Foto: Elena Meyer-Thamer
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Fight for Climate Justice! – End Coal!

Anlässlich der Weltklimakonferenz COP23 in Bonn, fand am 4. November 2017 eine Demonstration in der Bonner Innenstadt statt – der Bericht eines Demo-Neulings.

Von Elena Meyer-Thamer

Auf dem Weg zum Supermarkt entdeckte ich vor einiger Zeit ein Fenster. Dahinter schläft meistens eine schwarze Katze mit weißen Ohren. Es ist zu meiner Gewohnheit geworden im Vorbeigehen immer zu überprüfen, ob Kater Weißohr mal wieder an seinem Stammplatz auf der Fensterbank liegt.

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Neulich fiel mir dann ein rotes Plakat auf, was dort von innen ans Fenster geklebt wurde. Darauf bilden schwarze Kohlestücke die Buchstaben: „Fight for Climate Justice! – End Coal!“ Unter dem Appell das Datum und die Uhrzeit: Vierter November, Zwölf Uhr.

Meine Internetrecherchen zuhause ergaben, dass die Demonstration anlässlich der Weltklimakonferenz COP23 in Bonn stattfindet. Kurz darauf kam ein Rundschreiben vom Bürgermeister. Darin bat er darum, dass alle Bewohner sich für die Zeit der Konferenz anständig benehmen sollen, da die Augen der Welt auf Bonn gerichtet sein würden.

Wenn die internationale Aufmerksamkeit schon mal auf Bonn ruht, kann eine solche Demonstration vielleicht eine Diskussion anregen, die wiederum Veränderung bringen kann. Also entschied ich mich dazu für den Braunkohlestopp auf die Straße zu gehen. Für eine nachhaltige Energieversorgung, für eine gute Zukunft.

Beobachtungen eines Demo-Neulings

Foto: Elena Meyer-Thamer
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Als kompletter Demo-Neuling, war ich den ganzen Morgen aufgeregt. Im Rahmen meiner Recherchen hatte ich erfahren, dass rote Kleidung das Erkennungsmerkmal der Demonstranten sei. In meiner einzigen roten Jacke gekleidet, fuhr ich mit meinem Fahrrad überpünktlich zum Bonner Münsterplatz, aus Angst alles zu verpassen. Auf dem Weg dorthin entdeckte ich voller Freude mehrfach Personen, die rote Kleidung trugen – ob nun absichtlich oder nicht.

Auf dem Münsterplatz war es bereits proppevoll. Entgegen meiner Befürchtungen, wäre es unmöglich gewesen die Demonstration zu verfehlen. Vor der Beethoven-Statue war eine riesige Erdkugel aufgebaut. Große schwarze Luftballons mit dem Aufdruck CO2 wurden von der Menge vor der montierten Bühne durch die Lüfte geschossen. Einige Stände verteilten grüne Luftballons, Flyer oder rote Bänder. Zahlreiche Menschen trugen bunte Plakate, Pinguin-Kostüme oder die roten Bänder als Bandana. Ein meterlanges rotes Band spannte sich durch die Menge, das die rote Linie symbolisieren soll, die nicht überschritten werden darf. Freundliche Mit-Demonstranten verteilten kostenlos selbstgemachte „Energiebällchen“, Snacks aus Mango und Haferflocken, ummantelt von Sesam.

Hopp, Hopp, Hopp – Kohle Stopp!

Auf der Bühne hielten dann einige bekannte Leute der Umwelt-Szene Reden über die Wichtigkeit des schnellen Handelns. Ganz besonders viel Beifall erhielt allerdings eine Aktivisten-Gruppe mit dem Namen Ende Gelände. Diese luden dazu ein, am nächsten Tag an einer Aktion des zivilen Ungehorsams teilzunehmen: Zusammen werden sie morgen in das nahegelegene Braunkohlewerk gehen und sich in den Weg der Tagebaufahrzeuge stellen. Parolen wie „Hopp, hopp, hopp – Kohle Stopp!“ wurden daraufhin lautstark skandiert.

Foto: Elena Meyer-Thamer
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Als sich langsam die Novemberkälte bemerkbar machte, sollte die eigentliche Wanderung auch beginnen. Die Menschenmasse bewegte sich sehr langsam am Münster vorbei Richtung Lennéstraße. Wir folgten einem laut Musik abspielendem Transporter zur Adenauerallee, wo die Menschenmasse sich mit einer Fahrradfahrergruppe aus Köln vermischte.

Immer wieder waren ganze Trauben an Polizisten zu sehen, welche die Menge im Blick hatten. Das fühlte sich beruhigend an. Auch wenn sich die Menschenmasse ohnehin sehr friedlich und gesittet verhielt. Außerdem wimmelte es vor Kamerateams verschiedener Fernsehsender. Auch die gezückten Smartphones der Demonstranten waren nicht zu übersehen. Die Demo wird also ein mediales Echo hinterlassen. Ob sie eine Veränderung bewirken wird, wird sich mit der Zeit zeigen. Ich hoffe darauf.

 

 

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