pronomen
Aktuelles Frauenfrage - Kolumne

Er, Sie, Xier, ist doch egal! Oder?

Für all jene, die sich mit ihrem biologischen Geschlecht identifizieren und auch mit den gesellschaftlichen Erwartungen ist die Wahl der Pronomen leicht. Er für Männer, Sie für Frauen… doch was, wenn Menschen da nicht reinpassen? Wer muss sich ändern? Die Menschen oder die Gesellschaft?

„Frauenfrage“, eine Kolumne von Louisa Albrecht

Auf Gender BarCamp, über das ich schon in der letzten Kolumne geschrieben habe, traf ich Feminist*innen jeden Alters- also auch solche, die die 60er Jahre nicht nur erlebt haben, sondern bereits da gekämpft haben. Für eine von ihnen war es ein Problem, dass heutzutage ja quasi alles als trans* gelabelt würde, auch lesbische Frauen, die sich als Frauen fühlen und sich lediglich „männlich“ verhalten. Von so etwas habe ich zwar noch nie gehört, es erscheint mir auch irgendwie nicht so ganz sinnvoll… Alleine schon deshalb nicht, weil a) Labels sowieso nur bedingt sinnvoll sind und b) kein Mensch von anderen einfach als dies oder das gelabelt werden sollte.

Ich halte es nicht für unmenschlich, zu fragen, was für Pronomen verwendet werden sollen oder sich zumindest darauf einzulassen, korrigiert zu werden. Wenn ein Mensch mir sagt „Hey, du hast mich gerade mit dem und dem Pronomen angesprochen… es wär cool, wenn du mich stattdessen mit diesem oder jenem Pronomen ansprichst“, dann tu ich das. Warum auch nicht? Wenn ich akustisch verstehe, dass mein Kollege auf der Arbeit Jannis heißt, aber sein Name in Wahrheit Johannes ist, nenne ich ihn doch auch nicht einfach Jannis, nur weil ich das zu Beginn gedacht habe.

Inzwischen kenne ich viele Leute, die diese Sicht teilen. Aber auf jenem BarCamp traf ich auch Leute, die es nicht so sehen. Ehrlich gesagt so ziemlich der letzte Ort, an dem ich mit Ablehnung gegenüber Offenheit und Mitmenschlichkeit gerechnet hätte. Eine Frau mit der ein*e andere* Teilnehmer*in und ich sprachen meinte, dass das mit den Pronomen doch anmaßend sei. Wenn ein Mensch erwartet, dass sich andere an ihn*/sie* anpassen und die selbstgewählten Pronomen dieses Menschen verwenden, sei das eine Anspruchshaltung und es könnte nicht erwartet werden, dass dem jede*r gerecht würde… So etwas auf einem sich selbst als queer-feministisch bezeichnenden BarCamp von einem der Orga-Menschen zu hören, hat mich zutiefst schockiert und getroffen.

Ich muss ehrlich zugeben, dass ich nicht jede einzelne sexuelle Orientierung oder geschlechtliche Identität kenne, die es gibt, doch wenn jemand zu mir kommt und sagt: Nenn mich bitte so und so, meine Pronomen sind diese/jene… dann akzeptiere ich das und nenne die Person so, wie sie es möchte. Wenn ein cis-Mensch (biologisches und soziales Geschlecht stimmen überein) sich vorstellt und sagt: Hey ich bin der Blubb, mein Pronomen ist „-“, dann juckt das niemanden… abgesehen davon, dass das nicht vorkommen wird, weil cis-Menschen nicht um ihre korrekten Pronomen bitten müssen. Jemanden die korrekte Pronomenverwendung zu verweigern hat meiner Meinung nach nichts mit einer Anspruchshaltung zu tun. Jedenfalls nicht mehr, als wenn ich „Luca“ oder „Kim“ heiße und andere bitte, mich auch so zu nennen und nicht „Gisela“ oder „Vincent“. So schwer sollte das nicht sein…

Wie seht ihr das?

 

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