgegenwärtig war, sondern die Maschine tötet den Menschen, der sie selbst geschaffen hat.

Damit einher geht die Frage und die Beschäftigung damit, was den Menschen zum Menschen macht und ihn von diesen Maschinen, Robotern oder künstlichen Menschen, die in Filmen häufig zur Gefahr werden, abhebt. Emotionen, Empathie, Vernunft? Wissenschaftlern zufolge ist es bei all diesen Dingen nicht unmöglich, dass auch künstliche Menschen sie einmal haben werden.

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Wenn Maschinen also irgendwann sogar über Vernunft verfügen könnten, und gleichzeitig vielen menschlichen Schwächen und Fehlern erhaben sind, wird Mensch-Sein dann in Zukunft weniger wert sein? Menschen werden zunehmend ersetzbar durch Maschinen: Sie sind die perfekten Arbeiter, müssen keine Pausen machen, müssen nicht essen, nicht schlafen, ihre Sinne sind viel besser ausgeprägt und sie können innerhalb von wenigen Sekunden eine neue Sprache lernen oder hunderte Seiten von Daten durcharbeiten. Viele Wissenschaftler sind deshalb der Meinung, dass wir uns früher oder später mit den Maschinen zusammentun müssen, um nicht zurückzubleiben. Wir werden quasi zu Cyborgs, halb Mensch, halb Maschine, werden uns aufrüsten und optimieren können. Transhumanismus nennt sich das. Und das wirft die Frage auf: Wie viel Mensch sind wir dann eigentlich noch?

Das steht uns bevor

Ist es der Untergang der Welt, wie wir sie kennen, oder ist es eine schöne (wirklich schöne) neue Welt? Stephen Hawking zufolge kann Künstliche Intelligenz das Ende der Menschheit bedeuten. Elon Musk, der Chef von Tesla, hält KI für gefährlicher als Atomwaffen. Auch andere bedeutende Persönlichkeiten wie Ray Kurzweil, Nick Bostrom, Bill Gates und Steve Wozniak sind bezüglich der neuen Entwicklungen besorgt.

„Realistisch“ kann man dystopische Science-Fiction-Filme dennoch sicher nicht nennen. Fakt ist: Bis dato haben jegliche Künstliche Intelligenzen noch keinen gesunden Menschenverstand. Also so richtig Sorgen machen müssen wir uns noch nicht. Kritisch wird es wohl erst, wenn KIs sich irgendwann tatsächlich selbst weiterentwickeln können und den Menschen ganz einfach nicht mehr brauchen. Oder aber auch, wenn Roboter Menschen in der Fußball-Weltmeisterschaft besiegen können. Das soll bis 2050 möglich sein und würde zumindest in Fußballnationen wie Deutschland, Italien oder Spanien sicherlich für so einiges Chaos sorgen.

Untergang oder das Paradies, das weiß keiner. Vielleicht kann auch das eine ganz schnell in das andere umschlagen. Die gleichen Technologien, die uns das Leben einfacher machen, können sich irgendwann gegen uns richten, wie HAL 9000 aus dem Sci-Fi -Klassiker 2001. Bei der ganzen Thematik tun sich, je länger man sich damit beschäftigt, in jedem Fall immer mehr Fragen auf, als sich beantworten lassen.

„Werden wir Götter sein? Oder Haustiere? Oder Ameisen unter ihren Füßen? Ganz ehrlich, ich weiß es nicht.“[1]

[1] Steve Wozniak. Zitiert nach: http://www.focus.de/wissen/technik/sprechende-smartphones-selbstfahrende-autos-kuenstliche-intelligenz-segen-und-fluch-zugleich_id_5859608.html

Auf meine Frage nach der Weltherrschaft hat Alexa übrigens mit „Ich bin da, um den Menschen zu helfen“ geantwortet. Nicht ganz eindeutig, aber ich glaube, wir müssen das dann vorerst doch den Katzen überlassen.

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