Die Juli-Umfrage zur Sonderedition

Die internationalen Studis, die sich für diese Ausgabe des Medienblick ins Zeug gelegt haben, waren sogar für uns im Tonstudio und haben Jingles produziert. Doch welcher Jingle ist der beste? Welcher passt zu uns? Hört rein und stimmt mit ab! "Which Jingle Rings Your Bell?"

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Zwei Wahrheiten können sich nie widersprechen!

Vor circa einem Jahr stand ich mit einer Kommilitonin am Bahnhof in Bonn. Wie sooft nach der Vorlesung, wollten wir mit dem Zug zurück nach Köln fahren. Moment, das hatten wir schon, oder? Ja, aber nun erzähle ich meinen Teil der Geschichte. Keine Lüge, sondern die zweite Wahrheit!

Von Désirée Moors

Es stimmt, sowohl die Zwei als auch der Dienstag sind eindeutig gelb. Ein strahlendes Sonnengelb. Doch wie kann jemand behaupten, der Montag sei grün und die Sechs tiefrot? Das übertrifft meine Vorstellungskraft. Es bereitet mir fast Kopfschmerzen. Denn für mich ist der Montag leuchtend rot und die Sechs sandbraun. Da kann keiner etwas gegen machen!

„Bist du auf Drogen?“

Ich ging gerade zur Schule, als ich mit meiner Mutter zum ersten Mal die Zahlen von Null bis Neun aufzählte und ihnen meine Farben zuordnete. Eins war klar: Wir verstanden uns. Mein Vater hingegen schaute uns verständnislos an. Ich sah es als ein kindliches Spiel und machte mir nicht weiter Gedanken darüber.

Erst zu Uni-Zeiten wurde mir wieder bewusst, dass meine Zahlen, die Wochentage und die Monate farbig sind. Ich fand im Internet schnell heraus, dass dieses Phänomen Synästhesie genannt wird und nicht all zu viele Menschen über diese besondere Wahrnehmung verfügen. Ich wurde neugierig. Wer in meinem Umfeld hat noch Synästhesie und weiß vielleicht nichts davon? Den ersten Treffer landete ich sehr schnell. In meinem Jahrgang an der Uni Bonn, der ganze fünfzehn Studenten umfasst, fand ich eine Kommilitonin mit der ich mich austauschen konnte.

Ich war motiviert, weitere Synästhetiker zu finden und konfrontierte meinen Freundes- und Familienkreis mit der Frage: „Welche Farben haben deine Zahlen?“. Anstatt einer selbstsicheren Antwort erntete ich verständnislose Blicke, Gelächter oder gar Rückfragen, wie: „Bist du auf Drogen?“. In jedem Fall gerät man in Erklärungsnot!

Vier + Fünf = Liebe

In den folgenden Wochen nach meiner Erkenntnis wurden mir noch weitere synästhetische Wahrnehmungen bewusst. Für den Flugverkehr ist das rot blinkende Lämpchen am Kölner Fernsehturm ein Warnzeichen, für mich die Quelle eines monotonen Geräusches, das mit dem Blinken kommt und geht.

Ebenso bewusst wurde mir, dass meine Zahlen männlich oder weiblich sind und einen bestimmten Charakter aufweisen. Die rote Vier ist ein junges, fröhliches Mädchen, dass mit der etwas älteren blauen Fünf fest zusammen ist. Ganz zum Pech der dicklichen und scheuen, sandbraunen Sechs, denn immerhin ist diese schwer in die Vier verliebt.

Abschalten kann man diese Art der Wahrnehmung nicht, das wurde mir auch sehr schnell klar. Auf meinem Digitalwecker sehe ich zwar die roten Zahlen, ich empfinde sie jedoch in meiner eigenen Farbe. Auch wenn ich mich sehr stark auf das Rot konzentriere, nehme ich immer noch zumindest einen Unterschied zwischen hell und dunkel wahr.

„Tut das weh?“

Nicht-Synästhetiker nehmen oftmals an, dass die Synästhesie als Last empfunden wird. Sie können sich derartige Wahrnehmungen nicht vorstellen. Doch ich kann versichern: Ich habe weder übertriebene Kopfschmerzen noch tun mir die Augen weh. Die synästhetischen Wahrnehmungen sind einfach da und ich empfinde sie als völlig normal, sie gehören zu mir. Vergleichbar ist diese Situation mit blinden Menschen, die auch nicht davon ausgehen, dass sehende Menschen Schwierigkeiten haben, ständig alles sehen zu müssen.

In manchen Fällen macht mir die Synästhesie das Leben sogar leichter: Ich kann mir meinen zehnstelligen Zugangscode beim Onlinebanking sehr leicht merken, vergesse meine neue Telefonnummer nicht ständig und verpasse keinen Geburtstag meiner Freunde. Und beim Sudoku kann ich anhand der fehlenden Farben sehr schnell erkennen, welche Zahlen noch ins Quadrat müssen.

Durch die Reaktionen, die mir meinen besonderen Wahrnehmungen entgegengebracht wurden, ist mir als Synästhetikerin vor allem eins bewusst geworden: Die menschliche Wahrnehmung ist sehr subjektiv. Jeder von uns hat seine eigene Wahrnehmungswelt. Meine ist eben etwas bunter!

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