Einfach mal mit einer Tasse Kaffee und einem guten Buch in der Sonne sitzen und entspanne. Foto: CC0 via Pexels
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Warum Auch „Nichts-Tun” Cool Ist

„Ich bin gerade total gestresst, hab‘ so viel zu tun und keine Zeit für nichts.” Wer kennt diese Aussagen nicht und fühlt sich dann ein bisschen schlecht, wenn man selbst nicht so busy ist?

Warum „einfach-mal-nichts-tun” auch gut tut – eine Kolumne von Alexandra Mölleken

Tiefenentspannt mache ich es mir mit einer Tasse Kaffee und einem guten Buch auf der Terrasse gemütlich – wenn die Sonne schon so schön scheint, sollte ich das auch nutzen. Die Präsentation für die Uni, der Hausputz und Zehnmillionen weitere Verpflichtungen können warten. Denn jetzt habe ich einen wichtigen Termin: mit mir.

Am Abend schaue ich auf mein Handy und werde sofort in den stressigen Alltag zurückgeholt. Vor einiger Zeit hätte ich sofort ein schlechtes Gewissen bekommen. Denn der Großteil der Nachrichten ist gefüllt mit Wörtern wie „busy”, „super gestresst”, „so viel um die Ohren” und und und…

Eigentlich wollte ich nur wissen, wie es dem anderen geht, was so ansteht und wann wir uns mal wiedersehen. Aber anstatt zu erzählen, dass man den schönen Sommertag genießt und entspannt in der Sonne liegt, kommt nur eine knappe Antwort, dass die Uni ja sooo viel ist, es auf der Arbeit drunter und drüber geht und man für Freizeit eigentlich gar keine Zeit hat.

Trend, Wettkampf oder schlechtes Gewissen?

Ja, jeder hat mal stressigere und entspanntere Tage und Zeiten, aber immer kann man doch nicht völlig ausgebucht und busy sein? Manchmal nervt es auch einfach, wenn es wieder ums Übertrumpfen geht, wer mehr zu tun hat und gestresster ist. Es klingt wie ein schlechter Trend, der heutzutage immer häufiger auffällt.

Irgendwann reicht es damit, das ist zumindest meine Meinung dazu. Deshalb habe ich das schlechte Gewissen ausgeschaltet und fühle mich nicht faul, wenn ich einfach entspannt in der Sonne liege, ein Buch lese oder eine DVD schaue, während anscheinend die gesamte restliche Welt in Stress und Arbeit untergeht.

Entspannt heißt nicht faul

Nach einem langen Selbsttest, der auch niemals enden wird, habe ich herausgefunden, dass Entspannung und Freizeit gut tun und gar nicht so verwerflich sind, wie sie manchmal dargestellt werden. Wenn der Kopf frei ist, die Seele ausgeruht und der Körper fit, klappt es mit der Uni, Arbeit und allem anderen viel besser. Anstatt zehn Stunden durchzuarbeiten, vor lauter Stress und Druck aber nichts Sinnvolles zu produzieren, mache ich lieber auch mal einen Nachmittag frei. Wenn ich dann zwar „nur” sechs Stunden an etwas arbeite, bin ich viel produktiver und habe viel mehr geschafft, als ohne Pause. Denn wieso glaubt jeder, dass man nur ambitioniert, fleißig und zukunftsorientiert ist, wenn man in Stress und Arbeit ertrinkt? Ein Mythos, der heutzutage viel zu weit verbreitet ist.

Heute habe ich „nichts” gemacht

Wer ist eigentlich dieser „nichts” und warum ist es manchen unangenehm, mit ihm Zeit zu verbringen? Probier‘ es doch mal aus und antworte auf eine Nachricht, wenn jemand fragt, was du heute gemacht hast, einfach mit „nichts”. Wenn der Gegenüber dann fragt, ob das nicht langweilig sei, das Studium so unanspruchsvoll oder nicht unendlich viel Arbeit liegen bleibt, weil man selbst ja sooo viel zu tun hat, sollte man ihm ein Treffen mit dem „nichts” ans Herz legen. Keine Sorge, nur weil man auch mal freie Zeit hat und nicht dauer-gestresst ist, läuft das Leben nicht aus dem Ruder. Sondern ganz im Gegenteil – davon profitiert dann im Endeffekt jeder, vor allem man selbst.

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