Verschwunden ist noch kein Medium, aber die Geschichte zeigt, dass sich weiterentwickeln muss, was auf dem Markt überleben will. Dem Fernsehen geht es da nicht anders. Nach wie vor einflussreichstes und glaubhaftestes Medium in Deutschland, bekommt die gute alte Flimmerkiste doch mehr und mehr Konkurrenz vom vernetzen Bruder. Zeit, die Möglichkeiten der Zukunft zu beleuchten.
Streams
Für Nutzer sind sie praktisch: Online Streams können ganz einfach und genau dann abgerufen werden, wenn wir Lust auf eine Sendung haben. Dass das immer mehr Menschen weg vom TV Gerät und hin zum Laptop lockt, ist die logische Konsequenz. Um etwas von diesem riesigen Markt abzugreifen, hat man sich in den USA schon Einiges einfallen lassen. So lockt Hulu.com mit der Lieblingsserie zum Nulltarif – lediglich ein Werbespot trübt das Sehvergnügen. In Deutschland sind die TV Sender noch in Eigenbrötler-Manier unterwegs. Online Streams gibt es auch hier, aber meist nur auf der sendereigenen Webpage. Die Folge – „illegale Streams“ in Originalsprache gehören zum guten Ton unter den internetaffinen TV Junkies. Rechtslage: bislang ungeklärt. Alternative für „echtes“ Online Fernsehen: Plattformen wie Zattoo.
Web meets TV
Diverse Firmen basteln derzeit daran, diesem Trend einen Riegel vorzuschieben. Google machte Anfang des Jahres einen ersten Schritt und warf die Idee des Google TV auf den Markt. Das Konzept hierbei ist, das Beste aus beiden Welten zu verschmelzen und Webinhalte auf den heimischen Flatscreen zu bringen – inklusive eigens konzipierter Video-Suchfunktion. Der Nachteil: ein Extra-Gerät oder gar ein neuer TV müssen dafür angeschafft werden. Oder wie böse Zungen sagen: „Ein Verbindungskabel zwischen PC und TV hätte es auch getan“. Auch die europäische Fernsehbranche arbeitet an der Neuentwicklung: Hybrid Broadcast Broadbent TV (HbbTV) heißt demnach das TV der Zukunft. Das Prinzip funktioniert ähnlich genau wie bei Google. Die neuen Geräte sollen Internet und TV verschmelzen – bei Bedarf wird einfach zwischen den beiden Möglichkeiten gewechselt.
Portables TV
Schön und gut – zu Hause haben wir nun unsere Verschmelzung. Aber was ist unterwegs? Da ist von Vorteil, dass das Smartphone auf dem Siegeszug ist, angeführt vom übermächtigen iPhone. In asiatischen Ländern ist das Handy TV bereits etablierter, hierzulande verhält sich die Allgemeinheit trotz vorhandener technischer Möglichkeiten bislang zögerlich. Apps wie TV-Select, mit dem sich verschiedene Sender ganz einfach per Handy anschauen lassen, sind vorhanden. Dennoch ist die Zahlen der Menschen, die in der Bahn auf ihr Handy starren, bisher begrenzt. Kann der gehypte „Trend“ von 2008 damit getrost als gescheitert betrachtet werden? Nicht ganz – mit Tablet PCs wie dem iPad hat das Fernsehen für unterwegs vielleicht doch noch eine Chance.
TV 3D
Außerdem gibt es natürlich dieses Jahr längst einen neuen Trend. Dem 3D Kino musste unweigerlich das 3D TV folgen – und das tut es. 3D ist der Renner auf jeder Technikmesse, die Hersteller überschlagen sich darin, neue Geräte auf den Markt zu bringen. Das Problem bislang: Es gibt kaum Filme, die man auf dem schönen neuen Flatscreen anschauen kann. Sky will da abhilfe schaffen und startet ab Oktober einen 3D Sender. Trotzdem wird sich wohl erst in einigen Monaten zeigen, ob das 3D Kino Erlebnis fürs heimische Wohnzimmer tatsächlich zur Regel wird.
Allgemeine Verwirrung
Das Problem, dass sich dem geneigten Zuschauer dieser Tage stellt, ist also: Fernsehen, ja oder nein und wenn ja, welcher Fernseher? Zwischen HD, 3D und Hbb finden sich nur die Wenigsten zurecht. Aber auch der Experte dürfte Schwierigkeiten haben, einem interessierten Käufer zu prognostizieren, welcher Fernseher die beste technische Lösung für das TV der Zukunft ist. Der deutsche Naturwissenschaftler Georg Lichtenberger sprach dazu schon im 18. Jahrhundert ein wahres Wort: “Ich kann freilich nicht sagen, ob es besser wird, wenn es anders wird. Aber soviel kann ich sagen: es muss anders werden, wenn es besser werden soll!”
