Von Caja Thimm
„It takes Technology to make a President“, so titelte die Onlinezeitung wire im September 2008. Angespielt wurde dabei auf die Rolle, die der jeweilige technologische Fortschritt für die Wahlkämpfe der amerikanischen Präsidenten gespielt hat. Im Falle Barack Obamas war damit natürlich das Internet gemeint.
Nur mit Hilfe der Bürgerinnen und Bürger, so lautete die Grundkonzeption des Obama-Wahlkampfes, kann es einen Neuanfang geben. Die Idee des „grassroot campaigning“ wurde zu Obamas Markenzeichen und die Form seiner Netzpräsenz zum Zeichen seiner Modernität und Ernsthaftigkeit. Dieses Konzept verfolgte er mit einer Vielzahl von Einzelmaßnahmen, von denen an dieser Stelle nur drei Strategien genannt werden sollen, die sowohl die genaue Kenntnis der Netzkultur als auch die der Netztechnologie verdeutlichen.
- Blogger-Aktivitäten
- „Online Grassrooting“ durch Direktmailings und SMS
- Nischenpräsenz in verschiedenen Onlineszenen
Da über die Rolle der Blogger schon einiges bekannt ist und auch hier im Medienblick berichtet wird, von mir ein paar Anmerkungen zu den Emails.
Die Form der Direktadressierung durch Emails und SMS bildete den Grundstein für viele Aktivitäten der Unterstützerinnen und Unterstützer Obamas und begründete den großen Erfolg seiner „small scale donation“ Strategie. Obamas Team hat der Bezeichnung “direct mailing” insofern eine neue Bedeutung gegeben, als dass sie Millionen von Wählerinnen und Wählern durch die direkte Ansprache über Email und SMS zum Teil ihrer Kampagne machten.
Das Team nutzte eine personalisierte und differenzierte Ansprache, gab Information über Details des Wahlkampfes, die der breiten Öffentlichkeit nicht (oder später) bekannt wurden, und belohnte die Anhänger durch exklusive Informationen (z.B. erfuhr man exklusiv über SMS, dass Obama Joe Biden zu seinem „running mate“ gekürt hatte). All dies erzeugte in der Gruppe der Unterstützer ein Gefühl der Zugehörigkeit und betonte das “yes we can”. Dieser zentrale Wahlkampfslogan wurde auch in der Netzkampagne konsequent umgesetzt und die „community involvement strategy” war präzise auf den realen Alltag der Unterstützer abgestimmt. Obamas Wahlkampfmanager Axelrod hatte erkannt, dass viele Menschen leidenschaftlich bei der Sache und zur aktiven Teilnahme bereit waren, jedoch ihr Alltag einen hohen Zeitaufwand dafür nicht erlaubte. Die Strategie aber, nur wenige Minuten der Aufmerksamkeit für z.B. die Weiterleitung einer Email, die Anwerbung eines neuen Spenders oder den Anruf bei einem Freund zur Wahlwerbung zu nutzen, wurde millionenfach befolgt. Diese Verzahnung zwischen der Online- und der Offline-Welt war letztlich die Grundlage für die erfolgreiche Webkampagne.
Hier ein Beispiel für ein „You are part of it“ -Email:
„Friend —
I know these are difficult times, but the stakes have never been higher.
If every one of us reaches out to friends, starts organizing, and takes a piece of this campaign into our own hands, we will win this election.
With eight states already voting early — and a dozen more starting in the next two weeks — voters are already making up their minds. This movement needs supporters like you to step up and volunteer right now.
The simplest tasks are also the most important and the most effective. Here are some easy ways you can get involved today. This campaign has always been about change — and real change comes from the bottom up, not from the top down. Supporters like you organizing and fundraising at the grassroots level will make the difference, and we have all the tools to help you do that.
Even if you’ve never been involved in politics before, it’s easy and doesn’t require any experience.
This election is too important to sit on the sidelines. And together, there’s nothing we can’t do.
Barack
Paid for by Obama for America
Selbst Emails können, wenn als Teil der Netzkultur verstanden, ausgesprochen wirkungsvoll sein und das Image eines Web 2.0-Politikers begründen. Und, ganz persönlich: ich finde es immer noch ein bisschen erhebend von Obama eine Mail zu bekommen. Gestern lautete sie wie folgt:
Caja –
This evening, at 11:15 p.m., the House of Representatives voted to pass their health insurance reform bill. Despite countless attempts over nearly a century, no chamber of Congress has ever before passed comprehensive health reform. This is history.
