Captain Salazar (Javier Bardem)
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Fluch der Karibik 5 „Salazars Rache“ – Der Blockbuster unter die Lupe genommen

Filmplakat zu Fluch der Karibik 5
Filmplakat zu Fluch der Karibik 5

 

Ein fünftes und angeblich letztes Mal, bringt Disney den kultigen Piraten Jack Sparrow zurück auf die Leinwand. Aber lohnt sich das Abenteuer, oder entpuppt sich Fluch der Karibik 5 „Salazars Rache“ eher als Flaute?

von Florian B.

 

Sechs Jahre sind seit dem letzten Abenteuer rund um den Freibeuter Jack Sparrow und seine Crew vergangen, welcher meiner Meinung nach der schlechteste Teil der Reihe war. Sechs Jahre, die Disney nun Zeit hatte, um das Franchise wieder auf Kurs und auch zu einem (hoffentlich?) runden Abschluss zu bringen. Mit über 350 Millionen Dollar Budget im Gepäck, setzt der neue Teil also die Segel Richtung Welterfolg (Fluch der Karibik 4 „Fremde Gezeiten“ hatte damals über eine Milliarde Dollar eingespielt – das nenne ich einen richtigen Raubzug, wenn man sich mal die Qualität des Films vor Augen führt). Satte 129 Minuten dürft ihr mit Kapitän Jack Sparrow, der auch diesmal wieder gewohnt albern und gekonnt von Johnny Depp verkörpert wird, versunkenen Schätzen und Geheimnissen hinterherjagen. Diesmal dreht sich alles um Poseidons Dreizack, den Jack gezwungen ist zu finden, da ihm ein alter Widersacher Namens Salazar, gespielt von Javier Bardem, auf den Fersen ist (eigentlich sollte – Trommelwirbel – Christoph Walz den Bösewicht spielen. Dieser sagte jedoch ab, und man holte Javier Bardem ins Boot.

Captain Salazar (Javier Bardem)
Captain Salazar (Javier Bardem)

Aufgrund dessen spanischem Akzent, wurde sogar der Name des Widersachers von „Brand“ zu „Salazar“ geändert.). Der verfluchte Kapitän ist aus dem verwunschenen Bermuda Dreieck ausgebrochen und schwört nun allen Rache, die ihn dorthin verbannt hatten. Aber nicht nur Jack Sparrow ist auf der Suche nach dem Dreizack. Auch der altbekannte Gegenspieler Barbossa, wieder einmal verkörpert von Geoffrey Rush, und die Astronomin Carina Smith, gespielt von Kaya Scodelario, jagen dem Dreizack hinterher. Es beginnt ein Wettrennen um Leben und Tod. So viel zur wenig innovativen aber soliden Geschichte, mit der Autor Jeff Nathansen versucht die Zuschauer und Fans der Serie abzuholen. Mehr möchte ich hier auch überhaupt nicht verraten, da es die ein oder andere (vielleicht ein wenig sehr konstruierte) Wendung in der Geschichte gibt, die aber durchaus überraschend daherkommt.

 

Meinem Eindruck nach, spaltet sich der Film in zwei qualitativ recht unterschiedliche Hälften. Der erste Teil entführt uns vor allem zu Beginn erneut an die gewohnten malerischen Strände und Küsten Australiens. Dieses karibische Flair und die wirklich traumhaften Bilder, die dabei entstehen, lassen sofort die Gefühle aus den ersten Teilen aufflammen. Man wird fast schon ein wenig neidisch auf die Film Crew, die an diesen Orten ihre Arbeit verrichten durfte.
Aber der Anfang des Films bietet noch mehr als nur schöne Kulisse. Er prahlt mit aufwendigen und gut durchchoreografierten Action Sequenzen, die definitiv Spaß machen. Auch die Szene, in der Jack Sparrow hingerichtet werden soll (der ein oder andere hat die fünf Minuten vielleicht schon in verschiedensten Vorschauen im Kino zu Gesicht bekommen), trägt den alten Flair und das Feeling der Serie. Mit den beiden neuen Protagonisten an Jacks Seite, Henry Turner und Carina Smith, die im ersten Abschnitt eingeführt werden, versuchen die Macher das Loch zu stopfen, welches Orlando Bloom und Keira Knightley hinterlassen haben. Die neuen Charaktere sind zwar überraschend sympathisch, schaffen es aber nicht an die Magie ihrer Vorgänger aus den ersten drei Teilen anzuschießen. Vielleicht ist es genau dieser kleine Funken, der auch schon dafür sorgte, dass sich das vierte Abenteuer, wie auch das neue, seltsam fremd und nicht so richtig rund und zugehörig anfühlen.

Das wird vor allem in der zweiten Hälfte des Films deutlich, die sich hauptsächlich um die Jagd nach dem Dreizack dreht. Hier tritt am stärksten Javier Bardem als Antagonist in den Vordergrund, der eine fantastische

Pirates of the Caribbean 5
Die gefangene Black Pearl

Leistung abliefert, aber leider aus dem sehr blass geschriebenen Charakter wenig rausholen kann. Das liegt vermutlich daran, dass sich die Gegenspieler als uninspirierten Abklatsch der vorherigen Schurken entpuppen und ihre Motivation eindimensionaler als die Segel der Black Pearl zu sein scheint. Aber auch Story-technisch bietet die zweite Hälfte des Films wenig Neuerungen oder Innovation. Das Finale ist fast schon langweilig und hätte durchaus ein wenig pompöser ausfallen können. Man hat das Gefühl als hätten die Autoren gemerkt, dass sie jetzt ganz schnell zum Ende kommen müssen. Vor allem die Auflösung und der eigentliche Abschluss der Reihe kommen viel zu kitschig und plötzlich daher. Das wird der Serie leider nicht gerecht und hat mich für meinen Teil mit einem komischen Gefühl zurückgelassen.

Wer sich jetzt aber denkt, Disney hätte genug in der Schatzkiste ihres Franchise gewühlt und auch den letzten Diamanten vom Boden gekratzt, der liegt falsch. Denn natürlich haben die Macher nicht auf eine Abspannszene verzichtet, die Raum für genug Spekulation lässt und, was viel wichtiger ist, für einen nächsten Teil oder ein Spinn Off, was auch immer. Jetzt könnte man natürlich, vor allem nach der eher ernüchternden zweiten Hälfte des Films, behaupten, die Serie bräuchte keinen neuen Teil. Aber seltsamerweise hat mich der Film doch gepackt und meine Lust auf mehr geweckt. Er funktioniert als Abenteuerfilm einfach solide und bietet genug tolle Momente, die einem im Gedächtnis bleiben. Er hat Charme und es macht immer wieder Spaß, die Figuren vor schöner Kulisse bei der Schatzsuche zu begleiten. Ich habe schon schlechtere Fortsetzungen und Blockbuster dieses Jahr erlebt!

Daher kann ich sagen: Fluch der Karibik 5 „Salazars Rache“ reicht vielleicht qualitativ nicht ganz an den Anfang der Serie heran, schafft es aber zumindest den katastrophalen vierten Teil zu toppen und seltsamerweise Lust auf mehr zu machen. Dabei kommen ihm jedoch ein blasser Antagonist und eine zu generische Geschichte ein wenig in die Quere.

Von links nach rechts: Jack Sparrow (Johnny Depp), Marty (Martin Klebba), Scrum (Stephen Graham) und Carina Smyth (Kaya Scodelario)
Von links nach rechts: Jack Sparrow (Johnny Depp), Marty (Martin Klebba), Scrum (Stephen Graham) und Carina Smyth (Kaya Scodelario)

 

 

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