Seit dem 1. Januar 2011 ist es nun soweit: im normalen Free-TV ist MTV- Deutschland endgültig nicht mehr zu empfangen. Wer auf inspirierende Klingeltonwerbung oder packende Countdown-Sendungen, wie „40 Most Shocking Celebrity Divorces“ nicht verzichten will, muss zahlen. Denn MTV ist nun Pay-TV und kann zukünftig nur noch im Abo auf digitalen Kabel-, Satelliten- und Breitbandplattformen empfangen werden.
Gab es den „klassischen“ MTV-Zuschauer zum Schluss überhaupt noch? Viele von uns können sich vielleicht noch an lange Nachmittage mit MTV erinnern, immer in der Hoffnung, den Lieblingsvideoclip zu erwischen. Diese Zeiten sind natürlich schon längst vorbei.
Wo früher Musikprogramm die Regel und Sitcoms oder Shows die Ausnahme waren, ist es heute andersherum. Die Frage ist nun, wer MTV bitteschön so vermissen wird, dass er oder sie auch noch freiwillig für uralte Sitcoms und die „40 Naughtiest Celebrity Scandals“ bezahlen will?
Wie zielgruppengerecht ist eigentlich „Date my Mom“?
MTV rechtfertigte sich gegenüber der Kritik, dass das Programm immer anspruchloser werde, häufig mit der Aussage, das Programm sei nun mal auf die Zielgruppe abgestimmt, anspruchsvollere Themen wie etwa Politik, würden „leider nicht besonders gute Quoten holen“.
Offenbar ist der Kampf mit der Quote nun endgültig verloren: mit dem Videoclip der Spice Girls „Viva forever“ gab MTV in Deutschland seinen verbliebenen Zuschauern in der Nacht zum neuen Jahr zu verstehen, dass man nun auf den Schwestersender VIVA wechseln müsse, um weiter kostenloses Musikfernsehen konsumieren zu können.
Musikfernsehen – nur Nostalgie?
Der Ratschlag mag zwar wohlgemeint sein, ist jedoch reichlich realitätsfern. Wer auf der Suche nach einem bestimmten Musikvideo ist, kann sich dies jederzeit kostenlos bei YouTube oder tape.tv ansehen. Und auch alte Sitcoms und Reality-Soaps dürften in den Weiten des Internets problemlos zu finden sein.
Der Grund, warum wir in den Neunzigern dennoch gerne Musiksender wie MTV oder VIVA eingeschaltet haben, war die angenehme musikalische Berieselung nebenbei. Und alle drei oder vier Clips mal ein kurzer Werbespot war auch zu verkraften. Nicht so im Laufe des letzten Jahrzehnts: die Werbespots wurden immer länger und anstrengender („Frag den SMS-Guru“), die übriggebliebenen Musikvideo-Programme (z.B. MTV Noise) rutschten immer weiter ins Nacht- oder Morgenprogramm.
Eine ganze Generation wurde einst geprägt durch die Videos von Madonna oder Michael Jackson. In welch anderem Medium hätten Stars, wie die Queen und der King of Pop je zu solchen Berühmtheiten werden können? Es wird die Zeit kommen, in der auch wir so nostalgisch von Musiksendern sprechen werden, wie einst unsere Eltern, wenn sie „Formel 1“ oder dem WDR-“Rockpalast“ nachtrauerten. Die MTV-Generation ist tot. Es lebe YouTube!
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