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Aktuelles

Film ab! Über die Arbeit als Statist

 Jede*r kennt und sieht sie, sie sind unerlässlich für jede Film- und Fernsehproduktion und doch recht austauschbar  – Komparsen! Doch was tun die überhaupt und wie wird mench Statist*in für einen Film?

von Louisa Albrecht

Mein Weg an die Filmsets der Umgebung war geradezu klischeehaft. Wie so viele andere wollte ich gerne Schauspielerin werden und so habe ich nach entsprechenden Beschäftigungsmöglichkeiten gesucht. (Und natürlich habe ich keine Ausbildung, dachte mir aber: so schwer wird das schon nicht sein. Irrtum!) Nach einer Weile stieß ich auf die eine Seite, die wohl alle kennen, die schon mal gedreht haben: komparse.de. Dort fand ich sehr viele Ausschreibungen, auf die ich mich fleißig bewarb. Damals dachte ich noch, dass die Arbeit als Statistin ein guter Einstieg in die Welt der Schauspielerei sein könnte. Um euch gleich die Illusion zu rauben – entdeckt wurde noch niemand, den ich in den letzten dreieinhalb Jahren kennen gelernt habe 😉

Mein erster Dreh war für Bettys Diagnose, eine ZDF-Krankenhausserie von der ich nicht mehr wusste (und auch immer noch nicht weiß), als dass meine eine Oma die recht regelmäßig guckt. Irgendwann kam eine Mail oder ein Anruf, ich weiß es gar nicht mehr, dass sie mich für den Tag X haben wollen. Sofort sagte ich zu und am Abend vor dem Drehtag (und mit Abends meine ich  18.00, vielleicht auch noch später) bekam ich die Infos für den nächsten Tag. Wann, Wo, Welche Jahreszeit wird gedreht und was für Kleidung brauche ich dafür. Irgendwann vorher hatte auch die Zuständige aus der Kostümabteilung mal mit mir telefoniert und mir gesagt, welche Farben zum Beispiel nicht getragen werden dürfen, weil sie sich mit Wandfarben am Set beißen oder dergleichen.70396715_473123609950306_89857647909535744_n
Aufgrund der entzückenden Tatsache, dass ich in einem kleinen Dorf im Nirgendwo wohne, musste ich etwa 1.5 oder 2 Stunden vor Drehbeginn losfahren, nach Leverkusen. Am Set bekam ich einen Zettel für die Abrechnung. Steueridentifikationsnummer, Sozialversicherungsnummer, ein paar Auskünfte zur Ermittlung meiner Steuerklasse, IBAN und Kontaktdaten … puh!
Da ich eine Schwesternschülerin spielen sollte, bekam ich Kleidung von der Produktion, quasi (m)ein Kostüm. Zum Glück hat es an dem Tag nicht allzu viel geregnet- gedreht wurde draußen. Bei gefühlten zehn Grad, mit kurzen Ärmeln. Die Aufgabe? Zusammen mit einer anderen sollte ich so tun, als ob ich die Sonne genieße und Kaffee trinke während ich mit einer Kollegin plaudere. Es gab keine Sonne, die Tasse war leer und beim Plaudern durften wir nur so tun als ob! Am Anfang kam ich mir dabei ziemlich bescheuert vor aber mit der Zeit habe ich mich daran gewöhnt.

Zum Glück gibt es bei den meisten Produktionen morgens Brötchen, mittags eine warme Mahlzeit und wenn es besonders luxuriös zugeht und der Dreh lange dauert, manchmal noch nachmittags einen kleinen Snack. Am Set von Der Lehrer war es im Sommer oft Melone.

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Willkommen in der Lindenstraße!

Da ich im Sommer 2016 zwischen Abi und Studium stand und dementsprechend viel Zeit hatte, drehte ich sehr oft. Ich hatte das Glück, in den G-Kurs für die 5. Staffel von Der Lehrer als Ersatz reingekommen zu sein, was ich ziemlich cool fand, da ich die Serie mochte.
Letztlich bedeutete das für mich vor allem mehr oder weniger regelmäßige Drehs (die Tage hatten selten weniger als 8 oder 10 Stunden… die Zugfahrten nicht mit eingerechnet… ich stand also oft um fünf oder halb 5 auf und war erst um 8, 9 oder gar 10 zu Hause – für meist nicht mal 100€ brutto/Tag, da der Mindestlohn damals noch bei 8.50€/h lag) und dass ich zumindest in der Anfangszeit nicht ständig eigene Klamotten mitbringen musste (später wechselte die Kostümzuständige). Denn normalerweise wird genau das erwartet. Von der Produktion wird mitgeteilt, welche Jahreszeit gedreht wird und die Komparsen sollen dann „2-3 Outfits“ mitbringen, manchmal auch 4-5. Selten gibt es wirklich konkrete Vorgaben, was jedoch nicht heißt, dass die Kostümabteilung keine konkreten Vorstellungen hätte! Ich kann mich an einige Drehs erinnern, bei denen ich nichts von dem angezogen habe, was ich mitgebracht habe, weil es nicht zu den Vorstellungen passte oder das, was ich trug nicht gefiel. Dafür habe ich in meiner Zeit als Komparsin ziemlich oft sehr fragwürdige Outfits und Farbenkombinationen getragen…

Wer glaubt, einen Einstieg in die Schauspielwelt über Komparsenjobs finden zu können, den muss ich leider enttäuschen. Ich kenne zwar viele Schauspielschüler*innen, die nebenbei auch als Komparsen jobben, aber keine Komparsen, die den Sprung nach oben geschafft hätten. Manche Drehs sind lustig oder spannend (wenn z.B. Stunts gedreht werden, so wie bei meinem ersten der Lehrer Dreh), viele sind aber auch einfach lang(weilig), zu kalt oder zu warm, weil quasi nie die Jahreszeit gedreht wird, die gerade ist, so dass mensch sich nur sehr selten fürs Wetter passend anziehen darf oder extrem anstrengend, wenn stundenlang immer wieder dieselben Wege gegangen werden müssen. (Kleiner Tipp – nehmt niemals unbequeme Schuhe ans Set, nur weil sie gut aussehen. Was ihr nicht dabei habt, müsst ihr auch so gut wie nie anziehen!)

Manchmal fühlte ich mich sich übrigens selbst als Komparsin, die ja definitiv ans Set gehört, ganz schön komisch. Bei einem Lindenstraßendreh musste ich zum Beispiel eine Kellnerin spielen und die Schauspielerin und den Schauspieler im Gespräch unterbrechen, um ihnen (natürlich stumm) etwas anzubieten…. Aber so ist der Job manchmal.

Alles in allem ist es eine coole und abwechslungsreiche Erfahrung. Mit der Zeit  lernt mensch immer wieder neue Leute kennen, trifft nach einer Weile aber auch bekannte Gesichter wieder, da es Menschen gibt, die tatsächlich hauptberuflich Kompars*innen sind. Es ist spannend, bei Filmsets hinter die Kulissen blicken zu dürfen aber manchmal auch ganz schön ernüchternd.  Abgesehen davon zahlen die meisten Produktionen entweder den Mindestlohn (Der Lehrer) oder nur knapp etwas darüber (und damit meine ich 9.50€). Und manchmal hat mensch tatsächlich das Glück, bekanntere Schauspieler*innen zu treffen und auch mit ihnen reden zu können. Zum Beispiel Hendrik Duryn von Der Lehrer ist richtig nett, selbst zu den Statisten, was nicht selbstverständlich ist und Erdogan Atalay und seine Schauspielkollegen von Alarm für Cobra 11 lassen sich auch zu Fotos überreden.

Manchmal Statist*innen am Set von Schauspieler*innen allerdings total ignoriert. Das kommt ganz drauf an, aber ein paar Sachen habe ich in den drei Jahren als Komparsin gelernt, denen fast alle, die ich kennen gelernt habe, zustimmen würden:

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Armans Geheimnis

Essenstechnisch ist das beste Set unumstritten Alarm für Cobra 11, auch wenn die Drehs oft ziemlich früh anfangen. Bei Bettys Diagnose wird darauf geachtet, keine Lebensmittel wegzuwerfen. Besonders organisiert ging es bei der Lindenstraße zu (beim Lehrer hingegen war es gerne chaotisch, so dass wir nicht selten mal 4 Stunden Pause hatte und nur im Komparsenraum rumhing). Mein coolster Dreh, weil ich ein Kostüm tragen durfte, richtig in der Maske saß und sogar einen extra Termin fürs Kostümfitting hatte war für die Serie Armans Geheimnis. Der kürzeste Dreh war für Club der roten Bänder – ich war zwar zu früh da, saß aber letztlich nur für eine Szene eine halbe Stunde auf einer Tischtennisplatte rum und musste mich im richtigen Moment umdrehen, danach durfte ich sogar noch mit den Schauspielern zu Mittag essen.
Außer bei der Lindenstraße gibt es eigentlich immer kostenloses Catering und inzwischen werden auch Vegetarier*innen an den meisten Sets satt. Und bei Bares für Rares zahlen sie einem 50€ für 5 Stunden – ohne steuerliche Abzüge, was auch mal schön ist.

Und weil sich bestimmt jetzt irgendwer von euch fragt: Und? Durftest du auch mal was sagen?
Ja, einmal hatte ich für die SOKO Köln einen Dreh, bei dem ich eigentlich nur als Komparsin gebucht war, aber plötzlich musste ich am Set 2 Sätze sagen, für die ich 50€ extra bekommen habe. (Bei 1-2 Sätzen hätte es 10€ gegeben, irgendwie waren sie der Überzeugung, ich hätte mindestens 3 gesagt und deswegen gab es 50€).
Und ja- es gab auch schon Momente, in denen Leute, die ich neu kennen gelernt habe, feststellten: Die kenne ich aus dem Fernsehen. (Meistens dann aus  der 5. Staffel von Der Lehrer, weil ich oft zu sehen war und optisch nun mal durch meine Haare auffalle). Das ist ziemlich merkwürdig, aber irgendwie auch cool  😉

 

 

 

Fotorechte: privat, Louisa Albrecht

 

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