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Aktuelles Frauenfrage - Kolumne Gesellschaft

Feminismus – Bedrohung der Männlichkeit?

Immer häufiger wird der Vorwurf laut, Feminismus verdränge die männlichen Seiten an unseren Jungen und Männern, doch was ist an dieser Behauptung dran?

Frauenfrage eine Kolumne von Louisa Albrecht

Meiner Meinung nach bräuchte es den Feminismus vermutlich nicht mal, wenn es den Sexismus nicht gäbe, doch es gibt ihn und so entsteht ein Ungleichgewicht zwischen den Geschlechtern, das es zu überwinden gilt.
Ich gebe ehrlich zu, dass ich die Vorwürfe, der Männlichkeitsverdrängung teilweise verstehen kann. Während der Feminismus sich immer weiter durchzusetzen scheint und mit ihm Frauenquoten, Jobs für Gleichstellungsbeauftragte und dergleichen mehr, setzt sich eigentlich niemand so offensiv für die Rechte von Männern ein (wenn wir von ihrer anhaltenden Vorherrschaft in vielen Lebensbereichen sowie der beruflichen Führungsetage mal absehen).

Diskriminiert der Feminismus also das eine Geschlecht zugunsten des anderen?

Diese Frage wird jeder für sich selber beantworten müssen, doch ich behaupte: Er muss es nicht!
Männer können ebenfalls vom Feminismus profitieren.
Wäre es nicht schön, den eigenen Nachwuchs groß werden zu sehen? Länger als nur einen oder zwei Monate in Vaterschaftszeit zu gehen, ohne von den Kollegen (und Kolleginnen) schief dafür angeschaut zu werden?
Wäre es nicht schön, sich auch mal „weiblich“ verhalten zu können, ohne eine Abwertung durch den Bekanntenkreis zu erfahren?

Ich hoffe, dass die Antwort auf diese Fragen „Ja!“ lautet. Denn wenngleich Frauen biologisch dazu „ausgestattet“ sind, den Nachwuchs in der ersten Zeit nach der Geburt zu versorgen, heißt das nicht, dass sie eure Unterstützung nicht brauchen, Männer.

Wusstet ihr übrigens, dass euch pink und rosa verdammt gut stehen kann und Kochen nicht nur dem weiblichen Geschlecht liegt?

So, nachdem ich genug Klischees bedient habe, hier mal ein ganz praktisches Argument: Wenn Frauen und Männer als gleich stark / toll / wertvoll / … gelten, werden wir Frauen nicht mehr von oben herab behandelt und ihr Männer müsstet euch weniger Druck stellen, der euch nach „unten“ reißen könnte, in Richtung der „schwachen“ Frauen.
Ihr könntet, ebenso wie wir, durch den Feminismus „freier“ werden!

Mir ist bewusst, dass viele die Frage von oben bis zu diesem Punkt nicht als beantwortet ansehen werden.
Männer sollen sich weiblich verhalten, werden einige sagen. Jungs sollen nicht mehr raufen und sich schlagen, stellt die Zeitung Welt fest.
Warum?
Vielleicht, weil man selbst von kleinen Kindern einen immer größeren Grad an Selbstbeherrschung verlangt?
In der Chefetage darf weder Mann noch Frau später einfach drauf los brüllen oder jemanden schlagen, nur weil ihm oder ihr danach ist.
Vielleicht ist diese „Verweiblichung“ also vielmehr eine Forderung nach „erwachsenem Verhalten“. Mädchen werden schon seit Jahrhunderten zur Zurückhaltung erzogen, während Jungen in den ersten Lebensjahren meist relativ freie Hand gewährt wird. Das hat sich inzwischen geändert.

Der Vergleich der rauflustigen Jungen mit den ruhigen Mädchen geht meiner Meinung nach nicht auf ein verschiedenes biologisch vorprogrammiertes Verhalten zurück, sondern lediglich auf Erziehungsstile, die bereits so verinnerlicht wurden, dass wir sie manchmal kaum noch wahr nehmen.

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