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Frauen als Ärzte unerwünscht – Japan manipuliert Zulassungstests

Überall wird von Feminismus und Chancengleichheit gesprochen, von der Vereinbarkeit von Kindern und Karriere und Wahlfreiheit der Frauen. Doch wie kann es dann sein, dass japanische Hochschulen Zulassungstests für Frauen manipulieren?

„Frauenfrage“, eine Kolumne von Louisa Albrecht

Als ich es gestern früh im Radio hörte, wollte ich es kaum glauben: Japanische Hochschulen sollen jahrelang die Medizin-Zulassungstest von Frauen schlechter bewertet und Männern Extra-Punkte gegeben haben, damit weniger Frauen Ärzte werden. Der Grund dieser Benachteiligung ist der wohl älteste der Welt: Frauen werden schwanger, Männer nicht. Dass eine Schwangerschaft eine Karriere auf vielfältige Weise … beeinflussen kann, ist hinlänglich bekannt, aber wie kann eine Hochschule (oder mehrere) so weit gehen? Von meiner japanischen Nachbarin weiß ich, dass die Aufnahmeprüfungen für Unis in Japan sowieso extrem schwer sind. Die Frauen, die ihn bestehen dürften also einiges auf dem Kasten haben. Und trotzdem werden sie auf ihre Gebährfähigkeit reduziert, ganz unabhängig davon, ob sie überhaupt jemals Kinder haben wollen!

Dass Japan als sexistisch gilt, ist eigentlich nichts neues. Mutterschaft gilt als das höchste Lebensziel für japanische Frauen und kinderlose Frauen, die Karriere machen werden oftmals diskriminiert. Der Anteil von Frauen in der Politik beispielsweise ist verschwindend gering.

Aber auch in Deutschland wird es zumindest immer wieder hervorgehoben, dass ja immer mehr Frauen als Männer einen universitären Abschluss erlangen. Paradoxerweise gibt es trotzdem viel mehr männliche Doktoren und Professoren in den Hochschulen.
Teilweise wird bei dem vorwiegend von weiblichen Studierenden belegten Medizinstudium überlegt, eine Männerquote einzuführen, da viele Medizinabsolventinnen entweder gar nicht als Ärztin tätig werden oder aber nur halbtags arbeiten.
Sowohl in Japan als auch Deutschland wird das Problem meiner Meinung nach falsch angepackt.
Natürlich finde ich es wichtig, dass auch männliche Medizin-Interessierte studieren können. Aber wenn vor allem Schwangerschaft und mögliche Halbtagstätigkeiten als negativ angesehen werden, sollte man sich dann nicht eher Gedanken um die Entlastung der Frauen machen? Die Förderung eines positiven Männer-die-sich-ebenfalls-im-Haushalt-engagieren-und-die-Kinder-betreuen-Bild? Immer wieder zieht man die Gebärfähigkeit von Frauen als Diskriminierungsgrund heran, aber wie wäre es mal, stattdessen die Hindernisse zu beseitigen, die der Vereinbarkeit von Kindern und Karriere im Weg stehen?!

 

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