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YouTube oder TheyTube?

Erweiterte Funktionen für YouTube deuten auf neue Akzente der Videonutzung. Der aktive Nutzer scheint dabei nicht mehr zwingend für den Erfolg der Videoplattform ausschlaggebend; man konzentriert sich jetzt vermehrt auf die passiven Zuschauer.

Das ZDF, die Bundeswehr oder die Siemens AG werden nicht automatisch mit Schlagworten wie Web 2.0, Medienkonvergenz oder partizipatorische Kommunikation assoziiert. Dennoch sind sie Beispiele für erfolgreiche deutschsprachige YouTube Präsenzen, die zeigen, wie eine flexible und integrative Nutzeransprache in Millionviews umgewandelt werden kann.

Warum sich traditionelle Medienunternehmen oder gar die deutschen Streitkräfte auf einer Videoplattform wie YouTube präsentieren, hat mehrere Gründe.

Zwei Milliarden Views pro Tag

Die steigende Nutzung von Online-Videoplattformen in Deutschland verlangt nach neuen Möglichkeiten, Produkte oder Missionen visuell stärker zu kommunizieren und zu vermarkten. Laut einer aktuellen Studie nutzen derzeit 65 Prozent der Befragten in Deutschland gelegentlich Bewegtbilder im Netz, 86 Prozent davon auf Videoportalen wie zum Beispiel YouTube.

Im Mai diesen Jahres verzeichnete YouTube weltweit einen Durchschnitt von zwei Milliarden Views pro Tag (!). Die Embed-Funktion, neuerdings auch mit HTML5 Videosin der BETA-Phase, führt zusätzlich zu Videoabrufen auf externen Websites und Social Communities wie Facebook oder Blogs. Auf der 2005 gegründeten Videoplattform werden jede Minute 24 Stunden Videomaterial hochgeladen.

Neue YouTube-Funktionen: Die Zukunft der Internetnutzung?

Eine weiterer Grund für die zusätzliche Präsenz traditioneller Unternehmen und Organisationen auf YouTube sind auch die ständigen Funktionserweiterungen der Plattform. Diese stehen nicht nur für einen neuen YouTube-Trend, sondern implizieren auch auf die zukünftige Internetnutzung:

1. YouTube Leanback ist beispielsweise ein Angebot, das einen personalisierten YouTube-Feed automatisch abspielt und dem User die Möglichkeit einräumt, die Videos nacheinander anzusehen (frei nach dem Motto „leanback“). Dieser Feed basiert auf den persönlichen Einstellungen und Vorlieben des eigenen YouTube Accounts bzw. auf den Einstellungen und Bewertungen der direkten YouTube Kontakte (oder durch eine Verknüpfung mit einem Facebook-Account auf den Bewertungen der Freunde dort). YouTube Leanback ist ein Angebot, das einen aktiven Nutzer nicht mehr zwingend voraussetzt.

2. YouTube XL bietet ein alternatives User Interface, das die optimale Wiedergabe von YouTube-Videos auf großen Bildschirmen ermöglicht. Damit schafft es Siemens oder die Bundeswehr, mit Bewegtbildern neuerdings auch auf die Fernsehbildschirme. Da YouTube XL nur eine Erweiterung für Spielekonsolen darstellt, können auch ARD und ZDF auf der Sony PS 3 abgespielt werden.

3. Neuerdings werden auch Livestreams auf YouTube angeboten. Man hofft, dass dieses Feature bald für alle freigeschaltet wird. In Deutschland dürfen  Konzerte beispielsweise noch nicht auf YouTube gestreamt werden, da die Gema Rechte nicht geklärt sind. Auch beim Livestreaming-Feature ist der aktive Nutzer keine Voraussetzung für das Angebot dieser speziellen YouTube Inhalte.

Weitere Funktionen wie Bildunterschriften, YouTube Direct und interaktive Videos machen YouTube immer attraktiver für große Contentanbieter, die so ihre Bewegtbilder in eine Online Community integrieren können.

Sind aktive Nutzer überhaupt noch erwünscht?

Aber was bedeutet das für die User? Sind aktive Nutzer vor dem Hintergrund der neuesten Features auf YouTube und der erfolgreichen Partner wie Siemens überhaupt noch erwünscht? Führen Live Streams, Leanbacks und YouTube XLs nicht wieder zurück zu altbekannten Top-Down-Kommunikationswegen?

Laut der aktuellen ARD/ZDF-Onlinestudie scheint das Interesse an aktiver Teilhabe im Netz momentan tatsächlich tendenziell zu sinken. So heißt es: „Die meisten Angebote werden durch eine nur geringe Zahl von Onliner mit Inhalten versorgt. Die Idee des Mitmachens wird durch diese überschaubare Gruppe vorgetragen, ohne dass der Kreis der aktiven Web 2.0-Nutzer erkennbar steigen würde – im Gegenteil: Er sinkt bei den meisten Anwendungen.“

Zwar werden in der Studie vor allem die Probleme der Sicherheit und der Privatheit als mögliche Ursache für die zögernde Inhaltelieferung genannt. Nichtsdestotrotz scheint sich YouTube mit den neuesten Features vermehrt auf die passiven Nutzer zu konzentrieren, während traditionelle Unternehmen zusätzlich als neue Partner gewonnen werden.

Setzt sich das traditionelle Nutzungsverhalten letztendlich durch?  Werden wir bald nur noch YouTube „anmachen“ und uns berieseln lassen wie einst vor der Flimmerkiste?

Falls dem so ist, leben wir nicht mehr in der Ära von YouTube, sondern TheyTube.

1 comment to YouTube oder TheyTube? Aktive Nutzer unerwünscht.

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