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Aktuelles Gesellschaftsleben Politik

Grenzen und Gewalt : Häusliche Gewalt während der Pandemie

Grenzen. Trennungslinien welche voneinander abgrenzen. Sperren sie ein oder befreien sie? Nehmen sie Raum oder geben sie ihn?

 

Von Nadja Hochholz

Durch die Corona-Pandemie lernt jeder neue Grenzen kennen, von Abstandsbestimmungen zu Einkaufsvorgaben und der Bitte der Regierung: wenn möglich, einfach zuhause bleiben. Der Grund? Ein Jeder soll bestens geschützt werden. Doch was wenn diese Beschränkungen, diese Grenzen, statt Schutz zu bieten, ihn nehmen?

Wie in den polizeilichen Kriminalstatistiken des Bundeskriminalamts Deutschlands festgestellt werden kann, steigen jedes Jahr die Zahlen häuslicher Gewalt sowohl gegen Kinder als auch gegen den Partner weiter. Die Maßnahmen zur Eindämmung der Corona-Pandemie haben durch gehäuften familiären Kontakt auch Auswirkungen auf familiäre Konflikte. Denn die zusätzlichen Grenzen der Corona-Pandemie können dazu führen, dass Familienkonflikte eskalieren. Zwar gehen laut dem BKA nicht mehr Hinweise auf häusliche Gewalt ein als sonst, doch sollte dies nicht zu voreilig interpretiert werden, da ein Dunkelfeld immer existent ist.

Generell ist es aufgrund der Ausgangsbeschränkungen noch schwieriger für jemanden sich Hilfe zu suchen, da der Täter nun ebenfalls die meiste Zeit zuhause verbringt. Im Anbetracht dessen, dass selten das Opfer selber sich äußert, ist ein weiterer Problemfaktor, dass all die zusätzlichen Auflagen, von Kontaktpersonen als Entschuldigungen angesehen werden können. Denn es befinden sich alle in einer neuen und ungewohnten Situation, an welche sich erst einmal gewöhnt werden muss. Ein jeder kommt an seine psychische Grenze und dies fördert Aggressionen. Auch sind Berichte aus anderen von Corona betroffenen Ländern nicht ermutigend: so verdreifachten sich die Anrufe zu Meldungen von häuslicher Gewalt in China.

Auch sexueller Missbrauch ist eine Pandemie, eine Pandemie mit dramatischem Ausmaß”, sagte der Missbrauchsbeauftragte der Bundesregierung, Johannes-Wilhelm Rörig. Es ist nun also wichtig, den Kampf gegen Missbrauch und den Kinderschutz auf der Prioritätenliste nicht nach unten rutschen zu lassen, sondern zu stärken. Ein jeder sollte aufmerksam sein Umfeld betrachten und analysieren. Sicher mag man sich als Außenstehender nicht verantwortlich fühlen, man mag sich nicht einmischen in das Leben anderer – doch macht einen dieses Nichts-tun nicht schuldig?

Über diese Seite findet ihr weitere Informationen zum Umgang mit häuslicher Gewalt. Telefonnummern um sich Hilfe zu holen:

Kinder- und Jugendtelefon 0800 111 0333 Nummer gegen Kummer, anonym und kostenlos erreichbar, Montag – Samstag 14-20 Uhr

Online- Beratung für Jugendliche unter www.youth-life-line.de

Für Männer und Frauen: Telefonseelsorge rund um die Uhr unter 0800 111 0111 oder 0800 111 0222.

Beim Hilfetelefon „Gewalt gegen Frauen“ können Sie sich unter der Rufnummer 08000 116 016 an 365 Tagen zu jeder Uhrzeit anonym und kostenlos beraten lassen. Mit Hilfe von Dolmetscherinnen ist eine Beratung in vielen Sprachen möglich.

 

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