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Eine Bundespressekonferenz – was ist das eigentlich?

Eine Pressekonferenz, auf der Journalistinnen und Journalisten Informationen von den Pressesprechern der Bundesregierung bekommen. Nicht ganz! Eigentlich wird diese Art von Pressekonferenz die Regierungspressekonferenz genannt. Aber was ist dann die Bundespressekonferenz?

 Von Katharina Hensel

Die Bundespressekonferenz ist ein Verein, bestehend aus Journalistinnen und Journalisten, der diese Pressekonferenzen organisiert, um Informationen zum Beispiel von der Regierung zu erhalten. Das heißt, die Regierungspressekonferenz ist nicht von der Bundesregierung her organisiert? Nein, dieses System ist einmalig und etwas Besonderes. Die Minister beziehungsweise die Pressesprecher der verschiedenen Ministerien sind zu Gast bei der Regierungspressekonferenz und werden jeden Montag, Mittwoch und Freitag dorthin eingeladen. Es finden zusätzlich auch andere Arten der Pressekonferenzen im Raum der Bundespressekonferenz statt. Zum Beispiel die Opposition, Partei- oder Fraktionsvorsitzende, Wissenschaftler, Kirchenvertreter, Sachverständige oder Sozialverbände werden von den Journalistinnen und Journalisten eingeladen, sobald ein bundesweites öffentliches Interesse zu einem Thema besteht. Die Bundespressekonferenz ist demnach ein selbstorganisiertes Organ, um eigenständig an Informationen kommen zu können und nicht beispielsweise auf die Einladung einer Partei zu ihrer Pressekonferenz warten oder hoffen zu müssen, überhaupt dazu zugelassen zu werden – in anderen Staaten kein Ausnahmefall.

Bei diesen Regierungskonferenzen können also alle möglichen Fragen gestellt werden? Stellen dürfen die Mitglieder der Pressekonferenz alle Fragen. Nicht selten lauten die Antworten im Besonderen vom Regierungssprecher Steffen Seibert dann aber „ich habe gesagt, was ich gesagt habe“, „ich habe dem nichts hinzuzufügen“, „ich sehe keinen Anlass dazu, Stellung zu nehmen“ oder „mir liegen nicht genug Informationen vor, um dies zu kommentieren“.

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Doch gerade da alle Fragen gestellt werden können, ist die offene Begegnung mit den Sprechern der Ministerien, eingeladenen Politikern oder anderen Persönlichkeiten aus Wirtschaft und Kultur ein gern gesehenes Instrument der Informationsbeschaffung im Journalismus. Etwa 900 Journalistinnen und Journalisten sind Mitglied der Bundespressekonferenz. Ebenfalls an den Veranstaltungen teilnehmen dürfen die Mitglieder des Vereins der Ausländischen Presse. Und die sitzen dann alle im Saal und überschütten die Gäste mit Fragen? Nicht alle Mitglieder sind bei den Pressekonferenzen anwesend. Viele nutzen den für Mitglieder zugängigen Live-Stream. Fragen können aber nur vor Ort gestellt werden. Damit die Regierungspressekonferenz aber nicht im Chaos versinkt, übernimmt ein Vorstandsmitglied das Hausrecht und organisiert den Ablauf der Themen und die Reihenfolge der Journalistinnen und Journalisten, die eine Frage stellen wollen. Das passiert zum Teil, während die Pressekonferenz läuft. Wenn eine Frage von einem Pressesprecher beantwortet wird, liegen die Augen des leitenden Vorstandmitglieds auf dem Saal. Zeigt eine Journalistin oder ein Journalist mit dem Finger nach unten, heißt es, dass sie eine Folgefrage zu dem gerade besprochenen Thema stellen wollen. Rotieren sie ihre Hände, wollen sie zurück zum alten Thema und dazu eine Frage stellen. Das leitende Vorstandsmitglied schaut, notiert und muss zum Ende hin auch mal mit dem Kopf schütteln, das Time-Out Zeichen mit seinen Händen bilden oder mit dem Finger auf die Uhr tippen. Denn jede Pressekonferenz hat ein Ende – eine Regierungspressekonferenz der Bundespressekonferenz maximal nach 90 Minuten.

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