Ode an die Wegwerfgesellschaft. Foto: firutin / flickr.com unter CC-BY-NC-ND

Reif für die Tonne? Von Mindesthaltbarkeit und anderen Irrtümern

 

Gut gefüllte Supermarktregale, kulinarische Spezialitäten so weit das Auge reicht. Dieser Luxus gilt in unserer Gesellschaft als selbstverständlich.  Dabei verdrängen wir häufig die Schattenseiten des ständigen Überangebots.

In Frankreich wurde am 21. Mai 2015 ein neues Lebensmittelgesetz verabschiedet. Dieses verbietet Supermärkten das Wegwerfen unverkaufter Lebensmittel. Stattdessen sollen Überschüsse an karitative Einrichtungen gespendet oder zu Tierfutter und Kompost weiterverarbeitet werden. Die französische Regierung hat sich das Ziel gesetzt, bis 2025 die Lebensmittelverschwendung zu halbieren. Ob dieses Ziel tatsächlich erreicht werden kann, bleibt abzuwarten.  Denn das Gesetz betrifft nur große Supermärkte. Wie der einzelne Konsument mit dem Müllproblem umgeht, ist und bleibt Privatsache. Dabei ist der private Abfall nicht unerheblich – im Schnitt wirft jeder Franzose jährlich 20-30 Kilogramm Lebensmittel weg.

In Deutschland sieht es nicht besser aus. Täglich landen bei uns rund 50.000 Tonnen Lebensmittel im Abfall, von denen ein Großteil noch genießbar wäre. Gut ein Viertel davon entsteht nach dem Kauf. Für Verwirrung sorgt hier vor allem das Mindesthaltbarkeitsdatum. Viele Verbraucher interpretieren es fälschlicherweise als Verfallsdatum. Sie entsorgen das Produkt nach Ablauf des Datums, ohne die Qualität zu überprüfen. Dabei dürfen deutsche Supermärkte Lebensmittel auch nach Ablauf der Mindesthaltbarkeit verkaufen.

In unseren Köpfen hält sich jedoch hartnäckig der Gedanke, dass Lebensmittel nur qualitativ gut sind, wenn sie lange haltbar sind und hübsch aussehen. Wie oft ertappe ich mich selbst am Obst- und Gemüsestand dabei, dass ich nach den rotesten Tomaten und den schönsten Äpfeln Ausschau halte. Mit dem Resultat, dass die nicht so hübsch geratenen Früchte liegen bleiben. Obwohl sie sich geschmacklich nicht von den anderen unterscheiden. Doch wie heißt es so schön: Das Auge isst mit. Was den ästhetischen Ansprüchen nicht genügt, wird nicht gekauft. Und landet schließlich unversehrt im Müll.

Werde zu dem Menschen, der in Dir steckt.

Mit diesem Slogan wirbt der WWF für seine Kampagne #iamnature. Wer sich auf der Homepage anmeldet, erhält kostenlose Tipps zur Verbesserung seines Lebensmittelkonsums. Nach einem kurzen Test zur Selbsteinschätzung erhalte ich mein Konsumentenprofil: “Du bist ein bequemer, ausgeglichener Feldhase.” Was in der Tat noch verbesserungswürdig klingt.

Es werden mir auch sogleich Vorschläge angezeigt, wie ich bewusster mit Lebensmitteln umgehen kann. Für eine Art Wochenchallenge kann ich mir einen der Vorschläge aussuchen, auf den ich mich zuerst konzentrieren möchte. Habe ich es geschafft, diesen umzusetzen, kann ich mir den nächsten Vorschlag vornehmen. So soll sich mein Konsumverhalten schrittweise verbessern.

Das eigene Verhalten zu verändern ist also gar nicht so schwer. Nicht nur große Supermarktketten, sondern jeder Einzelne kann zur Verringerung der Lebensmittelverschwendung einen Beitrag leisten. Es lohnt sich.

2 Gedanken zu „Reif für die Tonne? Von Mindesthaltbarkeit und anderen Irrtümern“

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