Foto von Elena Meyer-Thamer
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Filmmarathon in Berlin – Berlinale 2018

Vom 15. bis 25. Februar fand die diesjährige Berlinale statt. Ein Erfahrungsbericht der Filmfanatikerin Elena Meyer-Thamer.

Es hat sich so zugetragen, dass ich in diesem Jahr zur Berlinale nach Berlin fuhr. Meine kühnsten Träume wurden wahr: Filmpremieren, Schauspieler und Regisseure auf dem roten Teppich und Glanz und Glamour zwischen Hipstern in der Hauptstadt. Ohne alles vorwegzunehmen, es war noch viel besser als ich es mir hätte ausmalen können.

Tatsächlich war ich noch nie in Berlin. Und eigentlich bin ich auch nicht so der Großstadtmensch. Aber nach dieser Woche bin ich regelrecht ‚Verliebt in Berlin‘ *zwinker zwinker*.

Foto von Elena Meyer-Thamer
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Aber am besten beginne ich am Anfang. Der war am 17. Februar um 5 Uhr im Morgengrauen. Da klingelte nämlich mein Wecker. Vor lauter Angst den Wecker zu überhören hatte ich in der Nacht zuvor natürlich kein Auge zugetan. Dementsprechend ausgeschlafen und rosenwangig machte ich mich auf den Weg zur Bahn. Vor Übermüdung und Kälte bibbernd, wartete ich (viel zu lange, da ich vor lauter Paranoia viel zu früh losgegangen war). Die lange Zugfahrt nach Berlin und der Check-In im Hostel müssen hier nicht erwähnt werden. Es lief alles reibungslos.

Da war ich nun endlich: In der Hipster-Hauptstadt, dem Ziel meiner Reise, der Stadt in der sich das leckere Süßgebäck Berliner merkwürdigerweise Pfannkuchen nennt. Davon mal abgesehen war ich beeindruckt: Was für weitläufige Plätze! Es gibt für jede, noch so spezielle Vorliebe einen eigenen Laden! Und es sind so extrem viele Menschen auf der Straße unterwegs! Das kann ja was werden, dachte ich.

Dann war es soweit. Meine Begleiter und ich hatten keinen Schimmer wie lange die einzelnen Fahrten zu den Kinos dauern und wie viel früher man für ein Ticket da sein muss, aber wir hatten Anfängerglück: So war es wohl Fügung, dass wir kurz vor knapp Plätze für den ersten Film unserer Wahl erhielten. Dem Titel „Damsel“ von David und Nathan Zellner. Die beiden glatzköpfigen, unverkennbar verwandten Brüder wurden im Voraus auf der Bühne vorgestellt und erklärten uns, dass der Film sowohl ein Western, als auch ein Anti-Western sei. Oho oho. Damit sollten sie recht behalten.

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Kurzum beginnt der Film mit der Reise eines Mannes (Robert Pattinson), eines Priesters (David Zellner) und eines Miniatur-Pferdes namens Butterscotch, die sich auf die Suche nach der Geliebten des Mannes (Mia Wasikowska) begeben, damit dieser sie heiraten kann. Absurd-lustige Szenarien und Dialoge verdrehen die Klischees und Konventionen des Westerns mit einer guten Portion Selbstreflexivität und Ironie.

Trotz eines teils langatmigen Finales ist der Film sowohl für Westernkenner als auch Genre-Laien empfehlenswert.

Die Kulisse der Filmsichtung war so spektakulär, wie ich es von einfachen Kinobesuchen nicht gewohnt bin. Der Friedrichstadt-Palast verdient durchaus die Bezeichnung „Palast“. Da es nach Filmschluss schon dunkel war, ließ sich die beleuchtete Pracht in angemessener Manier – mit offenstehenden Mündern – bestaunen. Ganz großes Kino! Auch vor der Leinwand: Selten erlebt man es in solch einem riesigen Saal mit so vielen Menschen gleichzeitig verdutzt zu lachen oder zu kichern. Beispielsweise als Robert Pattinsons Figur voller Ernst die wohl kitschigste und unoriginellste Liebesballade überhaupt trällert: Honeybun.

Das war nur der erste Streich, und die anderen folgen sogleich – nur nicht in voller Breite, denn das würde dann kein Artikel, sondern ein Tausend-Seiten-Epos werden. Am zweiten Tag, schauten wir uns die Kurzfilme der Kategorie „Generation“ an. Filme aus dieser Kategorie kosten für Studenten nur zwei Euro. Das sind Preise, an die ich mich gewöhnen könnte. Damit ließe sich das Pensum von zwei Kinofilmen am Tag mühelos in den Studenten-Alltag integrieren. Obwohl ich eine große Freundin von Kurzgeschichten bin, konnten die Filme mich nicht überzeugen. Es war einfach zu wenig Zeit, um Emotionen aufzubauen. Dafür war es umso süßer, als nach der Filmvorführung die Filmemacher und teils Schauspieler die Bühne betraten, um Publikumsfragen zu beantworten. Zu Wort meldeten sich Nachwuchskritiker und mutige unter-13-Jährige, deren Fragen derart naiv waren, dass mir das Herz aufgegangen ist.

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Dieser Abend brachte auch unsere erste Enttäuschung ein: Es war Sonntag-Abend. In Berlin. Wir waren fest davon überzeugt es bestände eine reale Chance Tickets für den neuen Colin Firth Film zu ergattern – trotz gewagter Zeitkalkulation (45 Minuten vor Filmbeginn kreuzten wir in bester Laune am Ticketschalter auf). Irrtum. Das dürfte die goldige Naivität der besagten unter-13-Jährigen um einiges übertrumpfen.

Im Gegenzug gingen wir an diesem Abend in unsere erste Weltpremiere, die im sagenumwobenen Berlinale Palast stattfand. Am Marlene-Dietrich-Platz ist jener berühmt-berüchtigte rote Teppich ausgerollt, der einem aus dem Fernsehen und den Klatsch-Magazinen entgegen springt. Dort kommen die großen Stars aus Hollywood in verdunkelten Limousinen vorgefahren. Das Fußvolk reist weniger glamourös (aber in deutlich bequemeren Outfits) per U-Bahn an. An diesem Abend handelte es sich um einen schwedischen Film mit schwedischen Stars. Mein Fazit dazu: „Toppen av ingenting“ von Axel Petersén und Måns Månsson ist ein Geheimtipp für Fans von „Toni Erdmann“. Zur Handlung: Eine alte exzentrische Frau erbt ein Gebäude. Um sich gegen ihre böswilligen, auf Etage Sieben illegalen, Geschäften frönenden Verwandten durchzusetzen, sucht sie Rat bei ihrem Anwalt. Dieser besitzt passenderweise eine Maschinenpistole. Es überrascht daher nicht, dass seine Idee recht bald zur Eskalation führt. Außer dem Stichwort „selbsthergestellter Brandbeschleuniger“ will ich hier nichts vorwegnehmen.

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Am nächsten Tag hätten wir um ein Haar ein Autogramm vom internationalen Serienstar Natalie Dormer ergattert. Leider wurde die aus „Game of Thrones“ bekannte Britin von einem ihren Namen lautstark skandierenden Chor wieder weggelockt. Und die Moral von der Geschicht‘: In der Autogrammjagd und der (Fan-)Liebe ist alles erlaubt. Und höfliche Zurückhaltung zahlt sich im Leben zwar meistens aus – am roten Teppich gelten jedoch andere Gesetze. So viel dazu. Die ersten beiden Folgen von Dormers neuer Miniserie: „Picnic at Hanging Rock“ waren großartig. Ich kann es kaum erwarten die vier verbliebenen Folgen ab dem deutschen Sendestart im Mai nachzuholen.

Abends schauten wir „7 Days in Entebbe“ von José Padilha. Ein zusätzliches Schmankerl: Der hochkarätige Cast war nicht nur auf der Leinwand zu sehen, sondern saß mit Daniel Brühl und Rosamund Pike auch leibhaftig im Saal. Quasi nur einen Popcornwurf entfernt. Unfassbar!

Die restliche Woche in aller Kürze: Die Langzeitdokumentation „What Wallaa wants“, „Les rois mongols“, „The life Aquatic with Steve Zissou“, „Unga Astrid“, „Don’t worry he won’t get far on foot“ und schließlich die Berlinale Shorts zum Thema „Vom Rausch des Lebens“.

Hätte ich diese Filme nicht im Rahmen der Berlinale geschaut, hätte ich einige wohl niemals gesehen. Mein persönliches Fazit: Der Besuch der Filmfestspiele verleiht auch weniger massentauglichen Filmen einen Mehrwert, sodass sie für mich zu unvergesslichen Kinoerlebnissen geworden sind. Die Auftritte von Schauspielern und Filmemachern sind nicht nur aufregend für Autogrammjäger, sondern sorgen bei Filmdiskussionen auch für spannende Insider-Informationen. Und wer weiß: Vielleicht sind einige der Filme nächstes Jahr für einen Oscar nominiert. Dann kann ich sagen: Ha, den Film habe ich schon letztes Jahr geschaut!

P.S. Ein kleiner Tipp für Filmverliebte im doppelten Sinne: Im Zoo-Palast sind die besten Kinositze überhaupt. Man kann sie fast waagerecht nach hinten klappen. Und in den Partnersitzen – ohne Armlehne in der Mitte – kann man nach Belieben kuscheln, knabbern und konspirieren.

 

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