©Theater Rampös
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Ein Resümee über das Theater Rampös Double Feature

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An einem Abend wurden die zwei sehr unterschiedlichen Stücke Ilja & Mira sowie Soll mir doch lieber Goya den Schlaf rauben als irgendein Arschloch in der Brotfabrik aufgeführt. Ein Kontrast von ruhigeren Tönen und pulsierenden Elektrobeats.

von Gerriet Scheben

Ilja & Mira ist die erste Eigenproduktion von Theater Rampös und stellt zudem das Regiedebut von Tanja Witzel dar. Für Soll mir doch lieber Goya den Schlaf rauben als irgendein Arschloch führte Alexander Bluhm die Regie. Den beiden Stücken scheint lediglich die relativ kurze Laufzeit von jeweils unter einer Stunde und die Verortung der Bühne zwischen zwei Zuschauerseiten gemein zu sein. In Hinblick auf ihren Inhalt und die Form gehen sie in entgegengesetzte Richtungen.

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Ilja & Mira wird zuerst aufgeführt. Die Bühne ist von blauem Licht überflutet, was sich passend zu dem Motiv Meer gestaltet, welches wiederholt aufgegriffen wird und ebenso eine Parallele zu der Gefühlslage der Protagonisten darstellt. Die musikalische Begleitung auf dem Klavier von Chris Knighton fügt sich hervorragend in das gezeigte Schauspiel ein, was kein Wunder ist, da sie extra hierfür komponiert wurde.

Die beiden Akteure interagieren mit zwei aufklappbaren Leitern, die kreativ in das Stück miteingebunden werden, ob nun als Bett, Boot oder Wegstück, was zwischen ihnen liegt. Generell wird mit der variierenden Distanz der zwei Schauspieler und ihrem wechselhaften, teils holprigen – teils synchronisierten, Umgang miteinander gespielt, um eine Ambivalenz der Gefühlswelt der Figuren zu Verbildlichen.

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Das Stück thematisiert Einsamkeit, Familie, Sexualität und deren Verstrickung zu einer äußerst kontroversen Liebe. Dabei wird eine eingängige Geschichte erzählt, die den Zuschauern tabuisierte Problematiken einer verbotenen Anziehung, mit einer nuancierten Herangehensweise, vor Augen führt und große Fragezeichen aufwirft.

Nach einer kurzen Pause folgt Soll mir doch lieber Goya den Schlaf rauben als irgendein Arschloch. Die vier Darsteller sitzen um einen Tisch, auf und unter dem haufenweise Bücher liegen. Die Vortragsweise ist laut, obszön und genial, genauso wie der Rest des Stückes. Mit wechselnden Rollen wird die absurde Geschichte eines Vaters und seiner zwei Söhne erzählt, die 5000 Euro für ihre bestmögliche Unterhaltung ausgeben wollen. Seine zwei Jungen wollen zwar eigentlich ins Disneyland Paris, aber er kann sie schließlich davon überzeugen, dass ein alkoholdurchtränkter Drogentrip voller Sex, mit dem Endziel Bilder von Goya zu betrachten, eine viel bessere Geldanlage darstellt. Bei diesem Familienausflug darf natürlich Richard David Precht als philosophischer UND angesagter Gesprächspartner nicht fehlen, er wird ja auch fürstlich mit Geld, Kroketten und Schnaps bezahlt.

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Zwischen den aufgeführten Passagen werden abgefilmte Sequenzen aus Sicht des Vaters auf einer Leinwand abgespielt, in denen dieser am Computer Videos mit Goyabildern, aber auch Eindrücken aus Disneyfilmen oder Beiträge von Precht anschaut, ohne dabei sein Bier oder ein Mett-Knäckebrot aus den Händen zu legen. Untermalt wird das Ganze durch dröhnende Technomusik.

Diese Inszenierung ist schrill, ironisch und trifft perfekt den derzeitigen Konsumgeist gepaart mit einer möglichst durchgeplanten, durchgestylten Vergnügungssucht, bei der Kunst als Verbrauchsgegenstand verzerrt und verzehrt wird. Das Stück fängt seine Denkanstöße in der eigenen Gestaltung ein und begnügt sich dabei nicht dem Publikum den Spiegel vorzuhalten, sondern bringt dieses sogar noch dazu herzlich über sich selbst zu lachen.

Dadurch, dass diese beiden Aufführungen an einem Abend gespielt wurden ergibt sich ein angenehmer Kontrast bei der Rezeption. Sinnvoller Weise ist der Auftakt ruhig gehalten und wird dann von einem lauten Gegenpart abgelöst Insgesamt liegt hier ein sehr sehenswertes und unterhaltsames Double Feature vor.

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