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Aktuelles Frauenfrage - Kolumne Gesellschaftsleben

Frauen, Wehrpflicht und Geschlechtergleichheit

In Deutschland ist die Wehrpflicht seit einigen Jahren abgeschafft, in der Schweiz, wo ich aktuell studiere, gibt es sie noch – aber nur für Männer. Wie gerecht ist das eigentlich?

„Frauenfrage“, eine Kolumne von Louisa Albrecht

Momentan studiere ich in Luzern und da hier mehrere Ausbildungsstützpunkte sind, vergeht eigentlich kein Tag, an dem ich keine Soldaten. Ziemlich schnell ist mir jedoch aufgefallen, dass es so gut wie keine Frauen in Uniform gibt, so dass ich angefangen habe, mich mal etwas mehr mit dem Thema zu beschäftigen.
Lassen wir die Frage, ob die Wehrpflicht (vor allem in einem bemüht neutralen Land wie der Schweiz) oder Militär überhaupt sinnvoll ist, mal kurz außen vor, da hat und darf ja jede/r eine eigene Meinung.

Fakt ist: In den meisten Ländern, die überhaupt noch eine Wehrpflicht haben (ca. 30), gilt diese nur für Männer. Namentliche Ausnahmen sind Norwegen, Schweden, Nordkorea, Israel, Bolivien, China, Eritrea, Tschad, Bolivien und der Sudan also in knapp einem Drittel der Länder. In weiteren etwa 10 Ländern (über manche gibt es einfach keine Daten diesbezüglich) dürfen Frauen überhaupt nicht ins Militär. In Deutschland sind aktuell knapp 12% Frauen in der Bundeswehr. 1955 verbot das Grundgesetz, dass Frauen überhaupt den Dienst an der Waffe antreten, ab 1975 wurde dann immerhin der Sanitätsdienst für Frauen geöffnet, 1991 kamen dann die Laufbahnen im Musikbereich hinzu. Wirklich offen ist die Bundeswehr erst seit 2001 für Frauen, jedoch sagt Artikel 12a (4) im Grundgesetz, dass Frauen auf keinen Fall zum Dienst an der Waffe verpflichtet werden dürfen –  Männer hingegen schon. Aber nichtsdestotrotz: Frauen gibt es in der Bundeswehr und wir wissen ja auch alle, welches Geschlecht die aktuelle Führung hat.
In der Schweiz sind jedoch unter 1% aller Soldaten weiblich. Ein Mitglied der Turngruppe, der ich mich in der Uni angeschlossen habe, hat es mir so erklärt (und sie wiederum hat die Erklärung von einer Lehrerin): Dass Frauen keinen Wehrdienst leisten müssen, ist quasi eine Entschuldigung dafür, dass Frauen erst so spät (um 19970 rum) das Wahlrecht in der Schweiz bekommen haben. Offizielle Begründungen sehen sicherlich anders aus… die Frage bleibt jedoch: Wenn man schon die Wehrpflicht bei behält, wieso schließt man Frauen nicht mit ein? 2016 gab es mal den Vorschlag in der Schweiz, die Wehrpflicht nach norwegischen Modell auszuweiten und wenn man sich damit beschäftigt, klingt es gar nicht so verkehrt: In Norwegen sind alle wehrpflichtig, faktisch treten aber nur 1/6 aller Anwärter den Dienst an- denn es werden nur diejenigen eingezogen, die am besten geeignet sind. Der Auswahlpool ist jedoch wesentlich größer.

Insgesamt habe ich das Gefühl, dass auch in Deutschland, die Bundeswehr eigentlich fast nie als Berufsperspektive für Frauen  und selbst wenn Frauen sich dafür entscheiden, gilt es doch als Männerjob. Viele meinen, die Bundeswehr würde durch Frauen geschwächt- ich frage mich ehrlich gesagt, ob denjenigen nicht klar ist, dass Frauen, wenn sie bei den Märschen etc. pp. nicht fit genug sind, genauso schnell rausfliegen wie Männer… merkwürdig.

Aber lange Rede, kurzer Sinn: Ich finde es ziemlich unzeitgemäß, sowohl von Deutschland als auch der Schweiz, so auf dem männerlastigen zu beharren. In meinen Augen hat man ja nichts zu verlieren, wenn man Frauen dieselbe Startchance gibt oder sie ebenfalls zum Wehrdienst verpflichtet. Wer tatsächlich nicht geeignet ist, wird doch sowieso über kurz oder lang ausgemustert. Hingegen besteht die Chance, Leute zu gewinnen, die sonst nicht zur Verfügung mangels Beteiligung stünden. Außerdem kann geschlechterspezifische Diskriminierung ja auch in beide Richtungen wirken…

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